Back to France – Nachlese

Am dritten oder vierten Tag fiel mir ein, dass der Hashtag #backtoBreizh ja noch passender gewesen wäre für meine ig-Bilder und Tweets. Nun war es halt eine Reminiszenz an den – wie ich finde – tollen Song von Mike Oldfield (ich bin halt ein Kind der 1980er).

Ich habe viel gelacht. Manchmal vielleicht etwas zu viel über meinen Papa. Fatalerweise auch beim Autofahren bis mir die Tränen kamen.

Mit den deutlich gealterten Eltern zu verreisen, ist ein wenig als würde man mit Kindern reisen. Viele Dinge brauchen wieder sehr lang: morgens fertig machen, anziehen, Spaziergänge, Entscheidungen… Wobei ich mich um letzters gekümmert habe und eigentlich entschieden habe, was wir machen, wo wir essen gehen etc.

Die Bretagne verbinde ich eigentlich fast ausschließlich mit dem Vater des midi-monsieurs. Ich hatte auf neue Verbindungen gehofft. Was nur so halbt geklappt hat. Dazu waren wir vermutlich zu sehr auf meinen vergangenen Spuren unterwegs.

Die Bretagne ist einfach wun-der-schön. Auch wenn wir gar nicht an der Nordküste waren, glaube ich, dass ich eine Südküsten-Liebhaberin bin.

Wäre ich an den Flashback-Orten allein gewesen, hätte ich sicherlich weinen müssen. Ich weiß noch nicht, ob es gut war nicht „trauern“ zu können.

So ein Auto mit diversem Zipp und Zapp ist schon was Feines.

Hätte man eine Kamera ins Auto installiert, hätten wir eventuell einen tollen Video-Kanal unter dem Titel „Gespräche mit Else“ (und nein, meine Mutter heißt nicht Else) betreiben können.

Über ein Jahr nach der Trennung – also meiner vom Kindesvater sitzen die deutschen und französischen Großeltern des midi-monieurs erstmals an einem Tisch zusammen.

Ich hatte beim midi-monsieur-Abholen kurzfistig das dringende Bedürfnis, den Kindesvater zu umarmen. (Habe es aber nicht gemacht.)

Über „meine“ Brücke zu fahren, war nach über zwei Jahren schon komisch. Mit der Brücke verbinde ich – ähnlich wie mit dem ersten Blick auf die Frankfurter Skyline von der Wetterau aus – ein ziemlich intensives Coming-Home-Gefühl.

Wenn ich doch jemals in die Bretagne ziehen sollte – und gerade fühlt es sich mal wieder stark danach an – würde ich mich sicherlich in der Nähe von Vannes niederlassen.

Man muss es den Franzosen lassen, aber Brücken können sie. Und ich liebe Brücken.

5 Tage netto sind einfach (zu) wenig. Vielleicht bekäme ich meine Sehnsucht besser in den Griff, wenn ich mal wirklich länger da bin. So mindestens 4 Wochen in einem tollen – gerne freistehendem – Haus. Und Freunde und Familie kommen in wechselnder Besatzung dazu.

Man muss sich in Frankreich echt bemühen, um schlecht zu essen. Wir haben es zumindest nicht geschafft – „obwohl“ wir jeden Abend außer Haus gegessen haben.

Apropos Essen: Galette gehen immer. Und Crêpes auch.

Mein Französisch ist doch nicht so eingerostet wie befürchtet.

Wer noch einmal über mangelnden Platz im ICE jammert, der fahre bitte mal TGV im unteren Teil. Es ist eng. Es gibt Stufen. Das Dach ist tief. Man fühlt sich wirklich wie eine Sardine in der Dose. Oben ist es etwas besser, aber Frankfurt-Paris doch lieber im ICE.

Erstaunlich, was die Bretagne so für Farben kann. Diese Blautöne des Himmels sind der Wahnsinn. (Oder ist auf der anderen Seite der Grenze der Himmel blauer?)

