Liebes Tagebuch am Fünften (Oktober)

Der zehnte Fünfte des Jahres und Frau Brüllen fragt: WMDEDGT?

0h50 Ich bin im Bett und lese noch etwas.

2h00 Etwas ist gut 😉 Bin immer noch wach. Muss aber dann irgendwann eingeschlafen sein.

7h07 Irgendwas bimmelt. Ach ja, das Telefon als Extrawecker. Der midi-monsieur scheint auch schon wach zu sein. Kommt mir aus dem Bad entgegen und will noch kuscheln.

7h12 Jetzt müssen wir aber aufstehen.

7h30 Kind ist angezogen, die Frühstücksbox fertig. Jetzt trinkt der midi-monsieur noch seine Milch und ich mache Rechner an, um zu gucken, wo denn die nächste Tanke von uns aus ist. Was man so alles als Radfahrer nicht weiß …

7h45 Der midi-monsieur macht sich auf den Weg.

7h55 Ich beginne diesen Artikel, während ich warte, dass mitbewohnende Freundin im Bad fertig wird.

8h20 Ich mache mich los. Zeitlich sieht alles gut aus, tanken sollte kein Problem sein.

8h30 Jetzt auf zum Hauptbahnhof. Erwartungsgemäß schleiche ich durch zähen Montagmorgen-Verkehr.

8h40 Ich liege gut in der Zeit, als auf einmal nichts mehr geht. Beim Anfahren an der Ampel verreckt das Auto auf der linken Spur. Wo sonst?!
Kann einen hilfsbereiten Fahrradfahrer dazu bringen, mir den Wagen zu schieben. Durch den Schwung gehen die Lichter im Auto wieder an. Doch beim Manövrieren verreckt er wieder.

8h43 An meiner Abgabestation scheint noch keiner Dienst zu haben. Will die Zentralennummer des Autovermieters suchen. Da verreckt das Handy. Akku raus. Neu starten.

8h50 Beim 2. Anlauf lande ich im polnischen Callcenter. Rückvermittlung zum Pannendienst in Deutschland. Man wolle mir den ADAC schicken. Na prima, dann sitze ich hier ja erstmal zwei Stunden fest. Denn abschließen kann ich den Wagen ja auch nicht.

9h01 Der Fiat-Pannendienst meldet sich, weil der Honk von der Autovermietung bei der Standortbeschreibung nicht richtig zugehört hat, aber sie versprechen Hilfe binnen 30 Minuten. Ich warte.

9h32 Ich warte.

9h34 Der Abschlepper kündigt sich an und eine Politesse klopft an, um mich darauf aufmerksam zu machen, dass ich nicht ganz optimal stehe. Aber sie versteht meine missliche Lage und zieht ihrer Wege. Das hätte mir noch gefehlt.

9h36 Pannendienst ist – die angekündgten zwei Minuten später – da. Er doktort an der Batterie rum, gibt mir Starthilfe und dann läuft der Wagen wieder. Netter Typ.

9h45 Weil ich beim Autofahren nicht Twitter lese, sehe ich auch nicht den Tweet, dass auf der „südlichen“ Route um die Innenstadt noch alles dicht ist. 

wpid-2015-10-05-12.15.02.png.pngUnd ich hatte noch überlegt, „obenrum“ zu fahren. Hättehätte, Fahrradkette.

10h15 Nach 10 Minuten Parkplatzsuche im Parkhaus habe ich das Auto abgestellt.

10h17 Bei der Autovermietung ist keiner. Aaarg. Ich habe immer noch Hunger.

10h32 Ich rufe die Hotline an, weil immer noch keiner da ist.
„Geben Sie den Schlüssel einfach in der Schlüsselbox ab.“
„Hier ist keine. Außerdem macht das keinen Sinn. Ich muss ja noch was wegen der Panne klären.“
„Doch, bestimmt. Ich gucke mal.“
„Wenn die unten im Parkhaus ist, schreie ich.“ (Ich latsche da jetzt nicht noch einmal runter.)
Typ spricht sich mit Kollegin ab.
„Also eine ist am Parkplatz Süd und eine im Parkhaus.“
Ich bin deutlich lauter: „Haben Sie mir nicht zugehört?! Ich muss etwas wegen der Panne klären und außerdem wandere ich jetzt nicht für so eine blöde Box quer durch den Bahnhof.“
„Ja, dann weiß ich auch nicht.“
„Aber es kann ja nicht sein, dass hier seit nun 20 Minuten keiner am Schalter ist.“
„Da kann ich auch nichts daran machen.“
„Ja, aber geben Sie das intern weiter, dass das nicht geht.“
Typ murmelt was.
„Haben Sie mich verstanden? Geben Sie das bitte intern weiter. Das ist doch kein Zustand.“
„Aber …“
„Kein Aber. Ich weiß, dass Sie für die Situation hier vor Ort nichts können, aber ich will von Ihnen hören, dass Sie das intern weitergeben.“
„Ja, das kann ich machen.“
Ich lege genervt auf. Schreibe einen Zettel, auf dem ich um umgehenden Anruf bitte und gehe dann um

