Kleine Kinder, kleine Sorgen

.. größere Kinder, größere Sorgen.

Danach schaut es gerade sehr aus. Dabei läuft – objektiv betrachtet – alles gar nicht so schlecht. Der midi-monsieur drängt immer mehr in die Selbstständigkeit. Seit zwei Wochen geht er nun schon allein zu Schule und die letzten zwei Tage wollte er allein vom Hort nach Hause kommen. Und das klappt prima. Ich mache mit nur noch ganz wenige Sorgen.

Auch die Schule scheint nicht so dramatisch zu sein, zumindest was den Anspruch anbelangt – wenn man mal von dieses blöden Ausmalbildchen absieht. Die Hausaufgaben, die er im Hort erledigt, sehen gut aus. Und auch Hausaufgaben, die er mit mir macht, gehen ihm recht leicht von der Hand.

Und doch bahnte sich seit Tagen eine Krise an, die sich am Freitag mit aller Gewalt – leider auch wortwörtlich – entlud.

Ich hatte gehofft und es hatte auch den Anschein, dass die zwei Wochen vor den Ferien im Hort geholfen hätten, dass er sich dort wohl fühlt. Er ging immer gerne hin, freute sich drauf. Auch in den letzten Tagen, als die Abneigung zur Schule schon deutlich artikuliert wurde, hieß es immer, dass der Hort toll sei.

Als ich jedoch gestern im Hort anrief, um zu sagen, dass sie ihn schicken sollten, erzählte mir seine Erzieherin, dass der midi-monsieur ein anderes Hortkind gegen die Brust getreten habe. Öhäm… Mal abgesehen davon, dass das gar nicht geht, kenne ich mein Kind gut genug, dass ich weiß, dass ein solches Agieren nur passiert, wenn er hilflos überfordert ist.

Er war noch total in Rage, als er zu Hause ankam: Alles war Kacka-Scheiße. Schule sowieso. Hort nun auch. Er fühlte sich ungerecht behandelt. Und die Erzieher waren auch alle doof.

Es entlud sich alles. Er schimpfte und schmipfte. Und sprach dann irgendwann unter Tränen aus, wo der Schuh eigentlich drückt: Ihm ist das alles zu viel. Das neue Wissen, das nun in seinem Kopf sei, würde ihn ganz wuschig machen. Aber Buchstaben hätte er immer noch nicht gelernt. Im Hort wäre ihm das auch alles zu viel mit den ganzen neuen Kindern, er habe keinen Freund*. *schluck*

Er ließ sich in den Arm nehmen und weinte und schimpfte. Ich fühlte, dass er ruhiger wurde.

Doch dann schlug es um und ich schluckte hilflos: „Mama, ich bin schlecht. Ich bin nichts. Ich kann nichts. Ich mag mich nicht. Am besten wäre, wenn ich tot bin. Mama, ich will sterben.“

Es ist nicht das erste Mal, dass er so etwas Ähnliches äußert. Und es beunruhigt mich. Sehr! Und ich denke nicht, dass ich das weiter beobachten sollte, sondern dass ich mir bzw. uns Hilfe suchen muss.

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* Die Hort-Situation ist in der Tat etwas blöd: Denn außer ihm ist nur ein anderes Kind aus dem alten Kindergarten in die neue Einrichtung gewechselt und das war ausgerechnet der Junge, wegen dem er ja schon aus Frankfurt wegziehen wollte. Die anderen Kinder in seinem Alter waren größtenteils schon vorher in der Einrichtung und kennen sich untereinander.

Ein Gedanke zu „Kleine Kinder, kleine Sorgen

  1. Gerade erst gelesen.
    Ich denke, dass das mit der Hilfe die beste Idee ist.

    Da scheint zu viel in ihm zu arbeiten.
    Und bevor es ihn zerlegt, wäre es wirklich gut, wenn ihn jemand beim Bewältigen an die Hand nimmt.

    Drücker!!

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