Das Board-Navi hatte sich für den Rückweg überlegt, uns noch eine kleine Sight-Seeing-Tour zu bieten. Mein Vater sah zum ersten Mal den Eiffel-Turm, den Arc de Triomphe und konnte auch einen Blick auf Sacre Coeur erhaschen, als wir quer durchs Montmatre mussten.

Und ich habe nun aufgrund dieser Wegeführung den „Goldenden Permis* am Band“: Ich musste den Kreisverkehr um den Arc de Triomphe nehmen. Und ich habe es unfallfrei und ohne Extrarunde geschafft.

Meine Eltern waren mir sehr dankbar für meine Sprachdienste, Reiseorganisation und letzlich auch die Fahrerei.
Und ich bin sehr dankbar, dass ich mit meinen Eltern noch eine so schöne Zeit zusammen haben konnte. Mein Papa wird immerhin nächstes Jahr 70 Jahre alt und baut v.a. körperlich deutlich ab.

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* Permis = Führerschein

Back to France – Passwort

Der andere heutige Blogpost ist nur bedingt durch ein Passwort geschützt. Also eigentlich wollte ich Euch damit schützen, damit Ihr nicht sofort und unmittelbar Fotos angucken müsst, die vielleicht (v)erschrecken. Für alle, die trotzdem interessiert sind, gibt es ein klitzekleines Rätsel:

Das gesuchte Passwort ist das bretonische Wort für Bretagne (allerdings komplett in Minuskeln). Wer die Suchmaschine befragt, sollte beim zweiten Link fündig werden. Wer nicht drauf kommt, hinterlasse bitte einfach einen Kommentar.

Back to France – Tag 6

Das Wetter beim Aufstehen war wie meine Stimmung.

Es regnete aus allen Richtungen. Irgendwas angucken fiel damit aus. Und so gingen wir einkaufen; ich brauchte noch ein paar lebenswichtige bretonische Lebensmittel:IMG_6228_w

  • Crêpes
  • Blé de Sarrasin
  • Gros Sel und Fleur de Sel
  • Pâté Hénaff
  • Kouign Amann
  • Gésiers
  • Quatre-Quarts
  • Salsifis

Und fast wäre es heute nur bei dem Haul-Bild geblieben. Denn auch nach dem Einkauf regnete es munter von oben, von unten, von rechts und von links. Es sah sehr danach aus, als würde es sich einregnen.

Da allerdings klar war, dass im Koffer kein Platz mehr für all die leckeren Dinge sein würde, beschloss ich kurzerhand, diese per Post zu verschicken, zumal ich ja auch noch eine Erdbeerpflanze innerhalb Frankreichs verschicken musste (btw: Eine Erdbeerpflanze ist noch zu haben, die anderen drei kontaktiere ich, wenn ich wieder da bin) und ich außerdem nicht sah, wie ich ab Paris neben zwei großen Koffern (der vom midi-monsieur und meiner) und einem Rucksack noch irgendwelches anderes Gepäck händeln könnte.

Die Wartezeit darauf, dass die Post wieder öffnete, vertrieb ich u.a. damit, dass ich herausfand, dass heute doch noch der Himmel aufreißen sollte. Also fuhren wir allesamt ins nächste Städtchen. Ich erledigte die Postsachen – Leerpaket holen, mitgenommenen Sachen einpacken, wiegen, ein paar Sachen rausnehmen, viiieeel Geld für den Versand zahlen (etwa der Gegenwert des Inhalts, wenn nicht darüber) -, verlor mehrmals meine Eltern, die getrennt umherirrtengingen, sammelte sie dann doch ein, fuhr mit ihnen noch ein letztes Mal an den Atlantik. Auch heute war Grande Marée und wir waren kurz vor Marée haute am Wasser – achachach, das ist schon toll, so ein voller und bewegter Atlantik. (Klick aus erste Bild für die Diashow)

Zurück an der Ferienwohnung waren wir pünktlich zum Rest des Sonnenuntergangs und ich zog los, um dem Golf du Morbihan „au revoir“ zu sagen.
(Klick aus erste Bild für die Diashow)

Danach waren wir ein letztes Mal für diesen Urlaub Galettes essen.

