Medienkompetenz

Der Kinderdoc stellte letztens ein paar Fragen zum Thema Tablet-Nutzung bei Kindern. Ich bin relativ knapp kein Digital Native mehr, bin aber dennoch recht Computer-lastig aufgewachsen. Ich kenne tatsächlich noch Lochkarten, weil mein Vater darauf seine Diplomarbeit (?) speicherte und relativ früh zog bei uns einer der ersten PCs ein, weil mein Vater ihn für Docktorarbeit und Haibilitation nutzte. Ich erinnere mich an Ausdrucke auf Endlospapier und Textpuzzel, weil die Textverarbeitung damalsTM noch nicht so ausgereift war und copy&paste noch nicht zur Verfügung standen. Als mein Vater sich irgendwann mal einen neuen Recher kaufte, bekam ich den alten. Ich lerne in ELAN zu programmieren und Texte auf dem EUMEL-Rechner zu schreiben. Als ich 1997 zum Studium auszog, bekam ich einen neuen Rechner mit Windows95 und eine der ersten Amtshandlungen war, diesen internetfähig zu machen und mir eine e-Mail-Adresse einzurichten. Seitdem ist mir (m)ein Leben ohne Computer und Internet nicht mehr vorstellbar. Und nachdem ich mich – relativ spät – für ein Smartphone entschied, ist auch dieses fester Bestandteil meines Lebens.

Allerdings haben Computer/ Handy/ Smartphone oder andere mobile Devices für mich eigentlich nur zwei Funktionen: Arbeitsgerät/ Informationen und Kommunikation. Spielen auf dem Rechner war noch nie meins. Ich mag aber auch keine Konsolen. Auf dem Smartphone hatte ich immer mal eins drauf (Sudoku, CandyCrush), aber ich werde dessen schnell überdrüssig.

Aber nun mal zu den Fragen vom Kinderdoc:

Ab wann habt Ihr den Kindern Handys und Tablets in die Hand gedrückt?
Das erste Mal hielt der midi-monsieur mit 3 Jahren ein Tablet in der Hand. Ich hatte eines beruflich zur Verfügung gestellt bekommen. Es war interessant zu sehen, wie intuitiv er es zu benutzen wusste. Wir guckten Bilder zusammen. Und irgendwann installierte ich auch eine Kinder-App. Ich glaube, es war ein Memory-Spiel.
Handy kam etwas später, als ich mir 2013 mein erstes Smartphone zulegte. Da kamen mit der Zeit ein paar Spiele-Apps drauf, die der midi-monsieur benutzte.

Besser Vorlesen als Kassetten CDs Spotify hören?
Ähmja, Spotify gibt es in diesem Haushalt nicht. (Das ist doch dieser Streamdienst für Musik, oder?) Generell wird hier jeden Abend vorgelesen. Mittlerweile liest der midi-monsieur ein bisschen selbst, aber den Großteil lese ich. Hörspiele sind der absolute Notnagel, wenn ich (wie heute) krank bin und mit Halsschmerzen einfach nicht lesen möchte. Ganz manchmal macht er sich selbst ein Hörspiel an, wenn er allein in seinem Zimmer spielt.

Welche Regeln gab/gibt es, um den Konsum der neuen Medien zu steuern oder einzuschränken?
Einschränkung 1: Wir haben kein Tablet.
Einschränung 2: Auf meinem – mittlerweile neuem – Smartphone gibt es außer der Maus-App keine Spiele-App. Und die auch wirklich nur für den allergrößten Notfall (langes ungeplantes Warten). Ansonsten ist mein Handy Fingerprint-geschützt, sodass er nicht einfach dran kann.
Einschränkung 3: Mein altes Smartphone, auf dem die Spiele-Apps sind, hat keine SIM-Karte.
Einschränkung 4: Das Spiel-Handy ist nicht frei verfügbar. Der midi-monsieur hat darauf nur nach Absprache Zugriff.
Einschränkung 5: Zur Zeit nicht nötig, aber wir hatten eine zeitlang einen Deal laufen. Für bestimmte Aufgaben und Handlungen konnte sich der midi-monsieur Handy-Minuten erarbeiten. Von diesen konnte er maximal 30 am Stück abspielen.
Ich versuche meistens entspannt mit dem Thema umzugehen, solange ich weiß und sehe, dass der midi-monsieur genug Ausgleich hat. Und mal abgesehen davon, dass er bis mindestens 17 Uhr eh keine Zeit hat, irgendwie zu daddeln.

Sind das alles nur übertriebene Ängste von alten Kinderärzten, wie man vor Jahrzehnten ebenso vor Fernsehen und den ersten Fernsprechern warnte? Erwartet Ihr von “uns”, dass wir Eltern z.B. bei den Vorsorgeuntersuchungen beraten im Umgang mit Tablets oder Handys?
Ich glaube, dass man nur zu was beraten kann, was man selbst gut kennt. Sicherlich kann der Kinderarzt darauf aufmerksam machen, dass es nicht so knall bis schädlich ist, wenn das Kind stundenlang aufs Tablet oder Handy starrt. Aber ich weiß nicht, ob die meisten Kinderärzte inhaltlich beraten können. Denn für mich geht die Gefahr eher von die Inhalten aus als rein von der Nutzung.
Ich finde dieses „Geschrei“ um die Mediennutzung allerdings generell etwas … sagen wir mal .. eigen. Die Medien gehören einfach zum alltäglichen Leben, also bei vielen. Ja, ich weiß, dass es Menschen gibt, für die – auch bzw. gerade in meinem Alter – mobile Devices immer noch Werk des Teufels sind. Die auch jenseits von Rudolf Steiner meinen, dass alles Technische möglichst weit von ihren Kindern ferngehalten werden sollte. Für mich ist das weltfremd. Unsere Kinder wachsen damit auf, sie werden Computer, Internet und Co im Rahmen von Schule, Ausbildung oder Studium benutzen (müssen).
Liebe Kinderärzte, also bitte nicht davor warnen, sondern – sofern möglich – beraten, wie man gut und kindgerecht mit den Medien umgehen kann. Wie man sie wann und wie gut einsetzen kann. Wie man seine Kinder begleitet und anleitet, worauf man achten sollte. Bitte gebt den Eltern nicht das Gefühl, als würden sie ihrem Kind das Schlimmste (kurz nach körperlicher Gewalt) antun, denn so bekommt ihr auch keine ehrlichen Antworten. Aber fragt dazu bitte auch Eure (jüngeren) Kollegen, die bestenfalls auch Kinder haben, aber zumindest mal schon so ein Medium nicht nur in der Hand gehalten haben, sondern auch benutzt haben, wie die das sehen.

2 Gedanken zu „Medienkompetenz

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