Damals

Heute vor zwei Jahren habe ich mich bei Twitter angemeldet. Und mein allererster Tweet lautete:

Was mich damals zu Hause erwartete, ist auch erst zwei Jahre her und dennoch fühlt es sich zum Glück weit weit weg an. Seitdem ist viel, sehr viel passiert. Und ich bin unendlich dankbar für all die Entwicklungen der letzten zwei Jahre.

Der 17. November 2014 war einer der schwärzesten Tage in meinem Leben und ich möchte diese Angst nie wieder erleben (müssen). Zeitgleich war es vielleicht auch einer meiner stärksten Tage: Trotz meiner Angst blieb ich ruhig und besonnen und schaffte es, überlegt zu handeln und das wohl einzig Richtige zu tun.

Ich war noch nie jemand, der in stressigen Momenten in Panik verfällt. In Krisensituationen schaffe ich es für gewöhnlich in ein „Notfallpogramm“ zu schalten und völlig sachlich vorzugehen. Ja, das ist sicherlich eine Stärke von mir, von meinem eigentlichen Ich. Das Problem damals war, dass ich ja gar nicht mehr ich selbst war. Beziehungsweise mit ganz kleinen Schritten wieder auf dem Weg zu mir war. Den ersten war ich ziemlich genau sechs Monate zuvor bei der Kur gegangen. Mein Therapeut forderte mich auf, einen Brief an mich zu schreiben. An mich nach der Kur. Einen Brief, den ich immer wieder lesen sollte, wenn ich das Gefühl haben sollte, dass ich von meinem Weg (der damals noch offen war) abkomme. Es beeindruckt mich noch immer, wie nachhaltig diese kleine und vermeintliche einfache Maßnahme wirkt(e).

Liebe B.,

weißt Du noch, wie frei Du Dich auf Deinem Roadtrip durch die Bretagne gefühlt hast? An den Tagen, an denen Du nur was für Dich gemacht hast?

Point du Raz war schon ein Erlebnis: Am westlichsten Zipfel Frankreichs. Vor Dir nur das Meer – rauschend, leicht bewegt. Die Sonne scheint. Der Himmel ist hellblau und klar. Weite so weit das Auge blickt. Am Horizont ist nichts – gar nichts.

Absolute Freiheit hast Du da gefühlt. […] Keine Gedanken an nichts. Den Moment genießen, erleben, spüren.

So durchatmen für den Rest Deines Lebens, das soll und muss Dein Ziel sein. (Deine) Freiheit leben und spüren. Das ist es, was Du willst. Das ist es, für das Du immer eingestanden hast. Du hast Dich „befreit“ von Beziehungen, die Dir nicht mehr gut taten. Du hast Schritte gewagt, für die Dich andere immer bewundert haben.

Warum zögerst Du?

Ist die Angst vor dem, was kommt, wirklich größer als die Angst, in/ mit der Du zur Zeit lebst?

Du bist konsequent, mutig und toll.

Lebe das! Lebe das Deinem Sohn vor! Du hast diese Tortur nicht nötig. Du musst nichts ertragen. Du weißt, dass Du auch ohne Beziehung wer bist. Dass Du auch ohne Beziehung glücklich bist.

Ich weiß, dass Du Angst hast. Angst vor seiner Wut. Seiner Unkontrolliertheit. Seinem Unvermögen, das Kind rauszuhalten.

Und das macht Dir zu Recht Angst. Du willst Dein Kind schützen. Du hast Angst vor der Unberechenbarkeit. Aber das ist auch das, was die Beziehung kaputt gemacht hat. Und das Dich und vor allen Dingen auch das Kind auf Dauer kaputt machen wird.

5 Gedanken zu „Damals

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