Gleich werde ich noch den Koffer packen und zeitig schlafen gehen. Morgen wollen müssen wir um 7h00 los, damit wir den midi-monsieur ohne Stress einsammeln und nach Paris düsen können.

Ich hoffe, dass der große Frankreich-/ Bretagne-Blues erst im Zug oder am Samstag kommt …

Back to France – Tag 5

So viel Glück mit dem Wetter und das Ende Oktober in der Bretagne ist schon fast unverschämt. Aber wir wollen nicht meckern und nutzen es, wie es sich uns präsentiert – ändern können wir es ja eh nicht.

Und so fuhren wir heute bei bestem Wetter Richtung Vannes, um ein bisschen Städte-Sightseeing zu betreiben. An der Porte St. Vincent trennte ich mich von meinen Eltern und zog alleine durch die Stadt. Nach den letzten Tagen voller Flashbacks befürchtete ich auch hier einen. Aber meine Erinnerungen sind nach über acht Jahren irgendwie diffus (genug), sodass ich die Stadt releativ unbefangen besichtigen konnte. (Ich werde zu Hause aber trotzdem mal die Bilder von damals suchen.)

Meine Eltern erkundeten das kleine Städtchen wohl auch getrennt, denn später traf ich zuerst meine Mutter auf der Stadtmauer und danach meinen Vater am Hafen.
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Kurz drauf waren wir wieder vereint und beschlossen, das immer noch gute Wetter zu nutzen, um ein bisschen am Golfe du Morbihan zu gucken.
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Auf dem Weg zurück schauerte es kurz und so fuhren wir nach Hause, um Tee zu trinken und endlich den Far Breton zu essen, den uns unsere nette Vermieterin zur Begrüßung gemacht hatte.

Meine Eltern machten noch einen Spaziergang. Aber man kann sie langsam nicht mehr alleine lassen: Meine Mutter legte sich lang und hatte sich wohl ziemlich weh getan (sodass ich sie später mit Pflaster versorgen musste). Zudem kamen sie nass bis auf die Haut wieder, denn als sie am weitesten vom Haus entfernt waren, schauerte es noch einmal kräftig (jaja, der Vollmond). Ich kümmerte mich derweil um ein Restaurant, in dem wir dann später wirklich gut aßen – Meeressauerkraut, Rochenflügel und Riesen-Crêpes.

Back to France – Tag 4

Heute hätte es fast gehießen: „Heute habe ich leider kein Foto für Euch.“

Denn als wir losfuhren, regnete es und während wir so fuhren, regnete es noch mehr. Wir sahen zwischendurch vieeeel Gegend. Mit Regen. Dabei war das Ziel eigentlich: Meinen Eltern ein bisschen das Grande Brière, Guerande und die Cote Sauvage bei Croisic zu zeigen.

Nach über einer Stunde Gurkerei durch Gegend mit Regen fuhren wir bei Arzal über die Vilaine und es regnete immer noch. Aber daaa ganz hinten schien es heller zu sein. Ich befragte das Handy, wie die Wetteraussichten in Corisic denn wirklich seien – so direkt am Meer ist es ja oft anders als zehn Kilometer weiter ins Landesinnere. Und siehe da: Dort sollte es sonnig mit einzelnen Schauern sein. Da das besser war als das, was wir in dem Moment gerade hatten, ließen wir es darauf ankommen.

