Im Norden

Mal abgesehen von meiner eigenen Geschichte in und mit Hamburg, war es auch noch aus einem weiteren Grund komisch, im Norden zu sein. Denn ich war gerade mal 50 Kilomenter Luftlinie von einem meiner Brüder entfernt. Normalerweise trennt uns gut das Neunfache. Zumindest räumlich.

Derzeit trennen uns aber nicht nur Kilometer, sondern Welten. Oder meine Direktheit. Oder das Leben. Ich weiß es nicht. Zumindest haben wir seit einer Weile keinen Kontakt mehr. Das habe ich sicherlich so provoziert, aber ich hasse Schwebezustände und muss dann immer mal Klartext reden. Ich weiß, dass ich damit Leuten vor den Kopf stoße(n kann), aber ich kann mich einfach nicht über einen längeren Zeitraum verbiegen und gute Miene zu einem Spiel machen, das mir nicht gefällt.

Dass mein Bruder (und seine Frau) und ich zu bestimmten Themen unterschiedliche Ansichten haben, ist ja noch ok. Auch wenn es mir wirklich schwer fällt zu akzeptieren, dass sie ihre Kinder nicht impfen. Doch:

Dass die Familie meiner Schwägerin eine deutlich wichtigere Rolle für meine Nichte und meinen Neffen spielen, schmerzt mich schon sehr. Obwohl wir in Hamburg sehr nah beieinander gewohnt haben, habe ich keine Beziehung zu meiner Nichte (der Neffe wurde in der Zeit geboren).

Dass mein Bruder nur, wenn der Mond im 3. Haus und in Opposition zum Uranus steht, per Telefon zu erreichen ist, nervt mich einfach nur. Ob SMS oder e-Mails gelesen werden, ist so ungewiss wie die Bahn pünktlich und eine Antwort auf einem dieser Wege kommt einem 6er im Lotto gleich. Andere Wege werden nicht genutzt. Der letzte berittene Bote auf der Strecke ist vermutlich am Truppenübungsplatz Munster in ein Übungsgefecht geraten.

Dass aber mein Kind ausweichend angelogen wird, wenn er den Onkel fragt, wann dieser ihn denn endlich mal in Frankfurt besuchen käme, ärgert mich wirklich sehr.

Und das alles zusammen und noch ein bisschen mehr hat dazu geführt, dass ich ihm vor knapp drei Monaten geschrieben habe. Per e-Mail. Jaja, gewagtes Unterfangen, wenn man Punkt 3 bedenkt, aber ich bin mir sicher, dass er es mittlerweile gelesen hat. Gemeldet hat er sich darauf nicht. Das macht mich schon traurig.

Und deswegen war es komisch, im Norden und damit in seiner Nähe zu sein, ohne sich zu sehen. Denn möglich wäre es sicherlich irgendwie gewesen, da er in Hamburg arbeitet.

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