Auf eigenen Beinen

Vor zwei Tagen also war es nun soweit: Der midi-monsieur wurde eingeschult. Er stand (und steht immer noch) dem Ganzen kritisch gegenüber: früh aufstehen, regelmäßig dahin, zuhören. Ich glaube nicht, dass er was gegen das Lernen an sich hat. Wenigstens war die Quintessenz am ersten Tag, dass die Lehrerin lustig sei.

Aber dahin mussten wir erstmal kommen. Es fing damit an, dass wir – der midi-monsieur, Opa, die aktive Freundin und ich – zur Kirche wanderten, um dort dem wirklich schön gestalteten ökumenischen Gottesdienst beizuwohnen.

IMG_5231_baVon dort ging die Prozession – jetzt mit midi-monsieur, Oma & Opa, aktiver Freundin, Papa und mir – dann Richtung Turnverein. Ja genau. Die Sporthalle der Grundschule ist nicht groß genug, um die rund 100 i-Dötzchen mit Eltern, Familien und Freunden zu fassen. Und so wurde auf die noch größere Turnhalle des Sportvereins zurückgegriffen. Auf dem Weg dorthin noch schnell ein Foto vom midi-monsieur und seiner langjährigsten Freundin.

IMG_5236_baDann gab es in der trotzdem aus allen Nähten platzenden Sporthalle eine kurzweilige Einschulungsfeier mit tollen Aufführungen der anderen Klassen der Grundschule. (Der Knieper-Alarm, der sich zwischendurch bei mir meldete, hatte wohl eher hormonelle, denn sentimentale Gründe.) Erfreulicherweise wurden die Kinder nicht dort einzeln aufgerufen und ihren Klassen zugeordnet. Stattdessen setzten wir die Prozession fort – ein Stück weiter zur Schule.

WegAn der Schule versammelten sich die Kinder dann klassenweise. Ich fand es sehr nett, dass die Lehrerin nicht nur die Kinder einzeln begrüßte sondern auch uns Eltern (sofern man sich zu erkennen gab).

IMG_5257_baDer midi-monsieur hat großes Glück: Er ist mit vielen ehemaligen Kindergarten-KollegInnen in einer Klasse – der Eulenklasse.

IMG_5263_baUnd dann ging es auch schon im halbwegs geordneten Pärchen-Gänsemarsch zur ersten Schulstunde.

IMG_5281_aFür die Entourage hatten die Eltern der höheren Klassen ein Kuchen-Buffett aufgebaut. Kaffee gab es auch und so vertraten wir uns die Beine und warteten.

Nach 45 Minuten waren sie wieder da. Der midi-monsieur hatte wirklich schlechte Laune: Alles war doof. Er wollte nicht mehr zum Hort. Er wollte SOFORT nach Hause. Und überhaupt müsste man diesen Schulsch*** nicht weiter verfolgen.

Naja, so ist er halt, wenn er unterzuckert und ausgehungert ist (keine Ahnung, von wem wer das hat). Dazu noch der Stress mit den vielen, vielen Menschen und das Gewusel. Da darf es einem auch mal zuviel werden. Zum Glück hatte der Papa ein Brötchen dabei und – oh Wunder – die Laune änderte sich mit jedem Bissen deutlich. Aber das ihm der Kopf von all den neuen Eindrücken immer noch summte, konnte ich sehen.

Trotzdem wollten wir am Hort vorbei. Ich hatte blöderweise den Punkt verpasst, dass sich alle Hortkinder nach der Schule treffen und zusammen zum Hort gehen. Und so durfte der midi-monsieur die feierliche Begrüßung ganz für sich allein genießen. Das war schon toll: Alle Hortkinder standen Spalier, applaudierten und riefen „hurra“. Eine Sonnenblume gab es auch fürs Kind. Doch, so ein Aufnahmeritual hat durchaus was. Das fand der midi-monsieur auch.

IMG_5298_baZumindest für zwei Minuten. Danach wollte er sofort nach Hause. Ich „nötigte“ ihn, wenigstens noch auf die anderen Kinder zu warten, was allerdings noch einmal gut zehn Minuten dauerte. Das strapazierte die Geduld schon sehr. Und kaum das sie da waren und die kleine Ansprache gehalten war, drängte das Kind zum Aufbruch. Also wanderten wir noch einmal 450 Meter.

Und dann plünderte der mini-monsieur seine Schultüte und sammelte dabei alles ordentlich auf einem Tablett, weil er ja später noch als erste Hausaufgabe den Inhalt seiner Schultüte malen sollte.

SchultüteDie Schultüte gab so einiges her: Regenschirm, Zwillenstift, Eulen-Radiergummis, ein kleines Kinder-Künstler-Kritzel-Buch, eine Lupe (vom Kiga), eine Stiftbox (auch vom Kiga), Tauch-Tiere, ein Benny-Blu-Buch über die BRD und eins über Bienen, etwas Süßkram und – tadaaaaaa – eine Kokosnuss.

KokosnussJa, genau, eine Kokosnuss. Eigentlich – so will es die Familientradition – hätte eine Melone reingemusst. Aber es gab keine schönen kleinen Melonen. Und nach einer kurze Überlegung alternativ einen Kürbis zu nehmen, brachte mich der midi-monsieur dann auf die Idee mit der Kokosnuss.

Und dann gab es endlich (!!!) Essen. Und weil ich mein Kind ja kenne und ich auch keine Lust drauf hatte, in irgendeinem total vollen Restaurant zwischen tausend anderen Familien zu hocken, gab es eine Grillade (wie die schweizer Freundin sagen würde).

Da meine Eltern irgendwann auch ihren Zug zurück erwischen wollten, gab es zum Nachtisch dann auch Kuchen.

Kuchen_1Auch wenn ich gerne backe, bin ich ja schon eine Minimalistin und habe mich deswegen auch immer um den großen Trend der Regenbogen-Torte gedrückt. Aber einmal im Leben darf muss man das wohl machen und wann, wenn nicht zur Einschulung.

Kuchen_2Danach waren auch wirklich alle satt. Das Schulkind wieder versöhnt mit der Welt. Oma und Opa fuhren. Die aktive Freundin fuhr. Nur noch der Papa blieb und mit dem und mit mir atmete der midi-monsieur dann auf dem Spielplatz durch.

2 Gedanken zu „Auf eigenen Beinen

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