Wir legten einen kleinen Zwischenstopp in Guerande ein, aber dort regnete es auch, sodass wir nur eine kleine Runde durch das durchaus pitoreske Städtchen drehten.
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Quer durch die Marais ging es dann weiter ans Meer. Dort war es zwar ziemlich stürmisch, aber es regnete nicht und so konnten wir am Meer picknicken und den hochpeitschenden Wellen zugucken.
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Das pustete den Kopf mal wieder so frei, dass mich wieder diese Sehnsucht packte und ich zu meinen Eltern sagte: „Ich wandere in die Bretagne aus.“

Auf den Rückweg schlenderten wir durch Croisic selbst, denn auf einmal kam – tadaaa – die Sonne raus. Ich vermutete ja bereits am „Strand“, dass gerade – dem Vollmond sei dank – grande marée sei, was sich am überlaufenden Hafenbecken bestätigte.
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Und auf dem Weg nach Hause dann fuhren wir zur goldenen Stunde und bei Sonnenuntergang durch die Marais und das Grande Brière (wo schon der Nebel aufzog, wovon es leider kein Foto gibt) zurück.
(Klick aufs erste Bild für Diashow.)

Auch mit den heutigen Orten verbinde ich vieles. Und ich spüre, was für eine starker Sehnsuchtsort die Bretagne wohl immer für mich sein wird. Allerdings weiß ich nicht, ob ich hier glücklich werden könnte.

Back to France – Tag 3

Nachdem der gestrige Tag so haachz war, weil ich nur Neues gesehen habe, war heute so ein Wehmuts-Tag. Es war auch wunderschön, aber weil wir heute an Orten waren, die ich schon einmal gesehen hatte, lösten sie bei mir halt nicht (nur) haachz aus, sondern halt auch das ein oder andere runtergeschluckte Tränchen (im Knopfloch).

Mein Papa, der zu viel Asterix und Obelix gesehen hatte, wollte un-be-dingt Hinkelsteine (aka Megalithen) sehen. Und er hatte sich zwar nicht viel auf die Reise vorbereitet, aber dass diese in Carnac – von uns aus auf der „anderen“ Seite vom Golfe de Morbihan – zu finden seien, hatte er sich angelesen. Und da wollte er heute hin. Das Wetter war zwar nicht so perfekt wie gestern, aber es war sonnig und angenehm. Ideal, um am Rande von Carnac durch die Steine zu wandern.
(Klick auf erstes Bild startet die Diashow.)

Da bin ich vor – ziemlich genau – 97 Monaten zum ersten Mal gewesen. Es war gewissermaßen die zweite Hälfte des zweite Dates mit dem Vater meines Kindes. Und ich habe damals keine Bilder gemacht. Und auch sonst hatte ich kaum eine bzw. eine irgendwie andere Erinnerung von dem Ort. Aber ich triefte damals auch vor Hormonen und war auch sonst nur semi-zurechnungsfähig, weil die Nacht davor nur wenig Schlaf bot.

Von Carnac kommt man ziemlich schnell auf die Presqu’ile de (Halbinsel) Quiberon. Und weil das Wetter immer noch ok war, fuhren wir an die Südspitze der Insel. Also zunächst nach Quiberon selbst, wo die bekennende Tee-Trinker-Familie einen Salon de Thé fanden, der uns Darjeeling im Kännchen bot und wir danach gestärkt ein Kurz-Thalasso-Therapie genossen (aka. Spaziergang am Meer).
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Auf dem Rückweg hielten wir kurz an der Südspitze. Wäre es nicht schon spät und mein Vater nicht einseitig ohne Schuh und auch sonst nicht in einem sehr unrepräsentablen Zustand gewesen, dann hätten wir sicherlich mal geguckt. So konnte ich wenigstens ein Foto machen, dass ich von 97 Monaten auch nicht gemacht hatte:

IMG_5870_wHier fand die erste Hälfte des zweiten Dates mit dem Kindesvater statt. Hier bin ich damals nackt in die kalten Fluten gesprungen – nur ich – der Franzose schwimmt ja nur im Neoprenanzug.

Dann ging es zurück. Aufgrund des Zustandes meines Vaters konnten wir nicht wie geplant in Vannes am Hafen essen gehen, sondern mussten erstmal nach Hause, damit er sich wieder herrichten konnte. Das bedeutete aber auch, dass wir in der Nähe unseres Dorfes essen müssten. Fast hätten wir auch verhungern müssen, denn Montags haben viele Restaurants einfach zu. Aber Galettes gehen immer (O-Ton meine Mutter) und auf Moules-Frites habe ich mich schon seit Tagen gefreut.

