Nichts darf man … äh, frau

Gerade möchte ich schreiend irgendwo rumlaufen. So Urschreitherapie-mäßig. Und Menschen schütteln möchte ich.

Denn so langsam bin ich es leid: Nichts darf man frau irgendwer mehr. Vor allen Dingen was sagen. Und ich meine nicht Äußerungen besorgter Bürger, die doch bittedanke noch mal was sagen dürfen. Es ist doch zum Verrücktwerden.

Ich habe ja schon letztens dumm aus der Wäsche geguckt, was man alles nicht mehr zu Alleinerziehenden sagen darf. Aber jetzt soll man auch nicht mehr ALLEINerziehend sagen, weil … ja, warum eigentlich?!

Ich lasse ja noch gelten, dass getrennte Eltern, die sich aber relativ gleichberechtigt um die Aufzucht (und Erziehung) der Brut kümmern, das Wort doof finden. Denn so richtig allein erziehen sie ja nicht. Im besten Fall gemeinsam oder zumindest getrennt. Ich fände es aber als faktisch Alleinerziehende (88,5 Prozent dieses Jahres ist der midi-monsieur in meiner Obhut und Erziehungsgewalt) auch nicht schlimm, wenn sich jeder Elternteil als alleinerziehend bezeichnen würde. Soweit zur Randgruppe der Randgruppe.

Doch was ist denn mit der vermeintlich politisch unkorrekten Kuh, die gerade durchs Dorf getrieben wird? Alleinerziehend suggeriere, dass man allein sei. Und ich überlege gerade, ob ich lachen oder weinen soll. Sicherlich kann man das Wort wie folgt lesen:
allein erziehend (man darf es nach Duden sogar so schreiben).
Dann wird mir, armen Frau, die vom Manne verlassen wurde, (natürlich) erst recht schmerzlich bewusst, dass und vor allen Dingen wie alleine ich sei. Und dann fühle ich mich gleich noch allaleiner (ich weiß, dass es keine Steigerung von allein gibt) und schwupps, bin ich ein Häufchen Elend, das nienienie wieder einen Mann abbekommt. Self fulfilling prophecy und so.

Und da frage ich mich tatsächlich: Geht’s noch gut?

Wenn man das arme Wort, das im Duden mittlerweile mühsam zusammengefunden hat, schon auseinander fleddert, dann sollt man sich (wenigstens auch) mal den zweiten Wortteil zu Gemüte führen und sich nicht im Selbstmitleid des ersten baden: erziehend. Hey, das ist ein großes, mächtiges Wort. Ein Wort, in dem Verantwortung mitschwingt. Auf das wir verdammt noch mal stolz sein können. Dass wir diese Verantwortung wahrnehmen, dass wir uns dem stellen, dass wir es machen, so gut wir können. Und dass wir das auch noch allein machen, sollte uns einfach noch stolzer machen.

Wie sollen denn diejenigen, die sich (hauptsächlich) allein um die Erziehung kümmern bei denen die Kinder (hauptsächlich) wohnen, bezeichnet werden?

  • Mutter bzw. Vater?
    Faktisch richtig, aber für diese Problematik zu unaussagekräftig
  • Mutter bzw. Vater mit X Kind(er)?
    s.o. und zudem auch noch ein „weißer Schimmel“
  • Vom Vater bzw. Mutter getrennt lebende(r) Mutter bzw. Vater?
    Das sagt ja auch irgendwie nicht aus, wo das Kind ist
  • Verlassene(r) Erziehungsberechtigte(r)?
    Klingt ehrlichgesagt, deutlich deprimierender als alleinerziehend und wird auch dem geteilten Sorgerecht nicht gerecht
  • Das Elter? (und ja, nach Duden ist das Elter richtig)
    Nur das Wort oder mit den vorangeführten Spielchen …

Man kann das Wort natürlich einfach mal zusammen lassen und als Beschreibung des Familienstands nehmen. Mal abgesehen davon, dass ich mich lieber als alleinerziehend denn als geschieden* bezeichne(n würde), glaube ich, dass, wenn dieses Wort mal wirklich in die Bürokratie als offizielle Familien-/ Personenstandsbezeichung einziehen würde, sich ganz langsam etwas mehr in den Köpfen derer bewegen wird, die darüber entscheiden, dass endlich dieses beschissene Ehegattensplitting** aufgehoben überdacht wird und stattdessen Familien – egal, wie sie aussehen – ab dem Moment steuerlich begünstigt werden, ab dem ein Kind mit im Haushalt wohnt.

Habe fertig.

Vorerst.

—————————-

* Ich habe kein Problem damit, mich als „geschieden“ zu bezeichnen. Aber diese Trennung/ Scheidung ist so weit weg mittlerweile und hat ü.ber.haupt nichts mehr mit meinem aktuellen Leben zu tun und kehrt zudem noch die Anwesenheit des midi-monsieurs unter den Teppich.

** Was ja vor 16 Jahren auch ein Grund für die Heirat war.

Ein Gedanke zu „Nichts darf man … äh, frau

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