Nachgefragt

Heute habe ich zum ersten Mal in meinem Leben eine medizinische Zweitmeinung eingeholt. Also für mich. Für den midi-monsieur habe ich das ja schon mal indirekt gemacht wegen dieser Polypengeschichte.

Nachdem mir mein Zahnarzt am Montag offenbarte, dass zumindest das eine der beiden Implantate raus muss, war ich sehr angefressen. Nein, diesmal war mir nicht nach Scherzen mit meinem Zahnarzt zumute. Sicherlich war es nicht einträglich, dass ich maximal schlecht geschlafen hatte, aber das Genervtsein rührte hauptsächlich vom unterschwellig schmerzendem Kiefer durch eine Entzündung, die seit drei Monaten persistent ist. Und nein, ich wollte am Montag nicht einfach sagen: „Ja, Sie haben recht, das Ding muss raus.“ Mein Gefühl sagte mir zwar, dass es richtig ist, aber es ist soviel passiert, dass ich erstmal durchschnaufen musste und noch jemanden fragen wollte.

Mir geht es nicht darum, ob mein Zahnarzt gepfuscht hat. Vielleicht hat er das, aber sicherlich nicht willentlich. Bislang hat er in den vergangenen elf Jahren wirklich gute Leistung an meinen Zähnen erbracht. Ich vertraue ihm eigentlich.

Im Nachhinein würde ich sagen, dass ein paar Fehlentscheidungen gefällt worden sind. Letzlich waren es drei Eingriffe (zwei Implantate rein, ein Zahn raus) auf einmal auf kleinstem Raum und davon war einer einer zuviel. Im Sinne von „hätte, hätte, Fahrradkette“ lässt sich aus heutiger Sicht sagen, dass ich besser bedient und beraten gewesen wäre, wenn er den Zahn gezogen hätte und ein Implantat gesetzt hätte. Und wenn die Stelle mit dem gezogenen Zahn ausgeheilt gewesen wäre, hätte man das zweite Implantat setzen können. Dann würde jetzt nicht das zweite Implant enfernt, sondern gesetzt.

Ich war also am Montag maximal angefressen und wollte das nicht so stehen lassen. Außerdem hatte ich keinen Bock mehr, ihn etwas zu fragen, mein 100%iges Vertrauen ist in den vergangenen drei Monaten Rumgewurschtel etwas geschwunden. Also rief ich erstmal „meinen“ Kieferchirurgen an. Der ist aber bis Ostern nicht da. „Will ich zu einem anderen – mir unbekannten – Kieferchirurgen gehen?“, fragte ich mich. Aber ich wollte zwei Fragen ehrlich beantwortet haben: 1) Muss das Implantat wirklich raus? 2) Was kann beim Entfernen des Implantats passieren? Ich suchte also eine kieferchirurgische Praxis in der Nähe und mir wurde kurzfristig ein Termin angeboten.

Und da war ich dann heute. Ich war ja schon froh, dass er beim Reingucken nicht „oh, oh“ sagte. Allerdings war „Ich komme mit der Sonde ziemlich tief rein“ auch nicht viel besser. Ich wurde geröntgt und er nahm sich Zeit, mit die Situation zu erklären. Ja, das eine Implantat müsse raus. Und ja, es könne beim Entfernen zu Kollateralschäden kommen. Hmpf, das war ehrlich. Das wollte ich hören. Er sagte noch ein paar andere Dinge, die darauf schließen ließen, dass er die Arbeit meines Zahnarztes nicht ganz optimal fand. Aber das mag auch ein bisschen daran liegen, dass er in seiner Praxis eine andere Technik anwendet und die „andere“ natürlich nicht so gut sein kann wie die eigene. Außerdem nützt mir das eh nicht viel. Das eine Implantat sitzt ja und Gewährleistung und Nachbesserungsrecht machen es schwierig, mitten in der Behandlung den Zahnarzt zu wechseln. Und eigentlich will ich das auch nicht unbedingt. Denn bislang war ich ja mit seinen Leistungen sehr zufrieden.

Also lasse ich ihn am Freitag nochmal ran, dann kommt das Implantat raus und hoffentlich entspannt sich dann auch alles im Kiefer. Und ich mich gleich mit. Meine Laune ist derzeit eher unterirdisch.

3 Gedanken zu „Nachgefragt

  1. Ich hab da jetzt länger drüber nachgedacht. Und war immer so hin- und hergerissen zwischen „hätte er wissen können und darauf hinweisen müssen“ und „hätte auch bei einem Implantat was schieflaufen können“. Beides irgendwie nicht optimal.

    Es tut mir einfach leid, dass Du jetzt schon so lange damit rummachst und es erst jetzt einen Schritt weitergeht. Und hoffentlich zum letzten Mal ein Eingriff, um die Schmerzen zu beseitigen und dieser verk**** Entzündung die rote Karte zu zeigen. Danach: Heile, heile, Kieferchen.

    Was bleibt ist irgendwie dieses doofe Gefühl. Dieses Gefühl von Misstrauen und das Gefühl von Unsicherheit, ob jetzt alles gut läuft.

    Wobei ich sicher bin, dass Du genug Karma-Kacke hattest und nun den Lohn für Deine „geschnitten Brot mit Quark“-Aktion bekommst und alles morgen gut laufen wird. Ich drück Dir die Daumen. Wenn Du was brauchst, melde Dich!

    Drücker!

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