2015-10-26 20.29.40_w(Kein Moules-Frites-Bild – ich war zu hungrig.)

Back to France – Tag 2

Heute war ein Haaaachz-Tag: Ausschlafen, Frühstück mit Baguette und Salzbutter und KEIN ein-zi-ges Wölkchem am Himmel. Und so lud uns blauer Himmel pur dazu ein, ein Runde über die Presqu’ile de Rhuys zu drehen – zumindest über die eine Hälfte. Erst entlang der Golfe-Küste über den Cäsar-Hügel nach Port Navalo und zurück dann mit einem kurzen Abstecher zum Hügelgrab am Petit-Mont zum Sonnenuntergang-Gucken mit Abschluss in einer wirklich guten Creperie in Saint-Gildas-de-Rhuys.

Fazit des Tages:

Und damit ihr auch haaachzen könnt, hier ein „paar“ Bilder (kommen gleich, aber der Post muss erstmal raus. Die Wette, Ihr wisst schon.) Klick aufs erste Bild macht die Diashow größer

Back to France – Tag 1

Ein langer und anstregender Tag geht zu Ende. Aber auch ein schöner Tag, wenn man von der kleinen dramatischen Spitze in Paris absieht.

Sinnigerweise hatte ich noch gestern Abend das Taxi bestellt und so waren wir sehr rechtzeitig am Bahnhof. Meine Eltern hatten ihre Kühlschrankreste mitgebracht, sodass wir nur noch Brötchen und einen Kaffee für meinen Vater brauchten. Dafür blieb genug Zeit. Auch für das familiäre TGV-Ballett:

Da man zwar sein Ticket für Frankfurt-Paris online buchen, aber keine Plätze aussuchen kann, wenn die Strecke vom TGV absolviert wird und wir zudem die drei Tickets getrennt buchen mussten, hatten wir eigentlich Sitzplätze in Wagen 15, 16 und 18. Ich hatte frecherschlauerweise meinem Ticket ein Kind unter 6 Jahren zugefügt, sodass ich wenigstens zwei Sitzplätze nebeinander hatte. Also stürmten wir den unteren Teil des Wagen 15. Und während sich meine Eltern an einer 4er-Gruppe mit Tisch häuslich einrichteten, besorgte ich noch die fehlenden Dinge. Wieder zurück stellte ich fest, dass eigentlich alle Plätze des Tisches ab Frankfurt reserviert waren und dass das eher ungünstig sei. Wir zogen zum nächsten Tisch. Allerdings wurden kurz vor knapp zwei der vier Plätze von den rechtmäßigen Sitzplatzbesitzerinnen eingefordert. Wir zogen also wieder um. Eine letzte Tischgruppe war bis auf einen Platz unreserviert (fragt nicht, warum wir die nicht vorher gesehen haben) und wurde von uns – ohne weitere Zwischenfälle – eingenommen. Der Zug fuhr los. Meine Eltern frühstückten und ich schlief bis Saarbrücken.

Am Pariser Gare de l’Est bahnte ich uns den Weg nach draußen in Richtung Autovermietung. Bis sie auf einmal nicht mehr ausgeschildert waren. Ich fragte mich durch und wir standen vor eine Tiefgarageneinfahrt, die man zu Fuß nicht betreten durfte. Aber da ich keinen anderen Weg sah, schlupfte ich zwischen den Schranken und den Ticket-Automaten durch, um zu erfahren, dass der Schalter unserer Auto-Vermietung heute ausnahmsweise nicht besetzt sei, der nächste aber in der Nebenstraße sei. Nun gut. Wir schnappten uns Sack und Pack und liefen 200 Meter ums Eck. Dort wartete eine sehr interessante Diskussion auf Französich auf mich:

