Ghostbuster

Gestern saßen der midi-monsieur, die mitbewohnende Freundin und ich nach dem schönen Ausflug am Tisch beim Essen – auf Wunsch des Kindes gab es Brathähnchen und Möhren und auf meinen Wunsch hin dazu Reis und Erbsen.

Der midi-monsieur saß an seinem angestammten Platz. Und als wir gerade anfangen wollten zu essen, ertönte ein merkwürdiges Geräusch. Es rauschte und zischte. Aber irgendwie leise und nicht aus der unmittelbaren Umgebung. Ich hatte die Wand hinter dem midi-monsieur in Verdacht, denn immerhin verlaufen dort die Wasserleitungen von den Badezimmerarmaturen. Die Freundin verdächtigte die Wasserflasche und das Kind den Reistopf, denn schließlich ist Reis ja des Teufels und er wollte ja keinen und überhaupt. Das Geräusch verschwand.

Wir begannen zu essen. Der midi-monsieur zu reden. Da kam das Geräusch wieder. Komisch. Es war nicht zu verorten und ich sah dem midi-monsieur an, dass er es sehr komisch fand. Er guckte sich um und vergaß ganz, in sein sein Hähnchenbein zu beißen. Das Geräusch verschwand.

Wir guckten uns an und dann fing die Freundin an, von komischen Geräuschen in Berlin zu erzählen. Das Kind stieg mit ein und überlegte sich zusammen mit ihr, woher das Geräusch wohl damals in Berlin gekommen sei. Und weil das wohl noch nicht unheimlich genug war, packte sie noch eine Geschichte aus Südamerika aus. Sie schmückte es etwas aus. Und das Kind guckte sich um. Ich sah ihm an, dass ihm nicht wohl war. Gar nicht wohl. Er aß nichts. Er rutschte immer näher an meinen Platz auf der Kopfseite des Tisches heran. Und noch näher. Ob er den Platz mit mir tauschen wolle, fragte ich ihn. Er nickte dankbar. Aber danach überspielte er seine Angst noch ganz gut und spann die Geschichte weiter. Sprach von Monstern in Höhlen, die mit dem Geräusch Menschen anlockten – oder halt wahnsinnig machten. Doch dann kam das Geräusch wieder.

Ich stand auf und wollte ins Bad und nach den Wasserhähnen schauen. Womöglich nicht ganz zu. Oder auf heiß gestellt. Die Warmwasser-Versorgung im Haus ist etwas eigenwillig. Dem midi-monsieur war mittlerweile ziemlich gruselig und er wollte nicht allein am Tisch bleiben. Er folgte mir. Wir ließen etwas Wasser laufen, drehten auf kalt, gingen wieder zurück an den Tisch und aßen tatsächlich ein bisschen. Dem midi-monsieur war es allerdings jetzt so unheimlich, dass er auf meinem Schoß saß. Ich konnte spüren, wie sehr ihm das Herz mittlerweile in die Hose gerutscht war.

Das Geräusch kam nicht noch einmal wieder. Aber das beruhigte ihn nicht. Der Grusel saß ihm im Nacken. Er wollte nicht allein ins Bad und auch nicht allein den Pyjama holen. Also war klar, dass allein schlafen schon mal gar nicht ging und er war sehrsehr dankbar, als ich ihm anbot, die Nacht in meinem Bett schlafen zu dürfen und auch solange bei ihm zu bleiben, bis er eingeschlafen war.

Heute war das Geräusch nicht noch einmal zu hören. (Und ich hoffe, dass ich das Bett für mich haben werde.)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s