Fehlforderung

Dass der midi-monsieur von dieser Schulsache nicht so 10075-prozentig überzeugt ist, erwähnte ich ja schon. Problem Nr. 1 war für ihn ja vor Schulbeginn das frühe Aufstehen. Nun, das klappt bislang erstaunlich gut. Dafür wird jetzt das Prinzip an sich infrage gestellt: Es scheint, als habe er gehofft, dass das Wissen so in ihn reindiffundiert. Ohne sein Zutun. Und vor allen Dingen ohne Hausaufgaben.

Prinzipiell macht er die Hausaufgaben Montag bis Donnerstag im Hort. Ich gucke sie abends an und gut. Nur die Wochenend-Hausaufgaben muss er zu Hause machen. Am vergangenen Wochenenede sollte er einem Igel Stachel malen und ihn auch ausmalen. Das Laub unterm Igel auszumalen sei freiwillig. Wir kämpften uns am Sonntag durch die Aufgabe.

Er huddelte sich so durch und ich gab ihm Hilfestellung zur Verbesserung. Die er nur schwerlich annehmen wollte. Also ließ ich ihn eine in meine Augen halbfertige Aufgabe in den Ranzen stecken mit dem Hinweis, dass ich nicht glaubte, dass es so in Ordnung sei.

Prompt sah ich am Montag, dass er das Igel-Bild im Hort nachgebesserte hatte (weil er musste) zusätzlich zur Montagsaufgabe: ein Eulen-Mandala ausmalen. Ich fragte ihn zu beiden Bildern, ob sie so fertig ausgemalt wären, was er bestätigte.

Dienstag hatte ich eine Nachricht der Lehrerin (im Mitteilungsheft): Das Igel-Bild sei immer noch nicht vollständig. 😮 Im Hort hatte er es nicht erledigt. Also lag nach einem langen Tag in Schule und Hort das Igel-Bild wieder auf unserem Tisch. Und das Eulen-Bild vom Vortag auch. Beim Igel musste doch das Laub ausgemalt werden und bei den Eulen der Hintergrund.

wpid-2015-09-17-22.37.10.jpg.jpegEr fing mit den Eulen an, steigerte sich aber Strich für Strich in seinen Ärger über die Hausaufgaben bzw. die Schule im allgemeinem rein.

Und ganz ehrlich: Was für eine beknackte Aufgabe! Das Bild sah ohne bunten Hintergrund viel besser aus. Und weil ich die Aufgabe so unsinnig fand und sah, wie sich mein Kind quälte, zudem ja noch das Igel-Bild wartete, half ich ihm beim Ausmalen der Flächen.

Trotzdem schimpfte er dabei immer weiter. So sehr, dass ich für das Igel-Bild, das ich ja schon selbst nicht mehr sehen konnte, zu gänzlich unpädagogischen Mitteln griff:

Ich versprach ihm also eine Packung Yu-Gi-Oh-Karten, wenn er das blöde Laub ohne Meckern ausmalt. Es half.

Ich fürchtete kurz, dass ich das sehr bereuen würde. Aber ich weiß einfach, wie blöd er Ausmalen findet. Das fand er noch nie toll. Wie Malen im Allgemeinen. Außerdem war für den Rest der Woche Ruhe. Nein, er hat seine Liebe zu Hausaufgaben nicht entdeckt, aber er musste nicht mehr unsinnig* großflächig ausmalen. Ich konnte ihm ansehen, dass er die Silbenübungen und das Tierezählen (und vorheriges Ausmalen) deutlich interessanter fand.

Ich fürchte ja, dass es spannend bleibt.

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* Ja, ich weiß: Das ist wichtig für die Stifthaltung und sich an Stiftführung zu gewöhnen. Aber vermutlich würde der midi-monsieur lieber 5 Blätter Schwungübungen machen als ein Blatt ausmalen.

Ein Gedanke zu „Fehlforderung

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