Schlüsselkind

Der midi-monsieur geht ja allein zu Schule und auch allein vom Hort nach Hause. Er bleibt mittlerweile auch alleine, wenn ich mal einkaufen gehe(n muss) und er keine Lust hat mitzukommen. Ist das früh? Ich weiß es nicht. Es ist sicherlich ein bisschen dem Umstand geschuldet, dass ich alleinerziehend bin. Aber er hat da auch ein großes Streben nach Selbstständigkeit in sich. Und ich weiß, dass ich ihm vertrauen und mich auf ihn verlassen kann.

Nun war es so, dass ich heute einen beruflichen Termin hatte, der bis 17h00 (und da macht der Hort zu) angesetzt war. Zwar in Frankfurt, aber am Flughafen und damit gut 35 Minuten Fahrtweg entfernt. Da die befreundete Familie, wo er sicherlich für die halbe Stunde hätte hingehen können, selbst Betreuungsnotstand hatte, Mary Poppins auch nicht konnte und eine neue „Babysitterin“ noch nicht etabliert ist, fragte ich den midi-monsieur, ob er sich vorstellen könnte, allein mit dem Schlüssel nach Hause zu gehen. Alternativ bot ich ihm an, bei einem Klassen- und Hortkameraden zu fragen. Er überlegte und überlegte und überlegte und sagte dann, dass er es probieren wolle. Es war sicherlich ein Anreiz, dass wir vereinbarten, dass er dann in der Zeit, bis ich zu Hause bin, Wii spielen dürfte.

Also übten wir den Umgang mit dem Schlüssel: Welcher Schlüssel für welche Tür; welcher Schlüssel muss wie gedreht werden; was machen, wenn es nicht klappt. Bei den ersten Versuchen – ich war in der Wohnung – wurde er erstmal panisch, weil es nicht sofor klappte. Aber er fand heraus, dass er ruhig bleiben sollte. Ich zeigte ihm noch den Trick mit dem Schlüsselring und dann lief’s wie geölt.

Gestern dann die Generalprobe: Er nahm den Schlüssel mit zur Schule und als er nach Hause kam, nutzte er ihn auch. Was eine Wohltat, mal nicht vom Sturmklingeln erschreckt zu werden.

Und heute dann?! Die Regeln noch mal eingeschärft: Schlüssel keinem zeigen. Keinen mit ins Haus lassen (in die Wohnung eh nicht). Anrufen, sobald er in der Wohnung ist. Und keinen reinlassen, sollte es klingeln.

Ja und nicht nur er ist stolz. Ich bin auch sehr stolz auf ihn und dass das so gut geklappt hat, wird unseren Alltag noch mehr entlasten. Zum Glück kann er sich noch nicht vorstellen auszuziehen.

2 Gedanken zu „Schlüsselkind

  1. Same here. Manchmal bin ich traurig über den Umstand, dass ich so extrem wenig Zeit für meine Kinder habe/hatte; meine nachmittäglichen und wochenendlichen Arbeitszeiten liegen ja leider genau in der Freizeit meiner Kinder und sind/waren null hortkompatibel und somit mussten die Kinder sehr früh alleine zurechtkommen. Aber getröstet habe ich mich dann immer damit, dass die große Selbstständigkeit, die sie dadurch erlangten, Gold wert ist. Und im Vergleich zu manchen meiner Schüler, die erschreckenderweise sogar ein Mamataxi für Fahrten durchs Dorf benötigen, bin ich heilfroh, dass es bei uns anders ist und meine Kinder sich mit Bus und Bahn ganz selbstverständlich schon seit einigen Jahren quer durch die Republik bewegen können.
    Selbstständigkeit rocks. Schöne Grüße an den midi-monsieur: Hat er toll gemacht!

  2. Pingback: Punktlandung | Groß-Stadt-Ansichten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s