Schenkverwandtschaft

Gestern kam ein Päckchen an. Ein verspätetes Geburtstagsgeschenk für den midi-monsieur. Ein Geschenk allerdings von einem Teil der Verwandtschaft, mit dem es gerade nicht so rund läuft. Das war jetzt vielleicht etwas euphemitisch, denn wir haben seit über einem Jahr keinen wirklichen Kontakt mehr.

Mich wurmt dieser Nichtkontakt bedingt. Zum einen habe ich kundgetan, was ich mitteilen wollte, zum anderen bekam ich allerdings keine Antwort. Das ist halt doch etwas unbefriedigend.

Kommunikation fand über das Kind statt. Wobei „Kommunikation“ auch ein etwas zu großes Wort ist. Es gab Post zum Geburtstag vergangenen Jahres, zur Einschulung und zu Weihnachten. Also Geschenke und eine Karte. Wenn ich Glück hatte, wurde ich auch auf der Karte gegrüßt. Pech war allerdings, dass die Geschenke für den midi-monsieur nichts waren. Tja, wie soll man auch wem etwas schenken, den man nicht kennt.

Und so machte ich vor einiger Zeit noch einmal eine Ansage: Man solle doch bitte das Geld für die Geschenke sparen, solange kein Kontakt gewünscht ist. Trotzdem kam nun das Geschenk.

Ich finde es ziemlich respektlos, eines zu schicken. Warum tut man das? Ich habe mich doch klar und deutlich ausgedrückt. Es wird nicht des Gespräch mit mir gesucht, aber (unnütze) Geschenke verschickt. Wenn nicht so viel Trubel an der Tür gewesen wäre, als der Paketbote es gestern brachte, hätte ich es ihm vermutlich direkt in die Hand gedrückt. So hatte ich es da stehen und machte mich ziemlich rappelig.

In der leisen Hoffnung, man habe vielleicht einen Brief an mich beigelegt, öffnete ich das Paket. Aber da war nicht. Nur eine Karte mit knappen Worten fürs Kind, zwei Geschenke (wohl eine CD und ein Buch) und Süßigkeiten. Da ich alleine war zog ich nicht nur innerlich die Brauen hoch: Ich kann dieses Päckchenaufgefülle mit Süßigkeiten nicht leiden. Mit CDs aka Hörspielen ist der midi-monsieur etwas speziell und nachdem es zum letzten Anlass „Benjamin Blümchen“ gab, ging ich direkt in Abwehrhaltung. Und auch Buch ist derzeit noch nicht so einfach. Der midi-monsieur liest noch nicht so gut, als dass er jedes Buch interessant findet. Das Thema muss stimmen, damit er sich die Mühe macht, ein paar Worte darin zu entschlüsseln. Und ich bin kein Lager.

Also entschloss ich mich heute:

Das Ganze hat neben dem fehlenden Kontakt und den falschen Geschenken noch einen pädagogischen Aspekt:

Ich möchte nicht, dass der midi-monsieur Geschenke um des Schenkens Willen bekommt. Mir ist es wichtig, dass er Menschen nicht mit Geschenken verknüpft, sondern mit dem Mensch selbst. Weil er mit der Person Schönes erlebt hat und/ oder die Person ihm sonst wie etwas bedeutet. Wenn es dann noch ein Geschenk gibt: wegen mir. Deswegen wollte ich auch nicht, dass meine Eltern ihr Geschenk schicken, sondern dass wir uns dafür sehen.

Der midi-monsieur hat (sicherlich ist es das Alter und vielleicht auch der Einzelkindstatus) derzeit die Tendenz etwas maßlos zu sein. Als er seine Wunschbox für seine Kinderparty im örtlichen Spielwarenladen zusammenstellte, musste ich ihn mehr als einmal ermahnen, dass Legoset über 10 Euro eigentlich nicht gehen. Die großen, teuren Sets wurden „großzügig“ aufgeteilt: „Das kannst du mir dann ja schenken. Und das Papa. Und das andere Oma.“

Und in diesem Gemengelage will ich einfach keine Geschenke aus dem Off – von gewissermaßen Unbekannten. Denn nach diesen Verwandten fragt er schon lange nicht mehr.

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