A wie …

… Auswandern.

Heute wurde mir zum x-Ten Mal die Ankündigung des eigenen Auswanders  im Fall eines ähnlichen Wahlergebnisses wie in den USA in meine SocialMedia-Timeline gespült:

Wie wird es in Deutschland in ein paar Jahren aussehen? Wir machen ja traditionell gerne nach, was Amerika vormacht. Auswandern wird zur realistischen Option. Nur wohin???

Was ist das für ein blödsinniges Geblubber? Ich musste antworten:

Wir könnten auch einfach verhindern, dass Deutschland es „nachmacht“ (wobei ich auch nicht weiß, was Du genau meinst). Kopf in den Sand bringt nicht viel. Das hat vor 80 Jahren auch nichts genützt. Und Auswandern ist feige.

Und dann machte ich auch auf Twitter meinem Ärger Luft.

Dann habe ich aber gearbeiten, wobei ich die ganze Zeit auf diesem Tweet rumdachte und mir klar war, dass ich darüber mehr schreiben wollte. Auch wenn ich jedem erstmal gerne: „Am Arsch mit deiner blöden Auswanderei!“ zurufen würde.

Mein erster Gedanke, wenn ich sowas lese, ist dann ja neben der Wut, die hochkriecht, dass ich mich frage: „Ja, und wohin soll es gehen?!“ Als ob es irgendeinen Ort gibt, an dem wir vor sowas sicher wären. Man möchte auch trotzig auffordern: „Dann geh doch dahin, wo es keine Demokratie gibt.“ Und mal ganz ehrlich, welches Land hat denn gerade auf „uns Deutsche“ gewartet und nimmt uns mit Kusshand auf?!

Dann schrieb die tolle Petrolgrau so ziemlich genau meine Gedanken auf: Ja, mich nervt diese Resignation. Dieses Aufgeben ohne gekämpft zu haben. Anstelle JETZT selbst gestaltend einzugreifen, sich schon mal einen – wie ich finde – feigen Ausweg zu suchen. Was ist das für eine Art, sich nur die Kirschen der Demokratie abzupflücken: Wenn sie mir schmeckt, bleibe ich, und wenn mir das Ergebnis einer demokratischen Wahl nicht passt, dann haue ich halt ab? Demokratie ist auch das Aushalten anderer Meinungen, aber auch das Recht die eigene kundzutun. Wenn man das aber nicht macht, weil man keinen Bock auf unbequeme Wege hat, oder noch lieber nur den Weg des geringsten Widerstands geht, ja, dann frage ich mich: Warum nicht jetzt schon auswandern?! Vielleicht in eine Diktatur, da muss darf man ja nicht selbst denken. (Mal angesehen davon, dass ich mir sicher bin, dass noch nicht mal 10 Prozent derjenigen, die auswandern „wollen“, dies auch wirklich täten.)

Ich kann doch nicht allen Ernstes vor und nach Wahlen über das Ergebnis jammern, wenn das aktivste, was ich dazu beigetragen habe, mein Kreuz ist.

… Angst.

Viele äußern auch Angst nach dem Trump-Sieg: Angst um diverse Randgruppen. Ängste, die sie auf Deutschland übertragen. Ängste, die sicher nicht völlig unbegründet sind, ABER die bei uns NOCH nicht durch die Regierung gefüttert und unterstützt werden. Ja, es kann kommen (wenn AfD und Co zu stark bzw. noch stärker werden). Und davor habe ich auch ein bisschen Angst. Aber wir haben noch gut 10 Monate Zeit, dies zu verhindern. Und das macht mir ehrlich gesagt Mut.

Mein erstes Vorhaben ist, dass ich dieses blöde Gequatsche (s.o.) nicht mehr hinnehme und stehen lasse, sondern dass ich was dazu sage.

7 Gedanken zu „A wie …

  1. Siehste, und dann gibt’s Leute, die beschließen, sich bei der ersten echten Gelegenheit zu verpieseln, eben weil sich NICHTS ändert.
    Zwischen schwarz und weiß gibt’s jede Menge grau in allen Schattierungen.
    Das ist das, was ich zumindest in den letzten zwei Jahren gelernt habe.

    LG,
    Marie

    • Warum ändert sich denn nichts?
      Weil die Leute es nicht angehen.

      Wenn sich etwas ändern soll, muss jeder etwas dazu beitragen.
      Verpieseln gehört sich nicht dazu.

    • Was soll sich den ändern?

      Ich glaube, dass die meisten von uns in einer ganz gemütlichen Komfortzone sind und es ihnen letztlich eigentlich ganz gut geht. Es wird sich hier und da aufgeregt, aber einen wirklichen Bedarf, für etwas zu kämpfen, haben die wenigsten. Oder erwarten halt, dass es andere tun. Aber wehe es sind die Falschen.

