Nachklapp

Ich habe beim Rechneraufräumen ein paar Gedanken gefunden, die ich während meiner Kur vor mittlerweile über einem Jahr aufgeschrieben habe.

Ich war ja noch über die ersten Tage des Kurbeginns hinaus skeptisch, ob ich wirklich eine Kur brauche. Ob ich das, wofür ich die Kur beantragt habe, nicht doch selbst in den Griff bekommen kann bzw. sollte. Mir hätte es deutlicher zu denken geben sollen, dass meine Kur ja schon gar nicht mehr präventiv sondern rehabilativ eingestuft worden ist. Aber irgendwie dachte ich nach den drei Wochen ohne die messieurs allein zu Hause, dass das ja auch schon reichen könnte/ müsste.

Ja, da ist er der hohe Anspruch an mich selbst. Und ob es der Psychologe hier glaubt oder nicht, er war ja sogar schon mal höher. Nie war ich zu spät, immer überpünktlich. Stets für alle Eventualitäten gewappnet. Auch wenn sich das sehr gelegt hat, stehe ich mir oft selbst im Weg. Und falle ins komplette Gegenteil, wenn ich sehe, dass ich meine Ansprüche nicht erfüllen kann oder meine Ansprüche erfüllt werden.

Ich weiß, dass sich die Welt auch ohne mich weiterdreht. Aber oft habe ich das Gefühl, dass sie sich vielleicht etwas schneller, etwas effektiver oder etwas sinnvoller dreht. Und so habe ich auch das dringende Bedürfnis, meinem Umfeld (eigentlich nur) Gutes zu tun. Und bin natürlich bitter enttäuscht, wenn es nicht angenommen wird oder gar mit Füßen getreten wird.

Das Gefährliche für mich ist – und so hat es auch der Psychologe bestätigt –, dass ich sehr reflektiert bin. Viele Dinge, die hier noch einmal betont wurden, weiß ich. Dass ich es nicht schaffe, danach zu handeln, bringt mich zur Besinnung – zumindest hier. Ich schaffe es Hilfe anzunehmen und auch einzufordern. Auch wenn mein Kritiker – ich – sagt, dass das doch alles nicht so schlimm ist. Dass es lösbar ist. Dass es hier viele andere gibt, die viel mehr Hilfe brauchen als ich.

Diese Kur war richtig und wichtig. Genau jetzt. Ich würde gerne noch ein bisschen länger in diesem Schutzraum leben, aber weiß auch, dass ich mich nicht verkriechen kann und darf.

Aber es tut gut, nichts zu machen. Die Dinge, die vor der Kur einen großen Raum eingenommen haben, sind sehr in den Hintergrund gerückt. Und es tut nicht weh. Es gibt mir Raum für mich, lässt mich durchatmen…

Essig

Vermutlich kennt jeder, der in den 1990ern groß geworden ist, diesen blöden Diätwitz: „Ich mach‘ ne Essig-Diät. – Ach ja?! – Ja. Ess‘ ich oder ess ich nicht.“ Zumindest ist mir dieser ultimative Schenkelklopfer heute in die Nase äh mal wieder ins Hirn gestiegen, als ich die Nase im Tafelessig mit 5 % Säure hatte. Und das kam so:

Man könnte ja behaupten, dass das Problem schon seit einem Jahr besteht. Allerdings war nach dem damaligen Großreinemache und Wegschmeißen Ruhe. Bis vor Kurzem immer mal wieder eine einzelne Lebensmittelmotte durch Küche bzw. Wohnzimmer flog.

Ich durchsuchte alle relevanten Schränke, fand aber nichts Verdächtiges. Und ich wollte nicht schon wieder alles wegschmeißen.

Dann klebte – kurz bevor ich sie probiert hatte – eine einzelne Made unter der Decke. Ich saugte sie weg und untersuchte wieder die Schränke. Schmiss ein paar Sachen weg.

