Reise

Nun ist es also amtlich: Der mini-monsieur wird ab Mitte August beim Vater in Frankreich sein. Soweit so ungut. Das große Problem ist, dass Vater und Sohn über 1.000 Kilometer trennen. Flug fällt aus, weil es keine wirkliche Möglichkeit gibt. Mit dem Auto sind das gut 14 Stunden (wenn man gut durchkommt). Bleibt der Zug.

Mit dem Zug kommt man relativ bequem von Frankfurt nach Paris (Est!). Irgendwie wurde in den letzten Jahren etwas an den Zeiten gewurschtelt, aber es ist ein durchgehender Zug, der üblicherweise 3:50 Stunden braucht und das lässt sich gut aushalten.

Problematisch ist allerdings, dass der französische Zentralismus nicht bei der SNCF angekommen ist. Die leben – zumindest in Paris – den Föderalismus aus und haben mehrere Bahnhöfe. Je nachdem, woher man kommt und wohin man weiter will, muss man einmal quer durch die Stadt.

Im unserem Fall muss man von Paris Est nach Paris Montparnasse. Da gibt es zwar eine Métro, die reine Fahrzeit „nur“ 16 Minuten braucht. Aber wer schon mal an den beiden Bahnhöfen ein- bzw. aus- oder umgestiegen ist, der weiß, dass die Wege zwischen Bahnhöfen und der jeweiligen Métro-Station lang sind. Wirklich lang. In der Zeit, in der ich „regelmäßig“ diese Strecke gefahren bin, war meine Bestzeit von Zug zu Zug 40 Minuten. Und zwar mit vielen Sprints und Drängeln (weil ich sonst meinen Anschluss verpasst hätte). Das ist mit Kind nicht zu schaffen. Also muss man mindestens 1,5-2 Stunden Umsteigenzeit einplanen. Damit sind dann schon 6 Stunden des Tages rum.

Von Montparnasse zum nächsten Bahnhof des Kindesvaters sind es dann nochmal knapp 3 Stunden mit dem Zug. Also in der Summe 9 Stunden allein vom Start- zum Zielbahnhof. Dazu kommt noch die An- bzw. Abreise vom Bahnhof, die sich zusammen auf eine gute Stunde belaufen. Somit ist man von Tür zu Tür gute 10 Stunden unterwegs. Das ist im Vergleich zum Auto deutlich weniger und auch deutlich erträglicher.

Das Prinzip sagt, dass der Kindesvater seinen Sohn eigentlich abholen soll. Ihn das aber zwei Tage kosten würde. Zudem sind die Fahrten zwischen Paris und Frankfurt im Normalfall deutlich teuerer, wenn man sie über SNCF und nicht über die Bahn bucht. Das ist jetzt prinzipiell nicht meine Sache, ich bin ja nicht 1.000 km weit weg gezogen aber weil ich so ein netter Mensch bin meinem Kind etwas Stress ersparen möchte, hatte ich mal angeboten, dass ich den mini-monsieur bis Paris bringe.

Dann hatten wir allerdings einen Gerichtstermin, der etwas unnötig war, auf den der Kindesvater jedoch bestanden hatte, damit er es schriftlich vom Richter hätte, dass der mini-monsieur zu ihm dürfte. Dieser legte jedoch direkt schriftlich mit fest, dass der mini-monsieur vom Vater abgeholt werden müsste und dass ich mit Hin- und Rückreise nichts zu tun hätte. Soweit so gut.

Möglicherweise reift gerade jenseits des Rheins die Erkenntnis, dass das alles keine so schlaue Aktion war. Und dass das Angebot meinerseits mit der Bedingung, den Gerichtstermin ausfallen zu lassen eigentlich ein gutes war. Und dass die Gurkerei quer durch Europa auch nicht so lustig ist. Zumindest bekam ich nun die Anfrage, ob ich mir vorstellen könnte, mein Kind nach Paris zu bringen – natürlich würden mir die Reisekosten bezahlt.

Ein Gedanke zu „Reise

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