10h37 mir einen Kaffee holen. Ich! Bin! Sehr! Genervt! Ich kaufe noch ein Rosinenbrötchen, gehe dann noch einmal zur Station. Immer noch keiner da.

10h50 Einer inneren Eingebung folgend, gehe ich zur zweiten Rückgabestation aka Parkplatz an der Südseite mit der Hoffnung, eventuell dort einen Mitarbeiter anzutreffen. Dort ist Häuschen mit Menschen drin. Ich gehe gucken. Da steht Schwester S. für Arme rauchend mit einem Shirt der Autovermietung.
„Gehören Sie zur Autovermietung.“
„Ja.“
„Im Bahnhof ist keiner und ich muss meinen Wagen abgeben.“
„Ich muss ja auch mal Pause machen.“
„Ach und wie lange?“
„So 20 Minuten.“
„Naja, das sind ja mittlerweile auch 45 Minuten. Sie hätten ja wenigstens ein Schild aufstellen können.“
„Das Schild haben Kunden kaputt gemacht.“
Schwester S. hat ne ziemlich große Klappe dafür, dass sie mehr Pause macht, als dass sie schafft.
„Sie hätten den Schlüssel ja auch einwerfen können.“
„Nein, denn ich hatte eine Panne und wollte das klären.“
„Ach Sie, mit Ihnen hatte ich telefoniert.“
„Ja.“ (erkläre, was ist)
„Ja, gut.“ Schwester S. schnappt sich die Unterlagen und murmelt noch was davon, wann sie die Rückgabe eintragen möchte – nämlich deutlich VOR 10h50, damit sie keine Probleme bekommt ICH keine Probleme bekäme. Das werden wir ja noch sehen. Freue mich schon auf den Kontakt mit der Mitwagenfirma und was sie zu einer Verdienstausfallentschädigung für mind. 1 Stunde sagen.

10h55 Hole den Zettel vom Tresen. Gehe Richtung Car2Go, weil ich zu geizig bin, den ÖPNV zu zahlen und noch 100 Freiminuten zur Verfügung habe. Unterwegs kaufe ich im Bahnhofsbuchladen noch einen Lernblock für den midi-monsieur, weil er am Freitag und übers Wochenende so einen Spaß damit hatte.

Dann suche ich weiße Smarts auf der Nordseite des Bahnhofs. Angeblich auf einem Parkplatz. Latsche gefühlt bis kurz vor die Galluswarte. Kein Auto. Zurück in Tiefgarage. Kein Auto. Also doch ÖPNV.

11h20 Bin an der S-Bahn-Station, weil ich keinen Bock habe _noch_ einmal durch den Hauptbahnhof zu gehen (obwohl auch mein U-Bahn direkt vom Hbf fährt). Helfe einem älteren Herrn, in die richtige S-Bahn zu steigen, wofür er mich in seinem Abendgebet einschließen will. Keine Ahnung, ob das noch was hilft.

11h25 Ich verlasse den Bahnhof per S-Bahn – endlich.

11h45 Zu Hause. 2:15 Stunden „zu spät“. Ich bin genervt. Zum Glück nicht mehr hungrig, aber dafür müde. Aber auf dem Schreibtisch warten To-Do-Listen und neue Aufträge. Um erstmal runter zukommen, schreibe ich diesen Artikel weiter

12h45 Jetzt aber irgendwas machen.

13h20 Ich bin gerade dabei mir eine Suppe warm zu machen – irgendwie ist mir kalt -, da fällt wir wieder ein, dass ich da gestern was bei meinem Papa beobachtet habe und googele erstmal nach „Parkinson“. Hmpf. Nein, ich hätte es nicht nicht machen sollen. Aber es beunruhigt mich trotzdem. Werden heute Abend mal meine Mama anrufen.
Dann drucke ich meine Arbeitsunterlagen aus und fange an zu arbeiten.