Ein paar Tage später fand ich Gespinste in einer doppelt gesicherten und vergessenen Tupperdose, in der wir irgendwann mal Schweizer Nussstängli mitgenommen hatten. Ich guckte mir die Mutterpackung an und entsorgte sie semiprophylaktisch. Und es war erstmal wieder Ruhe.

Doch es tauchte wieder eine Motte auf. Ich sortierte also den Naschischrank und warf rigeros Süßkram weg. Ich hoffte, endlich dem Viechzeug beigekommen zu sein. Aber da lachte mich gestern eine Motte von der Innenseite des Vorratsschranks an. Also entsorgte ich auch aus diesem alles, in dem sich auch nur irgendwie Viecher verstecken könnten. Saugte und wischte den Schrank aus.

Es ließ mir keine Ruhe. Ich ging heute nochmal alles durch. Da fiel mein Blick auf die vorgebohrten Schrankbodenlöcher (und die Schränke vom Möbelschweden haben derer viele) und ich entdeckte in einigen Gespinsten. Aussaugen funktionierte nicht. „Da muss Essig rein“, war mein Gedanke. Nach einigem Rumgedenke fiel mir ein, dass wir ja noch vom Geburtstag Spritzen und hochprozentigen Essig da hatten. Beides zusammen funktionierte prima, um 260 Schrankbödenlöcher zu behandeln.

Jetzt bitte ein paar Daumen, dass nun endlich Ruhe ist an der Mottenfront.

„Wie meine Mutter, nur ohne Falten“

Gestern abend entschied ich spontan, doch noch zum Museumsuferfest zu gehen. Da ich abends spät nachts ungern mit den Öffentlichen fahre, wollte ich mit dem Rad fahren, allerdings ist mir mein Rad zu viel wert, um es irgendwo im Partygetümmel abzustellen. Zum Glück fiel mir mein Call-a-Bike-Abo ein.

Ich ziehe los. Mit geschärftem Blick fürs nächste Rad – die App ist da ja manchmal nicht sooo präzise. Das erste ist auch promt nicht auffindbar. Das nächste auf meinem Weg finde ich. Ich gebe dessen Nummer in die App ein und drücke „Ja“ und drücke dann nochmal etwas ungeduldig „Ja“. Woraufhin die App meint, dass das Rad schon entliehen sei. Ich gehe also weiter zur nächsten Station und will dort ein Rad entleihen. Ich hätte schon ein Rad entliehen, meint die App. Tja, das hat man davon, wenn man ungeduldig auf Apps rumdrückt. Ich muss zurück zum vorherigen Rad, öffne es und radele gen Main. Die Stadt ist erstaunlich belebt. Ich suche eine Station, gebe das Rad ab und gehe ein paar Schritte, als ich ein Stimmchen von der gegenüberliegenden Straßenseite höre:

„Sorry.“
Ich drehe mich um.
„Hey, bist du von hier?“
Ich gehe zu dem Mädel rüber: „Ja.“
„Weißt du, wo das Museumsuferfest ist?“
„Ja, da wollte ich gerade hin. Soll ich dich mitnehmen?“
Sie scheint sich nicht sicher, will erstmal ihre Freundin anrufen: „Mein Handy ist aus, ich erreich meine Freundin nicht. Kannst du die mal anrufen?“
Sie gibt mir die Nummer, ich wähle und reiche ihr das Handy. Sie klärt, wo sie hinkommen solle.
„Kennst du den Eisernen Steg.“
Das ist ja in etwa so, als würde man einen Kölner fragen, ob er den Dom kenne:
„Klar. Ist nicht weit von hier. Ich bring dich hin.“
Wir gehen los – durch die hell-erleuchtete Schirnarkade: „Boah, ich mag so grelles Licht nicht, da sieht man meine Pickel so“, sagt meine Begleiterin. Ähhm ja.
Nachdem ich erkläre, dass ich allein aufs Fest wollte und NICHT verabredet sei, lädt sie mich ein, mich ihr und ihrer Freundin anzuschließen: „Die ist etwas pummelig, aber nett.“ Ich verdrehe innerlich die Augen.
Vermutlich bereut sie die Einladung auch kurz drauf, as ich erwähne, wie alt ich sei: „Boah, echt?! Du bist ja so alt wie meine Mutter. Aber du bist gar nicht so faltig wie sie.“ Tjaaa, Komplimente scheinen ihr Fachgebiet zu sein.
Wir kommen an der Kunst-Installation in der Rotunde der Schirn vorbei: „Krass, dass das so offen ist. Da kann ja jeder ran.“ Das ist wohl das Konzept dahinter.
Wir treten auf den Römer, sie scheint überwältigt. Und ich bin irritiert, habe ich doch erfahren, dass sie aus Köln kommt. Sie findet Frankfurt groß. Ich überlege, ob es noch ein Köln gibt. Wir kommen am Eisernen Steg an, gehen über den Eisernen Steg. Sie freut sich über die Musik, die vom Sachsenhäuser Ufer zu hören ist.
Am Ende sucht sie ihre Freundin und findet sie auch recht schnell. Ich werde vorgestellt und komme mir ziemlich komisch vor.

