Beauftragt

Das hatte ich damals von meiner großen Klappe. Damals, als ich gerade mal zweidrei Monate in meinem ersten richtigen Job war:

Bezüglich der technischen Infrastruktur war es in der Agentur nicht so ganz optimal bestellt. Also irgendwie schon, aber so ganz sinnig und durchdacht wirkte es nicht. So gab es zwar immerhin einen Farbdrucker mit Scanfunktion. Doch das Problem: Er stand im einzigen Büro, das vier Arbeitsplätze hatte. Also drei Arbeitsplätze plus ein Arbeitsplatz mit Zugang zum Farbdrucker und Scanner.

Genau in diesem Raum saß ich also. Und nach zweidrei Monaten zusammen mit dem Drucker in einem Büro, machte dieser – also der Drucker – die Grätsche. Auf verschlungenen Wegen wurde ein neuer Drucker bei bzw. über unsere IT-Support-Firma bestellt. Und es dauerte ewig, bis die neue Scan-Druck-Komination endlich kam. Irgend so ein komischer riesiger HP-Klotz, der lokal an seinem Arbeitsplatz-Rechner angeschlossen war. Also musste man für einen Farbdruck die gewünschte Datei auf einen Stick ziehen und damit zum Drucker-Arbeitsplatz wandern.

Das konnte doch nicht wahr sein. Das war total unpraktisch, zumal meistens der zugehörige Drucker erst hochgefahren werden musste, oder ich vorher angerufen wurde, damit ich das bitte erledige. Das war zwar kein Akt, aber dennoch nervig. Aber keiner konnte mir Auskunft geben, wieso dieser Drucker ausgewählt wurde und warum er so komisch angeschlossen wurde.

Kurz entschlossen und höchst genervt rief ich unseren IT-Support an und fragte, wer diesen Murks verbrochen hätte. Und warum genau so und nicht anders.
Man murmelte, was von, die Chefin hätte um Ersatz gebeten und man habe das Gerät ersetzt.
Ich hakte nach: Ob dieses Gerät denn auch ihre Empfehlung für unsere Belange gewesen sei.
Naja, es wäre halt Ersatz gewünscht gewesen.
Aber sie wüssten doch, wie die Agentur aufgestellt sei und ob aus ihrer Sicht diese Art des Anschlusses sinnig für uns wäre.
Es wurde wieder was gemurmelt.
Ich wurde konkreter: Wäre denn ein Netzwerkdrucker nicht besser gewesen?
Ja, schon.
Aber warum wurde dann ein solcher nicht empfohlen?
Es wäre halt Ersatz gewünscht gewesen.
Ich erinnerte sie an ihren Beratungsauftrag. Immerhin seien sie ja die IT-Profis und wurde dann recht deutlich, dass diese Lösung Murks und absolut nicht anwendungsfreundlich sei. Und dass ich eine praktikable Lösung des Problems erwarte.

Dieser Anruf war absolut impulsiv eigenmächtig und weder mit meiner Chefin noch wenigstens mit meinem Senior besprochen. Mir war allerdings auch nicht klar, welche Wege ich hätte einhalten müssen.

Kurz darauf wurde ich zu meiner Chefin zitiert. Mir schwante Schlimmes. Sie sprach mich auf den Drucker an. Und auf unseren IT-Support. Und auf meinen Anruf. Und dann sagfragte sie micht: „Frau B., wir fänden es sehr gut, wenn Sie zukünfig als Ansprechpartnerin für die Computer-Dinge agieren könnten.“ Was sagt man dazu?! So generell und als Newbie im Besonderen?!

Und so war ich bis zum Jobwechsel neben meiner eigentlichen Arbeit auch noch interne IT-Beauftragte: Ich setzte mich für neue Hard- und Software ein. Ich „bestand“ auf einen Wechsel des IT-Supports und verantwortete einen Server-Umzug. Ich führte ein, dass e-Mails ordentlich im System gespeichert werden und sorgte dafür, dass wir ordentliche Formatvorlagen hatten. In der Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen prägte ich den Satz: „Der größte Fehler sitzt davor.“ und konnte mehrere Fehler durch meine bloße Annäherung an die betroffenen Rechner lösen.

Ich habe das eigentlich ganz gerne gemacht, nur eins mochte ich nicht: Als wir, kurz nachdem ich die Zusazuaufgabe übernommen hatte, neue Kolleginnen bekamen, wurde ich vom Geschäftsführer mit „Das ist Frau B. Sie kümmert sich hier um die Computersachen.“ vorgestellt. Das konnte und wollte ich nicht so stehen lassen und mir rutschte raus: „Ich arbeite vor allem für den Kunden XY. Und was die Computersachen anbelangt: Unter den Blinden ist halt der Einäugige König.“

Ein Gedanke zu „Beauftragt

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