Back to France – Tag 1

Ein langer und anstregender Tag geht zu Ende. Aber auch ein schöner Tag, wenn man von der kleinen dramatischen Spitze in Paris absieht.

Sinnigerweise hatte ich noch gestern Abend das Taxi bestellt und so waren wir sehr rechtzeitig am Bahnhof. Meine Eltern hatten ihre Kühlschrankreste mitgebracht, sodass wir nur noch Brötchen und einen Kaffee für meinen Vater brauchten. Dafür blieb genug Zeit. Auch für das familiäre TGV-Ballett:

Da man zwar sein Ticket für Frankfurt-Paris online buchen, aber keine Plätze aussuchen kann, wenn die Strecke vom TGV absolviert wird und wir zudem die drei Tickets getrennt buchen mussten, hatten wir eigentlich Sitzplätze in Wagen 15, 16 und 18. Ich hatte frecherschlauerweise meinem Ticket ein Kind unter 6 Jahren zugefügt, sodass ich wenigstens zwei Sitzplätze nebeinander hatte. Also stürmten wir den unteren Teil des Wagen 15. Und während sich meine Eltern an einer 4er-Gruppe mit Tisch häuslich einrichteten, besorgte ich noch die fehlenden Dinge. Wieder zurück stellte ich fest, dass eigentlich alle Plätze des Tisches ab Frankfurt reserviert waren und dass das eher ungünstig sei. Wir zogen zum nächsten Tisch. Allerdings wurden kurz vor knapp zwei der vier Plätze von den rechtmäßigen Sitzplatzbesitzerinnen eingefordert. Wir zogen also wieder um. Eine letzte Tischgruppe war bis auf einen Platz unreserviert (fragt nicht, warum wir die nicht vorher gesehen haben) und wurde von uns – ohne weitere Zwischenfälle – eingenommen. Der Zug fuhr los. Meine Eltern frühstückten und ich schlief bis Saarbrücken.

Am Pariser Gare de l’Est bahnte ich uns den Weg nach draußen in Richtung Autovermietung. Bis sie auf einmal nicht mehr ausgeschildert waren. Ich fragte mich durch und wir standen vor eine Tiefgarageneinfahrt, die man zu Fuß nicht betreten durfte. Aber da ich keinen anderen Weg sah, schlupfte ich zwischen den Schranken und den Ticket-Automaten durch, um zu erfahren, dass der Schalter unserer Auto-Vermietung heute ausnahmsweise nicht besetzt sei, der nächste aber in der Nebenstraße sei. Nun gut. Wir schnappten uns Sack und Pack und liefen 200 Meter ums Eck. Dort wartete eine sehr interessante Diskussion auf Französich auf mich:

Bonjour, ich habe einen Wagen reserviert. Eigentlich für die Station im Bahnhof.
Name?
Name.
Kreditkarte, Perso und Führerschein bitte.
*reiche alles an*
*tipptipptipp murmelmurmelmurmel*
Äh, ich muss mal gerade gucken. *geht zur Kollegin*
*flüstert mit Kollegin* Der Wagen XYZ ist nicht da. Was mache ich jetzt?! – Einen kleineren geben. – Aber die Reservierung ist für sechs Tage. *geht raus*
Alors, wir haben einen Wagen.
*denke* Na, zum Glück, sonst würdet ihr auch bald eine leicht hungrige und etwas müde Teutonin kennenlernen.
*tippt meine Daten in den Computer*
Das dauert aber lange, denke ich womöglich doch laut.
Entschuldigung, ich habe Probleme mit dem Computer.
*denke* (diesmal wirklich leise) Naja, der größte Fehler sitzt ja meistens davor.
*telefoniert mit meiner Kreditkarte in der Hand* Hallo … blablabla … XYZ Euro … aha … ok
Ihre Karte ist nicht gedeckt.
Das kann nicht sein. Für wieviel muss sie denn gedeckt sein?
Miete plus 300 Prozent.
*kurzer Überschlag im Kopf* Das gibt meine Kreditkarte her. Das sind ABC Euro.
Nein, das ist nicht so viel. Ich rechne es Ihnen vor. *nimmt den Taschenrechner und tippt DEF x 1,03* Also XYZ Euro.
Prozentrechnung ist nun wirklich nicht jedermanns Sache, denke ich nur und spreche es höflicherweise nicht aus.
Das gibt meine Kreditkarte auf jeden Fall her. Probieren Sie es bitte noch einmal.
*ruft an* Hallo … blablabla … XYZ Euro … aha … ok
Ihre Karte ist nicht gedeckt.
Und nun?
Rufen Sie doch bei Ihrer Bank an und erklären Sie das Problem.
Haha, Sie sind lustig. Es ist Samstag und samstags sind Banken in Deutschland für gewöhlich nicht offen.
Ja, das ist wahr, das ist bei uns anders.
Sein süffisanter Unterton lässt mich fast laut aussprechen, was ich denke: Banken am Samstag machen auch nicht viel aus, wenn die restlichen fünf Tage nichts passiert. (Ich weiß, dass das gemein ist und beiße mir auf die Zunge.) *spiele mit der Karte in meiner Hand und sehe eine Telefonnummer, die ich kurzerhand anrufe* Hallo, meine Visa-Karte ist angeblich nicht gedeckt. – Zugangsdaten für Ihr Konto bitte. (erstaunlich, was man alles so parat hat) – Blablabla. – Stimmt. Nein, ihr Konto ist in Ordnung. Ich rufe bei Visa an. – *Warteschleifenmusik* – *Warteschleifenmusik* – *Warteschleifenmusik* – Hallo?! Mit Ihrer Karte ist alles in Ordnung. Es wurde bei den beiden Abfragen jeweils das falsch Gültigkeitsdatum der Karte genannt. Sagen Sie, dass 8/18 bedeutet, dass die Karte bis zum 31. August 2018 gültig ist. – Danke.
Einmal mit Profis arbeiten *denke ich und wende mich triumphierend dem Typ zu*
Es war wohl doch Ihr Fehler, rutscht es mir sehr undiplomatisch raus.
*versucht es nach meinen Erklärungen erneut* Hallo … blablabla … XYZ Euro … aha … ok
Jetzt hat es geklappt. Sie haben Glück: Sie bekommen auch einen besseren Wagen, als den eigentlichen gebuchten. Einen Wolgsfagen.
Wenn ich nicht VW gelesen hätte, hätte ich kurz gerätselt. Naja, ob VW derzeit wirklich eine Verbesserung ist, ist ja auch nicht ganz klar, kann ich mir dann doch nicht verkneifen, bedanke mich aber dann artig.

Denn es ist schon gut, wir nun einen Passat Kombi (mit allem Zipp und Zapp) haben. So haben wir wiklich ausreichend Platz für unser Gepäck und auf der Rückfahrt auch für den midi-monsieur.

Wir laden schnell ein. Ich programmiere das Board-Navi, das aber erstmal nur Englisch mit mir spricht, was mich im Pariser Stadtverkehr dann doch etwas wuschig macht. Also programmiere ich noch meine Offline-Navi-App und wir werden simultan durch die Stadt gelotst. Der Rest der Fahrt läuft gut bis entspannt (dank Tempomat und Geschwindigkeitsbeschränkung). Wir machen eine Rast an dem Rastplatz, an dem ich in den letzten Jahre fast immer die erste Pause nach Paris machte.

Wie kalkuliert kamen wir 18h00 an. Wir luden schnell aus und dann fuhr ich alleine einkaufen, damit wir wenigstens das Nötigste fürs Frühstück hätten, reservierte uns noch schnell einen Platz im einzigen fußläufig erreichbaren Restaurant und dann überkam mich kurz der Blues…

Ein Gedanke zu „Back to France – Tag 1

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