Es ist nicht nur der Misanthrop in mir, der den Abend nicht mit den vermutlich halb so alten jungen Menschen verbringen möchte. ‚Wie komme ich aus der Nummer raus?‘, überlege ich. Wir besorgen uns erstmal was zu trinken und gehen dann erstmal noch als Gruppe weiter. Mir ist nicht nach Teenie-Smalltalk und Musik, die ich nicht mag. Außderdem wollte ich einfach allein über das Fest schlendern und ein bisschen für mich tanzen. Doch ich habe den Gedanken noch nicht einmal richtig zu Ende gedacht, da geraten wir in einen großen Gegenverkehr.

Wir werden getrennt. So ein Mist aber auch. 😉

Einschulung – bald

Noch ist der mini-monsieur im Urlaub, aber das Ferienende und damit die Einschulung sind nicht mehr weit. Elf Tage um genau zu sein. Eichhörnchenmäßig habe ich, seit mir die Materialliste vorliegt, in den vergangenen Wochen schon dies und das gekauft und bestellt. Irgendwie überkam mich heute Nervosität (jaja, noch elf Tage) und so habe ich heute Nacht noch die Glitzer-Bügelfolie für das Einschulungsshirt zurechtgeschnitten und heute dann aufgebügelt. Danach habe ich

  • Deko für die Einschulungsparty
  • 1 genau definierten Deckfarben-Kasten
  • 1 mal Knete in der Box
  • 1 Schlampermäppchen

bestellt und den Rest dann beim Vertragsschreibwarenhändler der Schule örtlichen Schreibwareneinzelhandel gekauft, was da waren:

  • 1 Zeichenblock A4
  • 4 A5-Hefte Querformat (je zwei für Mathe und Schreiben)
  • 1 A5-Heft Hochformat (wofür auch immer) mit gelbem Umschlag
  • 1 weißen Schnellhefter
  • 1 Klebestift mit 43 g Klebemasse
  • 1 gelbe Postmappe
  • 1 Flachspitzerdose, die ich im Laden vergessen habe

Zu Hause habe ich dann

  • 18 Stifte
  • 6 Schnellhefter
  • 5 Hefte
  • 1 Lineal
  • 1 Postmappe
  • 1 Zeichenblock
  • 1 Klebestift
  • 1 Frühstücksbrett
  • 1 Sammelmappe A3
  • den Ranzen
  • die Federmappe, die zum Ranzen gehört, aber erstmal wohl nicht genutzt wird
  • den Turnbeutel
  • die Turnschuhe

mittels Aufklebern beschriftet und dann noch

  • 2 Borstenpinseln
  • 1 Radiergummi
  • 1 Schere
  • 1 Jogginghose
  • 1 Sport-T-Shirt

mit einen feinen Permanent-Stift mit dem Namen des mini-monsieurs ersehen. Jetzt steht dem großen Ereignis nicht mehr viel im Weg.

