Back to France – Nachlese

Am dritten oder vierten Tag fiel mir ein, dass der Hashtag #backtoBreizh ja noch passender gewesen wäre für meine ig-Bilder und Tweets. Nun war es halt eine Reminiszenz an den – wie ich finde – tollen Song von Mike Oldfield (ich bin halt ein Kind der 1980er).

Ich habe viel gelacht. Manchmal vielleicht etwas zu viel über meinen Papa. Fatalerweise auch beim Autofahren bis mir die Tränen kamen.

Mit den deutlich gealterten Eltern zu verreisen, ist ein wenig als würde man mit Kindern reisen. Viele Dinge brauchen wieder sehr lang: morgens fertig machen, anziehen, Spaziergänge, Entscheidungen… Wobei ich mich um letzters gekümmert habe und eigentlich entschieden habe, was wir machen, wo wir essen gehen etc.

Die Bretagne verbinde ich eigentlich fast ausschließlich mit dem Vater des midi-monsieurs. Ich hatte auf neue Verbindungen gehofft. Was nur so halbt geklappt hat. Dazu waren wir vermutlich zu sehr auf meinen vergangenen Spuren unterwegs.

Die Bretagne ist einfach wun-der-schön. Auch wenn wir gar nicht an der Nordküste waren, glaube ich, dass ich eine Südküsten-Liebhaberin bin.

Wäre ich an den Flashback-Orten allein gewesen, hätte ich sicherlich weinen müssen. Ich weiß noch nicht, ob es gut war nicht „trauern“ zu können.

So ein Auto mit diversem Zipp und Zapp ist schon was Feines.

Hätte man eine Kamera ins Auto installiert, hätten wir eventuell einen tollen Video-Kanal unter dem Titel „Gespräche mit Else“ (und nein, meine Mutter heißt nicht Else) betreiben können.

Über ein Jahr nach der Trennung – also meiner vom Kindesvater sitzen die deutschen und französischen Großeltern des midi-monieurs erstmals an einem Tisch zusammen.

Ich hatte beim midi-monsieur-Abholen kurzfistig das dringende Bedürfnis, den Kindesvater zu umarmen. (Habe es aber nicht gemacht.)

Über „meine“ Brücke zu fahren, war nach über zwei Jahren schon komisch. Mit der Brücke verbinde ich – ähnlich wie mit dem ersten Blick auf die Frankfurter Skyline von der Wetterau aus – ein ziemlich intensives Coming-Home-Gefühl.

Wenn ich doch jemals in die Bretagne ziehen sollte – und gerade fühlt es sich mal wieder stark danach an – würde ich mich sicherlich in der Nähe von Vannes niederlassen.

Man muss es den Franzosen lassen, aber Brücken können sie. Und ich liebe Brücken.

5 Tage netto sind einfach (zu) wenig. Vielleicht bekäme ich meine Sehnsucht besser in den Griff, wenn ich mal wirklich länger da bin. So mindestens 4 Wochen in einem tollen – gerne freistehendem – Haus. Und Freunde und Familie kommen in wechselnder Besatzung dazu.

Man muss sich in Frankreich echt bemühen, um schlecht zu essen. Wir haben es zumindest nicht geschafft – „obwohl“ wir jeden Abend außer Haus gegessen haben.

Apropos Essen: Galette gehen immer. Und Crêpes auch.

Mein Französisch ist doch nicht so eingerostet wie befürchtet.

Wer noch einmal über mangelnden Platz im ICE jammert, der fahre bitte mal TGV im unteren Teil. Es ist eng. Es gibt Stufen. Das Dach ist tief. Man fühlt sich wirklich wie eine Sardine in der Dose. Oben ist es etwas besser, aber Frankfurt-Paris doch lieber im ICE.

Erstaunlich, was die Bretagne so für Farben kann. Diese Blautöne des Himmels sind der Wahnsinn. (Oder ist auf der anderen Seite der Grenze der Himmel blauer?)

Das Board-Navi hatte sich für den Rückweg überlegt, uns noch eine kleine Sight-Seeing-Tour zu bieten. Mein Vater sah zum ersten Mal den Eiffel-Turm, den Arc de Triomphe und konnte auch einen Blick auf Sacre Coeur erhaschen, als wir quer durchs Montmatre mussten.

Und ich habe nun aufgrund dieser Wegeführung den „Goldenden Permis* am Band“: Ich musste den Kreisverkehr um den Arc de Triomphe nehmen. Und ich habe es unfallfrei und ohne Extrarunde geschafft.

Meine Eltern waren mir sehr dankbar für meine Sprachdienste, Reiseorganisation und letzlich auch die Fahrerei.
Und ich bin sehr dankbar, dass ich mit meinen Eltern noch eine so schöne Zeit zusammen haben konnte. Mein Papa wird immerhin nächstes Jahr 70 Jahre alt und baut v.a. körperlich deutlich ab.

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* Permis = Führerschein

Ein Gedanke zu „Back to France – Nachlese

  1. Pingback: Crêperie | Groß-Stadt-Ansichten

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