Knoten geplatzt

Jajaja, ich muss an meiner Geduld arbeiten. Aber vor den Osterferien war ich wirklich in Sorge: Der midi-monsieur tat sich so unendlich schwer mit dem Lesen. Also mit dem Lesenlernen. Die Buchstaben wurden umständlich aneinander lautiert und es fiel ihm sehr schwer, daraus ein Wort zu bilden. Ganze Sätze sinnentnehmend lesen ging nicht.

Die eine oder der andere wird sicherlich sagen: „Ach, das erste Schuljahr ist doch noch nicht rum, das wird noch.“ Ja, möglich. Aber ich sah die Fortschritte seiner Klassenkamerad*innen. Und ich hatte die familiäre Vorbelastung im Hinterkopf: zum einen die männliche Linie meinerseits; mein Vater und meine Brüder können zwar mittlerweile lesen und haben auch erfolgreich studiert, aber Deutsch war nicht ihres und LRS gab es auch. Zum anderen der Kv, der auch keine sprachliche Koryphäe ist.

Dazu noch der nach wie vor bestehen Schulhass und die große Unlust zu lernen. Zudem sieht er auch, dass die anderen weiter waren. Das wurmt ihn, stachelt aber leider nicht seinen Ehrgeiz an.

Über die Ferien befürchtete ich Schlimmes. Denn mit dem Kv kann er ja kaum lesen üben. Schon gar nicht auf Deutsch.

Aber siehe da, die zwei Wochen Ruhe haben ihm wohl die Zeit gegeben, das Gelernte sacken zu lassen, dass es sich festsetzt und automatisiert.

Der erste Lesetext nach den Ferien ging deutlich besser als davor. Er liest viel flüssiger, erkennt Wörter, ohne die einzelnen Buchstaben zu lesen und am Ende eines Satzes kann er diesen frei wiedergeben und auch inhaltliche Fragen dazu beantworten. Auch merkt er wie sehr ihm die täglichen fünf Minuten Lesenüben helfen.

Für mich als Sprachliebhaberin, Spracharbeiterin und eigentlichen Bücherwurm ist das ein beruhigende Entwicklung.