Im Norden

Mal abgesehen von meiner eigenen Geschichte in und mit Hamburg, war es auch noch aus einem weiteren Grund komisch, im Norden zu sein. Denn ich war gerade mal 50 Kilomenter Luftlinie von einem meiner Brüder entfernt. Normalerweise trennt uns gut das Neunfache. Zumindest räumlich.

Derzeit trennen uns aber nicht nur Kilometer, sondern Welten. Oder meine Direktheit. Oder das Leben. Ich weiß es nicht. Zumindest haben wir seit einer Weile keinen Kontakt mehr. Das habe ich sicherlich so provoziert, aber ich hasse Schwebezustände und muss dann immer mal Klartext reden. Ich weiß, dass ich damit Leuten vor den Kopf stoße(n kann), aber ich kann mich einfach nicht über einen längeren Zeitraum verbiegen und gute Miene zu einem Spiel machen, das mir nicht gefällt.

Dass mein Bruder (und seine Frau) und ich zu bestimmten Themen unterschiedliche Ansichten haben, ist ja noch ok. Auch wenn es mir wirklich schwer fällt zu akzeptieren, dass sie ihre Kinder nicht impfen. Doch:

Dass die Familie meiner Schwägerin eine deutlich wichtigere Rolle für meine Nichte und meinen Neffen spielen, schmerzt mich schon sehr. Obwohl wir in Hamburg sehr nah beieinander gewohnt haben, habe ich keine Beziehung zu meiner Nichte (der Neffe wurde in der Zeit geboren).

Dass mein Bruder nur, wenn der Mond im 3. Haus und in Opposition zum Uranus steht, per Telefon zu erreichen ist, nervt mich einfach nur. Ob SMS oder e-Mails gelesen werden, ist so ungewiss wie die Bahn pünktlich und eine Antwort auf einem dieser Wege kommt einem 6er im Lotto gleich. Andere Wege werden nicht genutzt. Der letzte berittene Bote auf der Strecke ist vermutlich am Truppenübungsplatz Munster in ein Übungsgefecht geraten.

Dass aber mein Kind ausweichend angelogen wird, wenn er den Onkel fragt, wann dieser ihn denn endlich mal in Frankfurt besuchen käme, ärgert mich wirklich sehr.

Und das alles zusammen und noch ein bisschen mehr hat dazu geführt, dass ich ihm vor knapp drei Monaten geschrieben habe. Per e-Mail. Jaja, gewagtes Unterfangen, wenn man Punkt 3 bedenkt, aber ich bin mir sicher, dass er es mittlerweile gelesen hat. Gemeldet hat er sich darauf nicht. Das macht mich schon traurig.

Und deswegen war es komisch, im Norden und damit in seiner Nähe zu sein, ohne sich zu sehen. Denn möglich wäre es sicherlich irgendwie gewesen, da er in Hamburg arbeitet.

Wetter

Nach drei schönen, aber deutlich frischen Tagen bzw. Abenden in Hamburg lasse ich nun in Frankfurt den Abend im Rock auf der Terrasse bei milden Temperaturen mit Salat und Äppler Rosé ausklingen.

War schön da oben. Und die drei Tage haben mich durchaus mit Hamburg wieder versöhnt. Aber hier am Main ist’s noch schöner. Und ruhiger also wenn der Hund vom Nachbarn nicht so herzzerreißend jaulen würde und in einer halben Stunde, das Nachtflugverbot losgeht.

Schönen Abend!

