Lernen, lernen, lernen

Ich habe der lieben Nike einen Stock vor die Tür gelegt. Und das Bloggesetz will, dass sie auch eins hinlegt. Und weil ich ihre Fragen so interessant fand, habe ich mal das Stöckchen aufgesammelt:

1. Non scholae sed vitae oder andersherum discimus?
Es gibt Dinge, die lernt man nur für die Schule. Manche Dinge lernt man gar nicht in der Schule – ich z.B. Chemie und habe trotzdem Biochemie studiert. Die ganzen Grundlagen lernt man durchaus fürs Leben. Das ist auch gerade das Mantra für den midi-monsieur: Du lernst das alles NUR für Dich. Damit DU schreiben, lesen und rechnen kannst. Das Wissen aus Sachkunde bleibt glücklicherweise eh hängen.

2. Wenn Du versuchst Dich zu erinnern, war Deine Schulzeit zumutbar oder eher eine Zumutung?
Ich bin gerne in die Schule gegangen. Gut, Englisch-Unterricht war eine Zumutung. Und als ich älter war, habe ich großzügig über zumutbar und Zumutung entschieden und war halt mal da und halt mal nicht. Das hatte zur Folge, dass ich vor nicht allzu langer Zeit geträumt habe, dass mir aufgrund meiner Fehlstunden das Abi nachträglich entzogen worden ist. Aber soooo schlimm war ich dann doch nicht. Die LKs habe ich nie geschwänzt.

3. Wer war Dein*e Lieblingslehrer*in und wieso?
Von der Grundschule an alle meine Mathelehrer. Zum einen weil ich Mathe gerne gemacht habe und zum anderen weil kein einziger dabei war, der uns Mädchen vermittelt hat, dass Mädchen kein Mathe könnten. Dazu noch meine Lateinlehrer.
Insgesamt habe ich v.a. die Lehrer gemocht, die uns NICHT mit dieser unsäglichen Kumpelmasche begegnet sind. Von den Kumpellehrern hatte ich drei. Das ging gar nicht. Die konnte ich nicht ernst nehmen.

4. Und was war Dein Lieblingsfach?
Mathe, Mathe, Mathe. In der Grundschule auch Deutsch und Sachunterricht. Auch Biologie. Später (ab Klasse 9/10) dann auch Latein und Informatik. Je nach Lehrer eigentlich auch Geschichte.

5. Sind wir uns einig darin, dass Hausaufgaben einfach mal DAS ALLERSCHLIMMSTE waren? Hast Du Deine trotzdem gemacht? Hätte ich meine machen sollen?
Mit den Hausaufgaben habe ich es so gehalten wie mit dem Hingehen. Durchaus nach dem Lustprinzip. Mathe habe ich immer gemacht. Das war meine Währung fürs Abschreiben anderer Aufgaben. Was ich sehr wenig gemacht habe: Vokabeln lernen.
Ich persönlich finde Hausaufgaben gar nicht so schlimm. Gerade jetzt mit dem Perspektivenwechsel durch den midi-monsieur. Irgendwie muss sich das erlernte vertiefen, festsetzen. Das geht nun mal nur durch Übung, Wiederholung und Selbsterarbeitung. Hätten wir eine echte Ganztagsschule, hätten die Aufgaben allerdings nichts mehr zu Hause zu suchen.

6. Was war das „schlimmste“ was Du in der Schule je angestellt hast?
Ich habe mal in der Unterstufe einen Tadel bekommen, weil ich angeblich das Schulgelände verlassen hatte. Was aber nicht stimmte. Und ich das auch meinen Eltern erklären konnte und sie daraufhin sehr entspannt darauf reagierten.
Ich habe mal einen Lehrer „Schlamper“ genannt, weil er wiederholt vergessen hatte ins Klassenbuch zu schreiben, als ich Klassenbuchdienst hatte.
Was ICH nicht schlimm fand, sondern gerechtfertigt: Ich habe mal einem Lehrer auf die Finger gehauen, weil er in der 5. oder 6. Klasse an meinen Zöpfen rumgefingert hat.
Und ich habe mal einen Mitschülerin in den Arm gebissen, weil ich mich so über sie aufgeregt hatte.

7. Hast Du so außerschulisches Zeug gemacht? Sport? Chor? Ein Instrument? Ab wann? Wie war das so?
Turnen, Blökflöte, Ballett, Chor, Geige, Kunstkurse, diverse Sport-AGs (v.a. Volleyball), Trainerin Handball-Minis, Bielefelder Kinderchor, Jugendgruppe, Tanzkurs, ehrenamtliche Mitarbeit bei der Kinder- und Jugendarbeit in unserer Gemeinde (inkl. Gruppenleiter, diverser Gruppenleiter-Seminare, Jugendfreizeithelfer).
Ich habe zum Teil schon in der Kindergartenzeit (Turnen und Blökflöte) damit angefangen. Dann kam was dazu, dafür ging anderes. Bis zum Ende meiner Schulzeit war ich im Chor und ehrenamtlich tätig.
Das habe ich alles mehr oder weniger gerne gemacht. Manches halt nicht so lange durchgehalten.

