Fundstück

Gestern suchte ich ja nach der Abizeitung. Dazu ging ich in den Keller. Weil ich sie in einer bestimmten Kiste vermutete. In einer Kiste, die während der Zeit mit dem Kv möglichst weit entfernt von seinem Zugriff war. Denn in dieser Kiste sind meine Erinnerungen: Tagebücher, Agenden, (Liebes-)Briefe, Liste, Erinnerungsstücke, Fotoalben. Ich dachte, es sei eine Umzugskiste mit mehreren Kisten. Aber im Keller war die nicht.

Ich durchforstete die Wandschränke in Schlaf- und Gästezimmer und fand drei Kisten: einen Schuhkarton mit den Erinnerungen (v.a. Briefe, Kassetten) an Verflossene, eine mittelgroße Kiste mit den Tagebüchern, meinen ersten Schulheften und eine noch größere mit Büchern und Fotoalben (Hochzeitsbilder).

Die Abizeitung fand ich in der mittleren Kiste. Dochdoch, ich musste sehr schmunzeln beim Durchblättern. Aber dann hatte mich der Erinnerungswahn gepackt und ich guckte auch in den anderen Kisten näher nach. Von den Fotoalben in der großen Kiste kam ich darauf, dass ich noch weitere Fotos haben müsste, die ich ganz oben im Schrank vom midi-monsieur fand.

In der kleinen Kiste waren also die Verflossenen: viele Briefe, Mixed-Tapes (ja, damals in den 1990ern machte man das noch so), ein paar Fotos (hatte den Ex gar nicht so hübsch in Erinnerung), das Stammbuch, der Ehering und ein ausgerissener Focus-Artikel von 2001.

Dazu kam es, weil eine Freundin von mir den Redakteur kannte und der wiederum auf der Suche war nach Menschen, die sich – tadaaa – im Internet kennengelernt hatten. Und darüber einen Artikel schreiben wollte. Ja, das war auch schon 2001 möglich. Aber bei uns war es ja sogar noch früher: 1998.

Das war aber keine Singlebörse, sondern ein kleiner Chat einer in Bremen ansässigen Brauerei, die das damals aus Marketing-Gründen anbot. Ich kam zu dem Chat über eine Verkettung mehrerer Zufälle: Zwei Kommolitionen fuhren nach Bielefeld zu einem Chatter-Treffen. Ich fuhr mit, damit ich mal wieder meine Eltern sehen konnte. Weil das Chatter-Treffen auf dem Weg zu meiner Abendverabredung lag, guckte ich auf ihre Einladung hin vorbei. So lernte ich erst die echten Menschen hinter dem Chat kennen. Spontan gab ich mir einen Nick, der mich seitdem begleitet, und als ich gerade am Gehen war, kam er. Ich fand ihn auf den ersten Blick toll, fragte Tags drauf die Kumpel aus und loggte mich tatsächlich mit meinem Nick ein. Man unterhielt sich, man flirtete, man telefonierte, man traf sich und man kam zusammen. Nach anderthalb Jahren wurde aus Gründen und weitere anderthalb Jahre später (genau drei Jahre nach dem ersten Date) fürs Gefühl geheiratet.

Kurz vor der kirchlichen Hochzeit war dann auch das Fotoshooting für den Focus-Artikel. Und der Fotograf war echt anstrengend und nicht von vor Ort und so ein richtig gutes Bild ist auch nicht dabei rumgekommen. Ich bin nur froh, dass ich ihm die Folien-Herzballons ausreden konnte.

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