Stressresistent

Am Wochenende gibt es bei mir keinen Stress. Ich hasse das nämlich. Wenn der midi-monsieur nicht gerade Französisch-Unterricht hat, bedeutet das, dass ausgeschlafen wird. Der midi-monsieur nicht so lang wie ich, aber er genießt die Ruhe und beschäftigt sich dann stundenlang allein mit Lego. Frühstückmachen geht mittlerweile auch allein. Also zumindest ein bisschen Müsli oder so essen.Irgendwann, wenn ich dann auch mal in der Vertikalen bin, überlegen wir – zumindest Samstags -, ob wir auf den Markt wollen oder müssen. Meistens wollen wir mindestens, denn da gibt’s dann Waffel und Kaffee bzw. Kindercappuccino oder Milch. Dazu stehen uns der Markt im Viertel und der Erzeugermarkt auf der Konsti zur Auswahl.

Heute fassten wir also wieder mal einen Waffelbeschluss. Und weil das Kind derzeit apfelsüchtig ist, wollte er auf den Konstimarkt. Denn da gibt es einen Apfelstand mit mindestens zehn (eher 15) verschiedenen Apfelsorten.

Also machten wir uns fertig und fuhren wegen Regen und Rücken mit der U-Bahn in die Stadt.

Zunächst gab es Frühstück: Vanillemilch fürs Kind und Kaffee für mich. Dann ging’s zum Waffelstand, wo wir dann spontan einen Twitterer trafen.

Als Waffel, Kaffee/Milch und Twitterer weg waren, gingen wir kurz zum Drogeriemarkt, dann zum Apfelstand und dann auch schon wieder heim.

Um dann vor der Haustür zu stehen und festzustellen, dass mein Schlüsselbund nicht mehr da war.

Ich durchwühlt meinen RuckSchnappsack. Nix. Ich guckte im Rucksack vom midi-monsieur. Nix. Hosentaschen. Natürlich auch nix.

Das Kind guckte mich panisch an. Ich guckte gelassen zurück, überlegte parallel, wo er sein könnte und was wir tun können, falls er sich nicht findet. Schlüsseldienst? Über den Balkon einsteigen? War ich mir doch recht sicher, dass die eine Tür nur auf Kipp war und ich auch das Schloss nicht eingedrückt hatte.

Gut, wir werden schon wieder in die Wohnung kommen. Also blieb ich gelassen. Handy und Portemonnaie waren ja noch da. Am Schlüsselbund auch nichts, das auf unsere Adresse hindeutet und auch sonst „nur“ wohnungsbezogene Schlüssel. Der Verlust wäre ärgerlich, aber vermutlich ohne Folgen. Also keine Panik.

Dennoch wollte ich eine Suche nicht unversucht lassen. Er konnte ja eigentlich NUR auf dem Markt sein (oder im Drogeriemarkt) und ich hatte auch schon einen dringenden Verdacht wo*.

Also machten der midi-monsieur und ich uns auf und bestritten genau den gleichen Weg wie schon zwei Stunden zuvor. Immer schön den Blick auf den Boden. Das Kind faselt aus Panik durchgehend. So ruhig ich auch war, aber DAS hat mich dann doch genervt.

Auf dem Markt waren dann die relevanten Stände zum Glück nah beieinander. Erster Stand: Leider nein. Zweiter Stand: Auch nein, aber ich sollte meine Nummer da lassen, falls er sich doch noch findet. Dritter Stand: Auf meine Frage hin, wies man nur ins Gestänge des Sonnenschirms. Da sah ich ihn angeklemmt. Meinen Bund mit dem kleinen Sorgenfresser und dem roten Filzloop, den zwei Ringen und den sieben Schlüsseln.

Ja, ich war erleichtert. Klar. Und das Kind erst.

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* Weil beim Waffelessen und Kaffeetrinken und Quatschen mit dem Twitterer mein Rucksack etwas blöd neben mir auf der Bank lag und ich die dunkle Erinnerung hatte, dass ich den Schlüssel da einmal klimpern gehört hatte, konnte er mir eigentlich „nur“ da aus dem Sack gefallen sein.

2 Gedanken zu „Stressresistent

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