8. Bin ich zu nostalgisch oder ist der Wegfall der Schreibschrift als Nonplusultra wirklich der Anfang vom Ende?
DAS ist meine Frage: Aaalso *fuchtelt mit dem Krückstock*, als wir damalsTM Schreibschrift lernen sollten, waren wir die erste Stufe an unserer Schule, die die vereinfachte Ausgangsschrift lernen sollte. Eine grauenhafte, total unrunde und unflüssige Schrift. Ich kannte die „schöne“ Schreibschrift von meiner Mutter, die eine tolle Handschrift hat, und wollte auch (wenigstens ansatzweise) so schön schreiben können wie sie. Also habe ich meinem Lehrer gesagt, dass ich die „neue“ Schrift nicht lernen wolle sondern die „alte“. Daraufhin sollte ich zu einer bestimmten ersten Stunde kommen, in der unsere türkischen Mitschüler Deutschergänzungsunterricht hatten, und mich dazusetzen und er (der Lehrer) würde mir dann Übungsblätter für die alte Schrift geben. Allerdings hatte er nicht bedacht, dass ich in dieser ersten Stunde eigentlich Religion hatte. Und während ich fleißig schöne runde und geschwungene Schreibschriftbuchstaben übte, sammelte ich die erste unentschuldigte Fehlstunde meines Lebens (danach ging’s bergab, s. 2). Ich habe trotzdem die alte Schreibschrift weiter geübt. Das einzige, was ich aus der vereinfachten Ausgangsschrift übernommen habe, ist das kleine z.
Der midi-monsieur lernt nur noch eine Grundschrift – allerdings nicht auf einfach oder unliniertem Papier. Ich sehe das pragmatisch: Es ist halt so. Sollte er Schreibschrift lernen wollen, gibt es da sicherlich Mittel und Wege. Ich habe es ja auch gelernt.

9. Fünf praktische Fähigkeiten, die wir dem Muckel und dem Lütten noch vermitteln sollten, bevor sie erwachsen werden? (Außer Schreibschrift…)
– warten können (in der Gruppe, aber auch Geduld mit sich selbst)
– die richtige Benutzung eines Radiergummis (im besten Fall gar nicht)
– sich den nicht den Spaß an der Sache (durch Personen und oder Umstände) verderben lassen
– Fahrrad fahren
– Grundlagen der Haushaltsführung
Keine Fähigkeiten, aber wichtig: dass ihr als Eltern immer hinter ihnen steht; dass sie werden können, was sie wollen.

10. Was lernst Du gerade?
Dass der Tag nur 24 Stunden hat. Wenn es anders wäre, hätte ich nämlich schon längst mit meinem Schwedisch-Selbstlern-Buch angefangen oder mich für Pädagogik eingeschrieben. Allerdings ist beides noch nicht vom Tisch.

11. Und was kannst Du Abgefahrenes, was ich auch können sollte (hab Erbarmen und sag jetzt nicht „Kommaregeln“)?
Hihi, Kommaregeln kann ich tatsächlich recht gut. Muss ich aber auch von Berufs wegen. Ich finde, ich kann nichts „Abgefahrenes“, obwohl sicherlich viele Biochemie so empfinden. Aber das kann ich ja keinem aufdrängen.
In Bezug auf Lernen und Kinder scheint es derzeit „abgefahren“ zu sein, seinem Kind Selbstständigkeit zuzutrauen. Es machen lassen. Ihm einen Wohnungsschlüssel anvertrauen. Ihn allein einkaufen schicken.

Dieses Stöckchen bleibt nun hier liegen. Wer die Fragen so toll findet wie ich, kann es gerne mitnehmen.

Ein Gedanke zu „Lernen, lernen, lernen

  1. So gute Antworten! Die fünf Sachen, die die Kinder können sollten finde ich auch richtig gut überlegt.
    Wegen dieser „free range kids“-Geschichten: Ich bin da auch sehr zwiegespalte: Ich selbst war mit fünf auch schon Brötchen holen, bis 6 abends alleine unterwegs, spielen oder Radfahren. Im Grundschulalter alleine bei Friseur, Zahnarzt etc.pp. Schlüssel war nicht nötig, das Haus war eh nie abgesperrt. ABER: Da gab es z.B. nicht viele Autos, die Leute in den Geschäften waren meinen Eltern bekannt, der Zahnarzt ist unser Nachbar. Mal sehen wie sich das hier entwickelt… Im Grundschulalter alleine U-Bahnfahren sollte aber wirklich drin sein, oder?
    Grüße,
    Nike

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