14h00 Ich wollte noch duschen gehen, bevor ich zur Psychologin düse.

14h05 Die Matratze, äh die Spedition ruft an und kann mir frühestens nächsten Montag die Matratze liefern, die ja am Freitag schon einmal falsch geliefert wurde. Noch eine Woche latenten Rücken und schlechten Schlaf.

14h15 Ab unter die Dusche. Anziehen. Etwas weiterarbeiten. Sodbrennen haben.

14h55 Und nun los zu meinem Termin.

16h00 Auf dem Weg nach Hause hüpfe ich noch kurz beim dm rein.

16h20 Zu Hause rufe ich erstmal im Hort an und lasse das Kind losgehen

16h40 Der midi-monsieur kündigt sich mit Sturmklingeln an. Er kommt mit relativ guter Laune reinspaziert. Nach der letzten Woche ist das ganz besonders erfreulich. Ich sehe mir die Hausaufgaben an. Keine Ausmalbildchen. Ich atme innerlich auf.

16h50 Jetzt können wir es uns gemütlich machen und essen erstmal den Kuchen, den wir von meinen Eltern mitgenommen haben. Danach räumt der midi-monsieur sein Zimmer auf und darf sich dann für 30 Minuten mit dem Handy vergnügen. Ich arbeite ein bisschen.

17h35 Mein Mutter ruft an. Wir sprechen über meinen Vater und meinen Verdacht, dass er Parkinson-Symptome aufweist.

18h15 Der midi-monsieur vermeldet Hunger. Er bekommt Brot. Wir kruschpel so unkoordiniert rum. Ich bin mit einem Auge noch bei meiner Arbeit. Aber auch abgelenkt von meinem Sodbrennen.

19h20 Die sehr tattowierte Nachbarin, die sich aber NIE trauen würde, die Haar bunt zu machen, klingelt und bringt ein Paket runter, dass sie für uns angenommen hat.

19h30 Die mitwohnende Freundin kommt von der Arbeit. Sie ist gerade etwas frustriert, was mir sehr leid tut. Interessante Marketing-Job anyone?

19h40 Wir packen das Paket aus: Yeah, die ZipUps sind da.

wpid-2015-10-05-21.27.54.jpg.jpegEs sieht ja ein bisschen nach Fetisch-Party aus. Der midi-monsieur ist ganz begeistert von seinem. Ich habe auch einen roten.

20h15 Vorlesen, Kuscheln und dann geht er in sein Bett.

20h50 sind die Lichter aus. Und mein Sodbrennen ist mittlerweile so unerträglich, dass ich mir Natron in Wasser auflöse und auf ein Wunder hoffe. Dann mache ich noch die letzten Korrekturen an dem einen Projekt und schicke etwas zu spät, aber wenigstens noch heute, die e-Mail raus.

21h30 Ich glaube, ich sollte was essen.

22h15 Ich habe mir Couscous gemacht

22h20 Die Freundin zeigt mir ein tolles Video ihrer Schwester. Da sag nochmal einer Böses über die heutige Jugend. 😉
Den Couscous habe ich immer noch nicht gegessen. Aber jetzt.

23h00 Ich mümmel an dem trockenen und sehr geschmacksneutralem Couscous. Boah, ich habe Tofu- und Mozzarella-Assoziationen und es schmeckt immer weniger. Die Mitbewohnerin verabschiedet sich ins Bett. Ich hänge auf der Couch mit Wärmflasche im ZipUp. Das ist sehr gemütlich.

23h15 Das Leben ist zu kurz für ohne Geschmack und ich suche mir Schokolade.

23h30 Beim letzten e-Mail-Abrufen fällt mir ein, dass ich ja noch eine Presseinfo gegenlesen muss. Naja, mach ich das noch schnell und dann ins Bett.

Ein Gedanke zu „Liebes Tagebuch am Fünften (Oktober)

  1. Dieser Montag muss mit dem falschen Fuß aufgestanden zu sein… Sowas von der Wurm drin, das gibt’s ja gar nicht. Ich drück‘ die Daumen, dass es noch besser wird und Du mit Deiner Arbeit vorwärts kommst. 🙂

    Herzliche Grüße,
    Nicole

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