Rollenmodell

Der midi-monsieur und ich waren heute mit dem Rad unterwegs. Allerdings zickte sein Rad seit einem kleinen Sturz am Montag etwa rum. Von den drei Gängen waren nur zwei verfügbar. Ich wollte mir das eigentlich schon am Dienstag angucken, aber die letzten Tag kam ich vor lauter komischen Kunden zu nix.

Während der Fahrt also bemerkte das Kind, dass die Gangschlatung immer noch nicht richtig funktionierte. Hmm, Nabenschaltung ist jetzt nicht mein Fachgebiet und ich wollte es eigentlich nicht verschlimmbessern. Trotzdem guckte ich bei einem Ampelhalt mal kurz aufs „Schaltauge“. Da sah ich, dass der Bowdenzug sich etwas verkantet hatte. Ich wackelte also gewissermaßen am Kabel. Mehr konnte ich in dem Moment nicht machen, den die Ampel war schon wieder grün.

Aber wie es scheint habe ich magische Hände: Die Schaltung ging wieder. Das Kind war höchst erfreut und meinte: „Danke, Mama. Toll, was Du alles kannst.“

Auf dem Rückweg dann passierte mein „Lieblingsraddisaster“: Die Kette vom midi-monsieur’schen Rad sprang ab. Und zwar vorne und hinten. Natürlich hat er einen Kettenschutz und natürlich hatte ich kein Werkzeug. Also friemelte ich und friemelte und friemelte und machte mir die Hände ganz schwarz. Aber die Kette saß wieder und wir konnten weiter. Wieder strahlte mich mein Kind an.

Ja, ich finde es gut, dass mein Kind so lernt, dass Frauen „auch“ reparieren können. Er weiß ja auch, dass ich mit einer Bohrmaschine umgehen kann. Er weiß aber auch, dass ich kochen und backen kann. Dass ich aufräumen, putzen und Wäsche waschen kann.

Und ein bisschen beschleicht mich die Angst, dass er lernt „Mama, macht und kann alles (immer)“. Und ob es gut ist, dass ich ihm das Gefühl vermittel, dass Frauen Männer für nichts wirklich brauchen, bin ich mir auch nicht sicher.

5 Gedanken zu „Rollenmodell

  1. Warum sollte es schlimm sein, ihm zu zeigen, dass Frauen selbstständige Menschen sind und niemanden zum Leben „brauchen“? Menschen sollten sich nie brauchen müssen, um gemeinsam zu leben. Sie sollten sich ergänzen und unabhängig gemeinsam sein. Sonst gibt es ein Ungleichgewicht.

    So ist es schon ganz richtig: er sieht, dass Frauen auch alles können könnten und lernt dabei, wie es geht. Dann wird er irgendwann auf eine Frau treffen, die keine Kette aufziehen kann und kann es ihr zeigen. Dafür zeigt sie ihm dann, wie man das mit der Liebe macht 😉 Und schon weiß er, dass man sich zwar nicht braucht, einiges zu zweit aber einfach mehr Spaß macht.

  2. Irgendwann kommt dann der aufklärungsunterricht und er siehts..nein, im ernst, ist doch klasse, solang er sieht, dass männer auch putzen, backen und fahrräder können und alle ihre vorlieben haben ist doch alles optimal!!! Ich brauche meinen mann nicht, weil er den abfluss oder das klo in ordnung bringt, sondern wegen unserer sozialen beziehung! Und freunde im freundeskreis auch als teil des sozialen netzwerkes, nicht, weil mir die kette raus fliegt,…

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