Blogger für Flüchtlinge

BFF_1508_HeaderBFF1Manchmal habe ich so blöde Gedanken, wie zum Beispiel den zur Aktion #BloggerFuerFluechtlinge: Es ist nun schon ein paar Tage her, dass ich den Aufruf dazu bei Nutriculinary las und viele Blogs, die ich lese, haben sich dessen angenommen. Mit tollen Beiträgen. Und da kam mir der Gedanke: Was kann ich denn noch dazu beitragen, es ist doch schon alles gesagt und irgendwie.
Ja, und irgendwie ist das ziemlich blöd, denn auch wenn ich glaube und hoffe, dass viele meiner Leser schon von dieser Aktion gehört bzw. gelesen habe, heißt das ja nicht, dass ich die zwei, drei, die gerade im Urlaub sind, nicht auch noch informieren sollte. Worum es bei der Aktion geht, klaue ich einfach mal da, wo ich zuerst davon las:

#BloggerfuerFluechtlinge soll daran erinnern, dass wir was tun können und sollten, jeder von uns. Am allereinfachsten und größtmöglich hilfreich ist es, Geld zu spenden. Das geht vom Sofa aus und jeder Betrag zählt, für Menschen denen es nicht nur an so grundlegenden Dingen wie Schuhen und Unterwäsche mangelt. Die Zustände im Landesamts für Soziales und Gesundheit (LaGeSo) in der Moabiter Turmstraße in Berlin sind besonders prekär, seit Wochen kommen täglich hunderte Kriegsflüchtlinge dort an.

Mit #BloggerfuerFluechtlinge sammeln wir Gelder für den Verein Moabit hilft, denn die Helfen wirklich, direkt und vor Ort. Informationen dazu und die Möglichkeit direkt via betterplace. org zu spenden, finden sich hier:

https://www.betterplace.org/de/fundraising-events/bloggerfuerfluechtlingei

Aber eben auch: Nutzt den Hashtag #BloggerfuerFluechtlinge, sprecht und schreibt über die Flüchtlingssituation, weist auf Spendenaktionen hin und erzählt darüber hinaus von Eurem Engagement, Euren Aktionen und Ideen, bloggt, vloggt, podcastet und verbreitet die Notwendigkeiten.

Viele Menschen helfen schon, überall in Deutschland mit Sach- und Geldspenden, als freiwillige Helfer, im Kleinen wie im Großen. Tatkräftige Hilfe und eine echte Willkommenskultur,werden nicht nur dieser Tage, sondern noch lange eine Notwendigkeit sein. Erzählt Eure Geschichten, ruft auf zum Mitmachen, motiviert – tut Gutes und sprecht darüber – gegend die Sprachlosigkeit der Regierung und damit die Dumpfen und Schlichten nicht die Lautesten bleiben in diesem Land.

Die tolle Bea hat dazu das Logo/ Banner am Anfang des Artikels entwickelt, das sie „allen“ zur Verfügung stellt.

Ich habe ja schon hier ein bisschen von meinem Problem mit der Flüchtlingshilfe geschrieben. Es hat mir ja keine Ruhe gelassen. Also habe ich noch weiter recherchiert. Besonders viel habe ich nicht gefunden außer das, was im „Nachtrag“ steht. Aber der Kommentar zu dem Blog-Post hilft mir weiter: Gießen oder Darmstadt sind zwar nicht ums Eck, aber wenn die Sachspenden nehmen, würde ich den Weg auf mich nehmen.

Vermutlich wird es Darmstadt, denn ich fand endlich eine brauchbare Info:
Die Flüchtlingshilfe Darmstadt nimmt sehr gerne Spenden an. Die Annahmestelle befindet sich in der Niersteiner Str. ganz zentral und beschildert. Es ist von Mo – Fr zwischen 09:00 und 18:00 Uhr Annahme. Komplett alles wird genommen, außer Elektrogeräte und Lebensmittel.

Ich habe einfach viel zu viele Sachen, die NICHT angezogen oder genutzt werden. Da es finanziell bei mir gerade etwas unsicher ist, fällt es mir einfach viel leichter Zeug zu spenden, das noch gut ist, aber bei mir nur Platz wegnimmt. Ich würde gerne mehr tun, weiß aber, dass ich mit meinem Tageskontingent (24 Stunden, wer hätte es gedacht) auch haushalten muss, aber ich werde mich mal an den einen oder anderen Kontakt, der auf dem Integrations- und Diversitätsportal der Stadt Frankfurt am Main genannt wird, wenden und nachfragen.