Bonjour, ich habe einen Wagen reserviert. Eigentlich für die Station im Bahnhof.
Name?
Name.
Kreditkarte, Perso und Führerschein bitte.
*reiche alles an*
*tipptipptipp murmelmurmelmurmel*
Äh, ich muss mal gerade gucken. *geht zur Kollegin*
*flüstert mit Kollegin* Der Wagen XYZ ist nicht da. Was mache ich jetzt?! – Einen kleineren geben. – Aber die Reservierung ist für sechs Tage. *geht raus*
Alors, wir haben einen Wagen.
*denke* Na, zum Glück, sonst würdet ihr auch bald eine leicht hungrige und etwas müde Teutonin kennenlernen.
*tippt meine Daten in den Computer*
Das dauert aber lange, denke ich womöglich doch laut.
Entschuldigung, ich habe Probleme mit dem Computer.
*denke* (diesmal wirklich leise) Naja, der größte Fehler sitzt ja meistens davor.
*telefoniert mit meiner Kreditkarte in der Hand* Hallo … blablabla … XYZ Euro … aha … ok
Ihre Karte ist nicht gedeckt.
Das kann nicht sein. Für wieviel muss sie denn gedeckt sein?
Miete plus 300 Prozent.
*kurzer Überschlag im Kopf* Das gibt meine Kreditkarte her. Das sind ABC Euro.
Nein, das ist nicht so viel. Ich rechne es Ihnen vor. *nimmt den Taschenrechner und tippt DEF x 1,03* Also XYZ Euro.
Prozentrechnung ist nun wirklich nicht jedermanns Sache, denke ich nur und spreche es höflicherweise nicht aus.
Das gibt meine Kreditkarte auf jeden Fall her. Probieren Sie es bitte noch einmal.
*ruft an* Hallo … blablabla … XYZ Euro … aha … ok
Ihre Karte ist nicht gedeckt.
Und nun?
Rufen Sie doch bei Ihrer Bank an und erklären Sie das Problem.
Haha, Sie sind lustig. Es ist Samstag und samstags sind Banken in Deutschland für gewöhlich nicht offen.
Ja, das ist wahr, das ist bei uns anders.
Sein süffisanter Unterton lässt mich fast laut aussprechen, was ich denke: Banken am Samstag machen auch nicht viel aus, wenn die restlichen fünf Tage nichts passiert. (Ich weiß, dass das gemein ist und beiße mir auf die Zunge.) *spiele mit der Karte in meiner Hand und sehe eine Telefonnummer, die ich kurzerhand anrufe* Hallo, meine Visa-Karte ist angeblich nicht gedeckt. – Zugangsdaten für Ihr Konto bitte. (erstaunlich, was man alles so parat hat) – Blablabla. – Stimmt. Nein, ihr Konto ist in Ordnung. Ich rufe bei Visa an. – *Warteschleifenmusik* – *Warteschleifenmusik* – *Warteschleifenmusik* – Hallo?! Mit Ihrer Karte ist alles in Ordnung. Es wurde bei den beiden Abfragen jeweils das falsch Gültigkeitsdatum der Karte genannt. Sagen Sie, dass 8/18 bedeutet, dass die Karte bis zum 31. August 2018 gültig ist. – Danke.
Einmal mit Profis arbeiten *denke ich und wende mich triumphierend dem Typ zu*
Es war wohl doch Ihr Fehler, rutscht es mir sehr undiplomatisch raus.
*versucht es nach meinen Erklärungen erneut* Hallo … blablabla … XYZ Euro … aha … ok
Jetzt hat es geklappt. Sie haben Glück: Sie bekommen auch einen besseren Wagen, als den eigentlichen gebuchten. Einen Wolgsfagen.
Wenn ich nicht VW gelesen hätte, hätte ich kurz gerätselt. Naja, ob VW derzeit wirklich eine Verbesserung ist, ist ja auch nicht ganz klar, kann ich mir dann doch nicht verkneifen, bedanke mich aber dann artig.

Denn es ist schon gut, wir nun einen Passat Kombi (mit allem Zipp und Zapp) haben. So haben wir wiklich ausreichend Platz für unser Gepäck und auf der Rückfahrt auch für den midi-monsieur.