      Gerade wünsche ich mir so revolutionäre Zeiten und motivierte Menschen wie in den 1960er/70er zurück.

  2. Ich habe ein bisschen überlegt, ob ich hier antworten soll und finde es … schwierig. Schwierig, weil eine schriftliche Äußerung ohne die Mimik, Gestik und Tonlage des jeweiligen Gegenübers so entsetzlich leicht misszuverstehen ist und dann erzeuge ich, ohne es zu wollen, Aufruhr in einem fremden Blog.
    Das möchte ich nicht.
    Und es ist auch sinnlos.
    Da ich aber, impulsiv wie ich nun einmal bin, in meiner ersten Antwort schon begonnen habe, hier eine These in den Raum zu schmeißen, reiche ich nun noch den Versuch einer Erläuterung hinterher – und wenn du, Frau Little B. mein Geschreibsel wieder löschen möchtest, eben weil du keene Böcke auf lange Auseinandersetzungen in deinem virtuellen Wohnzimmer hast, gehört das natürlich zu deinem Hausrecht und ich finde das völlig unaufregend.
    Genug der Vorrede – ich breche den nachfolgenden Text wirklich auf die rudimentären Dinge herunter, sonst sprengt es den Rahmen.

    Ich schrieb ja oben von „jede Menge Grau in allen Schattierungen“ und das heißt auf mich und meine Ansicht bezogen, dass ich z.B. von Anfang an gegen den Merkelschen Umgang mit der Flüchtlingskrise war und bin. Ich habe vor gut einem Jahr als im September die Grenzen plötzlich weit geöffnet wurden, sofort einen Rechtsruck in der Gesellschaft prophezeit – es war imho vollkommen logisch.
    Ich bin hingegen NICHT gegen die Menschen, die hierher kommen, um ihr Leben zu retten oder schlichter, ihr Glück hier zu versuchen.
    Auch gar nicht und zwar ganz und gar nicht kann ich die Entwicklung zurück zu braunen Hemden wundervoll finden.
    Allerdings weiß ich nicht wie ich es ändern könnte.

    Mit wem zusammen kann ich demonstrieren, wenn ich die Regierungspolitik gleichermaßen schauerlich finde wie die Partei, deren Namen nicht genannt werden soll?

    Und wen soll ich in diesem Dilemma steckend nächstes Jahr wählen?

    Natürlich kommt man dann in Überlegungen, sich einfach zu verpieseln – jeder sollte doch das Recht haben, sein Glück da zu versuchen, wo er möchte. Siehe ein paar Sätze weiter oben.

    Geschildert habe ich jetzt nur wirklich das Gröbste – ich denke selbstverständlich facettenreicher, müsst ihr mir jetzt einfach mal glauben 🙂 – aber ich hoffe es reicht, um darzustellen, weshalb mir die Einteilung in rein weiß und rein schwarz, in gut und böse, in menschlich oder Nazi, immer wieder aufstößt.
    Zum „Deutschland ist bunt“ gehören eben auch alle Schattierungen Grau dazu.

    Ich hoffe, es ist einigermaßen klar geworden, was ich mit meiner ersten Impuls-Antwort anstoßen wollte. Wenn nicht, sollten wir das vielleicht lieber per pm klären.

    Oder so stehen lassen.

    Aug alle Fälle beste Grüße nochmals

    Marie

    • Hallo Marie,

      mich würde daran (um das mal besser beurteilen zu können) interessieren, was genau Du an Merkels Politik (wir öffnen die Grenzen um ganz direkt in einer absoluten Krisensituation Leben zu retten) nicht gut fandest – und warum Du dann jetzt ihre Politik (Grenzen zu, Abfang der Flüchtlinge in anderen Ländern) nicht mehr gut findest?

      Wen Du wählen sollst? Wie wäre es mit der Tierschutzpartei? Der Partei? Piraten? Die Frage ist, was Du mit Deiner Stimme erreichen möchtest.

      Und, nein, ich persönlich bekomme bei der momentanen Situation in Deutschland und Europa (uns ging es noch nie so gut, wie bisher, dafür gibt es aber immer noch Menschen, die meinen, wir könnten damit auf einer Insel der Glückseligen ewig allein rumdümpeln und andere Staaten außerhalb der EU ausbeuten für unseren Luxus) nicht auf die Idee, mich zu verpieseln. Eben weil es woanders oft viel schlimmer ist.

      Mich würde das mal interessieren.
      Und bin auch der Meinung, dass es viel „Grau“ gibt und geben muss.
      Aber eben in alle Richtungen.

  3. Vielen Dank für dein Interesse @petrolgrau. Ich werde dir antworten, vielleicht erst in einigen Tagen und eher direkt als hier im Blog.
    Beste Grüße,
    Marie

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