Brauch‘ ich nen Tag für mich?

Also nicht nur für mich, denn dafür gibt es ja meinen Geburtstag, sondern einen Tag für „uns“ Frauen?

Vor 105 Jahren (allerdings nicht am 8. März) fand der erste Internationale Frauentag statt. Damals ging es um das Wahlrecht. Also das politische Wahlrecht. Etwas das für viele – wenn man die katastrophale Wahlbeteiligung mal betrachtet – mittlerweile zu selbstverständlich ist. (Gilt natürlich auch für Männer, aber die mussten ja nicht für ihr Wahlrecht kämpfen). Über sieben Jahre später war es dann so weit: Frauen durften wählen.

Betrachtet man den Wunsch nach Wahlrecht übergeordnet – also auch persönlich, gesellschaftlich -, verwundert es nicht wirklich, dass in den Jahren 1933-1945 der Internationale Frauentag abgeschafft war und stattdessen der Muttertag zum Feiertag hochgejubelt wurde. Frauen hatten für sich persönlich keine Wahl mehr.

Er hat es sicherlich seinem sozialistischem Ursprung und der Gesellschaftsordnung der DDR zu verdanken, dass er eben dort Jahr für Jahr gefeiert wurde. Von Wahlrecht war „da drüben“ ja weit und breit keine Spur. Selbst dass Frauen und Männer gleichberechtigt arbeiteten, war ja nicht unbedingt frei gewählt. Im „Westen“ hingegen mischten sich mehr und mehr Ideen der Friedensbewegung rein und verlor an Bedeutung. Erst mit der Wiedervereinigung rückte er wieder ins gesamtdeutsche Bewusstsein.

Auf internationaler Ebene stellt die UN seit 1975 den 8. März jährlich unter ein Motto, das sich explizit einem Frauenthema widmet. Grundtenor: Wo finden Frauen wie statt? Können Sie wählen, wie sie leben wollen? Welche Wahlmöglichkeiten haben Frauen im Arbeitsleben, in der Gesellschaft, in politischen Bereichen, auf persönlicher Ebene? Welche Faktoren bestimmen diese Wahlmöglichkeiten und -freiheiten? Nicht immer finden wir modernen, westlichen Frauen uns da wieder. Aber wir müssen auch bedenken, dass wir nur einen kleinen Anteil der weiblichen Weltbevölkerung ausmachen. Und Dinge, die für uns selbstverständlich sind, sind es in vielen Teilen der Welt nunmal nicht.

In diesem Jahr heißt das Motto „Zusicherung von Gleichheit“. Ich will das gar nicht groß auseinanderpflücken, auch wenn es für mich wie eine Drohung klingt. Vor allen Dingen das Wort „Gleichheit“. Aber vielleicht ist es auch nur ein Übersetzungsfehler des Wortes „parity“.

Letztlich finde ich aber so einen Tag gut, auch wenn er träglich stattfinden sollte, der daran erinnert, dass die damals eingeforderte „Wahlfreiheit“ für uns vermeintlich selbstverständlich ist – zumindest auf politischer Ebene. Viele andere Wahlmöglichkeiten, wie Arbeiten ohne Einverständnis des Mannes, eigenes Konto, Verhütung etc. wurden erst in den vergangenen 50 Jahren „selbstverständlicher“. Andere Wahlfreiheiten sind immer noch nicht wirklich selbstverständlich: Die Wahl, wie Frauen aber letztlich auch Familien, ihr Leben gestalten. Egal, für welches Modell man sich entscheidet, es ist entweder falsch oder funktioniert nicht. Das wird einem zumindest von außen suggeriert. Da kann man sich als Familie noch so prima arrangieren und organisieren, aber solange es Arbeitgeber*innen gibt, die Teilzeitarbeitnehmerinnen als Arbeitnehmerinnen zweiter Klasse ansehen (und behandeln) und Väter sich rechtfertigen müssen, wenn sie für die Familie da sein wollen und z.B. mehr als zwei Monate Urlaub Elternzeit beantragen oder Teilzeit einfordern, beiden Steine in den Weg gelegt werden, können wir noch so einige Frauentage begehen. Aber nicht als Feigenblatt.

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