Verbockt

Es gibt ja so Momente, da beißt man sich im Nachhinein einfach nur in den Hintern. Vor allem, wenn man dann noch vorher so einen Gedanken hatte.

Heute hat meine liebste und langjährigste Freundin und Patentante im Geiste des midi-monsieurs ziemlich spontan dann doch endlich mal den Vater ihrer Tochter geheiratet. Deswegen konnte sie ja leider nicht zur Einschulung kommen. Und ich konnte deswegen, also weil der midi-monsieur nun eingeschult ist und als Schulkind nicht einfach Freitagvormittag um 11 Uhr in Bielefeld sein kann, auch nicht bei der Hochzeit dabei sein.

Dafür kam mir die Idee, dass ich ihr was schicken könnte – VOR der Hochzeit – das sie begleiten könnte. Und was braucht eine Braut?! Was Neues, was Altes, was Blaues und was Geliehenes. Für die ersten beiden Dinge fühlte ich mich nicht verantwortlich. Ob ich noch was Blaues aka Strumpfband noch schnell besorge?! Aber es ist ja „nur“ die standesamtliche Hochzeit und ich ging davon aus, dass sie kein Kleid tragen wollte, unter das ein Strumpfband passt. Also was Geliehenes. Ich überlegte und dann fiel mir mein Hochzeitsschmuck ein: eine Kette mit Armband und passenden Ohrringen.

Ja, man könnte jetzt meinen, dass das unpassend sei, weil ich ja schon längst wieder geschieden bin. Aber zum einen kennen wir beide uns so lange und haben so viele Geschichten miteinander geteilt, dass sie das schon einordnen kann; zum anderen habe ich ja nichts gegen das Heiraten oder gegen die Ehe. Ich würde vermutlich auch noch einmal heiraten, wenn ich nicht so wunderlich wäre. Und das weiß sie ja auch.

Ich verschickte also das Familiensilber am Dienstag als ganz normalen Brief und hoffte, dass es pünktlich ankommen möge. Mittwoch kam keine Nachricht von ihr. Gestern versuchte ich sie anzurufen, konnte aber nur per Nachricht alles Gute für heute wünschen. Kein Wort über einen Brief. Tjaa, ich hätte es wohl doch nicht als Brief verschicken sollen (aber es war doch kein Streik und die letzten Briefe wohin auch immer waren immer schnell da). Ich fragte dann doch noch nach dem Brief, aber bekam keine Antwort.

Da ich wusste, dass ihr Tag heute ausgefüllt war, meldete ich mich erst spät und fragte nach, ob sie wirklich Ja gesagt hätten. Ja, die ganze kleine Familie hat jetzt einen gemeinsamen Namen vom Vater (Mutter und Kind haben also ihren gemeinsamen Nachnamen abgelegt). Und sie bestätigte mir auch, dass der Brief schon gestern angekommen sie, sie ihn aber nicht geöffnet hatte, weil sie dachte, dass der zur Hochzeit sei. Mist, Mist, Doppel-Mist.

Und ich dachte, wenn ich nur ihren Namen draufschreibe, dann versteht sie schon, dass es für sie sei (denn warum sollte ich nur ihr was zur Hochzeit schicken). Aber ich hatte sogar noch für einen kurzen Moment überlegt, ob ich extra draufschreiben sollte, dass sie es unbedingt VOR der Hochzeit öffnen müsse.

Tja, hätte, hätte, Fahrradkette.

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