Väterliche „Schwangerschaftsberatung“

Ich hätte ja gedacht, dass mich meine Eltern für bekloppt erklären und mit aller Macht versuchen, es mir auszureden, als ich ihnen erzählte, dass ich ein klitzekleines bisschen damit liebäugele, noch einmal zu studieren – und zwar Pädagogik. Immerhin sind sie beide Pädagogen: Mein Vater sogar habilitierter und meine Mutter gelernte Erzieherin und studierte Sozialpädagogin. Dochdoch, sie machen gerne ihre Berufe (oder haben gemacht), aber eine Empfehlung in diese Richtung kam nie, als es um die Berufswahl ging. Dabei hatte ich in meiner Jugend Kindegruppen- und Jugendfreizeiten betreut und wollte lange Zeit Psychologie studieren mit Fokus auf autistische Kinder. Aber als ich mich dann zuerst für Technisches Gesundheitswesen und dann für Biochemie entschied, fanden sie wohl meine Studienwahlen so gut, dass sie nicht auf die Idee kamen zu sagen: „Aber Du hast doch immer gerne was mit Kindern gemacht.“ (Gut, das ist jetzt ziemlich platt.) Und nun aber kam kein Widerstand, als das Töchterlein in der Midlifecrisis verkündet, es wolle Pädagogik studieren. Stattdessen kam von meiner Mutter der Kommentar: „Na, dann kannst Du ja die Bibliothek von Deinem Vater übernehmen.“

Eigentlich dachte ich ja, ich hätte dieses Studiumsthema abgeschlossen. Noch mal den ganzen Stress mit Lernen, Vorlesungen und Prüfungen. Nenene, nicht nochmal.

Doch dann überkam mich ja beim Spazieren über den Campus Westend auf einmal der Wunsch, auf genau diesem Campus zu studieren. Aber was? Naturwissenschaften sollten es nun nicht wieder sein. Aber war das nicht wieder so eine fixe Idee? Naja, gucken kostet ja nichts. Ich hatte die Wahl zwischen:

Rechtswissenschaften – NEINNEINNEIN
Wirtschaftswissenschaften – och nöööö
Gesellschaftswissenschaften – was studiert man denn da?
Erziehungswissenschaften – aha
Evangelische Theologie – wollte ich ja tatsächlich auch mal studieren, so mit 11-15 Jahren
Katholische Theologie – fällt aus wegen reformiert
Philosophie – zu faselig
Geschichtswissenschaften – interessant, aber Jahreszahlen und so mag ich nicht
Neuere Philologien – nein, so intensiv will ich mich nicht mit Sprachen auseinander setzen

Ein paar Tage später fand ich mich tatsächlich bei eingehender Recherche wieder: Studienvoraussetzungen, Anmeldefristen, Teilzeitstudium (wenn dann nur so), Gasthörerschaft. Gut, fürs Sommersemester hatte ich sämtliche Fristen verpasst. die fürs Wintersemester fangen am 1. Juni an. Das wird eine kurze „Schwangerschaft“.

Die heutige „Beratung“ durch mit meinen Vater ließ die Tendenz einmal mehr Richtung „austragen“ gehen. Ich solle mal zu seinem Kollegen XY gehen und mich mit dem beraten. Ich habe schon die Idee geäußert, in Richtung Didaktik zu gehen und mein Vater brachte mich auf ein großartiges Thesis-Thema.

Ja, jetzt habe ich tatsächlich noch mehr Lust, noch einmal zu studieren.

Ein Gedanke zu „Väterliche „Schwangerschaftsberatung“

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