Wir laden schnell ein. Ich programmiere das Board-Navi, das aber erstmal nur Englisch mit mir spricht, was mich im Pariser Stadtverkehr dann doch etwas wuschig macht. Also programmiere ich noch meine Offline-Navi-App und wir werden simultan durch die Stadt gelotst. Der Rest der Fahrt läuft gut bis entspannt (dank Tempomat und Geschwindigkeitsbeschränkung). Wir machen eine Rast an dem Rastplatz, an dem ich in den letzten Jahre fast immer die erste Pause nach Paris machte.

Wie kalkuliert kamen wir 18h00 an. Wir luden schnell aus und dann fuhr ich alleine einkaufen, damit wir wenigstens das Nötigste fürs Frühstück hätten, reservierte uns noch schnell einen Platz im einzigen fußläufig erreichbaren Restaurant und dann überkam mich kurz der Blues…

Karl, mei Drobbe, was ee Taach

Heute habe ich nicht ganz schlau bis 2h15 „Call the Midwife“ geguckt, dabei klingelte um 7h00 der Wecker, weil ich um 9h30 (spätestens) in Wiesbaden sein musste und vorher noch was ausdrucken wollte. Ich bin dann auch pünktlich um 7h50 aufgestanden und war recht flott mit Duschen und Fertigmachen, sodass ich um 8h35 im Auto saß. Allerdings sind Herbstferien und Herbstferien sind Straßenbauzeiten, so war die erste große Kreuzung nicht mehr zwei-, sondern nur noch einspurig und der Rückstau bis kurz vor meine Haustür. Um 8h45 befand ich noch immer auf Frankfurter Stadtgebiet. Doch dann lief es recht flüssig und ich war um 9h20 beim Auftraggeber. Um 10h00 kam der Kunde dazu und wir workshopten sehr effektiv und produktiv, doch das änderte nichts daran, dass ich um 13h00 los musste zu einem Vorstellungsgespräch, das erfreulicherweise in Wiesbaden stattfand. Die Gurkerei durch die Landshauptstadt war recht nervig. Also eine Stadt der kurzen Wege ist Wiesbaden nicht. Aber ich war pünktlich und hatte ein sehr gutes Gespräch. Wir waren uns ziemlich einig, dass eine freiberufliche Zusammenarbeit sicherlich deutlich attraktiver für beide Seiten sei und so bin ich mal gespannt, wann der erste Auftrag bei mir ankommt. Danach quatschte ich noch kurz mit der Exkollegin, die nun dort arbeitet, musste dann aber wieder los, damit ich noch den Vormittagstermin fortsetzen konnte bzw. mit dort die Unterlagen holen konnte, die ich bei meiner „Flucht“ aus dem Termin nicht einfach mitnehmen konnte. Um 16h00 machte ich mich dann endlich wieder auf gen Frankfurt, wo ich aber erst um 17h30 ankam, weil das komplette Rhein-Main-Gebiet gestaut war. Zu Hause warteten dann schon meine Eltern, die glücklicherweise von der Mitbewohnerin einen Schlüssel bekam, mit Tee. Dazu gab es dann die mitgebrachte Original schweizer Rüblitorte sowie Luxemburgerli, denen ich vermutlich nie etwas abgewinnen werden. Ich hielt eine halbe Stunde inne, machte mich dann aber dran, meinen Koffer zu packen. Während ich packte und mit meinen Eltern besprach, was wir zu Abend essen wollen, fiel mir auf, dass ich doch noch mal zu Drogeriemarkt hirschen muss. Ich ging in dorthin, meine Eltern schon mal zum Restaurant, wohin ich dann nachkam und endlich (!) was zu essen bekam (nach einer Scheibe Brot, einem Brötchen, zwei Babybel, einem Keks und einem Stück Schokolade).

Jetzt durchschnaufen, früh schlafen (haha, ich muss ja noch eine Folge „Call the Midwife“ gucken) und ab morgen dann hier in der Frankreich-Edition.