Ansonsten möchte ich noch einen Gedanken weitergeben, der schon auf 140 Zeichen bei einer Twitter-Diskussion gepresst wurde:

Wer nicht offen gegen die Flüchtlinge ist, sondern in die Katergorie „Ich bin kein Nazi nicht gegen Flüchtlinge, aber …“ fällt, bemüht gerne so stammtischige wie unkorrekte Argumente, die vor allem in Richtung gehen, dass es in Deutschland ja auch genug Leuten schlecht ginge und man erst denen helfen sollte. Mir fällt dazu nicht viel ein, weil das einfach doof und vielleicht auch wieder so „typisch deutsch“ ist? Leid gegen Leid ausspielen?! Leute kommt mal klar!
Ja, es ist menschlich, das Leid in der eigenen Nähe stärker zu empfinden, und für uns alle, die wir eine Wohnung, (mehr als ausreichend) Klamotten, Spielzeug (im Überfluss) und vor allen Dingen genzenlose Freiheit haben, ist das Leid derer, die auf unvorstellbaren Wegen und unter kaum tragbaren Bedingungen zu uns kommen, sehr abstrakt. Ich kann es mir, wie wohl viele andere auch, nicht wirklich vorstellen. Doch wir sind Menschen und können mitfühlen und wir können uns überlegen, wie wir in einem fremden Land empfangen werden möchten.
Und bei den Leid-Aufwiegern bezweifele ich auch ganz stark, dass sie sich auch nur ansatzweise um diejenigen kümmern, die in ihren Augen einen angeblichen Vorrang in der Hilfskette haben.

Ich habe aber auch ein Problem mit dem vermeintlichen Gegenargument, dass ein Land, das Geld für Elbphilharmonien, Hauptstadtflughäfen und unterirdische Bahnhöfe verschwenden ausgeben kann, sich auch Flüchtlingshilfe leisten können muss.

Es gäbe aber nicht mehr Geld für Flüchtlinge, nur weil man bei der Elbphilharmonie das Dach weggelassen hätte, man am BER auf eine Landebahn verzichten würde oder wenn in Stuttgart die Tunnelröhre nicht ausgekleidet würde.

Umgekehrt wird keinem auch nur ein Cent in der Tasche fehlen, weil Deutschland Flüchtlingshilfe finanziert. Ich zahle nicht mehr Steuern. Im Gegenteil (auch wenn es minimal wirkt): Aktuell bekomme ich durch Erhöhung von Kindergeld und Unterhaltsvorschuss sogar mehr Geld vom Staat.

Und wenn die Idioten in Heidenau, Freital und wo sie alle rumspuken, mal an sich halten würden, dann wären auch nicht so viele Polizisten und Beamten (und damit auch Gelder!) unnötig gebunden, sondern könnten dazu beitragen, dass den Flüchtlingen schnell(er) geholfen wird.

Mal angesehen davon, dass gerade beim LaGeSo vieles schief gelaufen ist, finde ich es richtig, dass Flüchtlingshilfe nicht nur Staatsaufgabe ist, sondern dass auch WIR – jeder in seinem Rahmen – helfen: Sach- oder Geldspenden, ehrenamtliche Unterstützung vor Ort, Patenschaften, Unterkünfte bereitstellen.

Das ist ein erster Schritt zur Integration.
Die, die kommen (müssen), willkommen heißen.
Ein Zeichen setzen:

Wir sind Menschen – Mitmenschen. Wir bekommen das GEMEINSAM schon hin.

Rundgang mit Stalkeinlage

Da ich heute Abend keine Verabredung hatte (dafür morgen ein Doppeldate, auf das ich mich schon sehr freue) und das Wetter bei Feierabend noch ganz gut war, hatte ich beschlossen, durch Hamburg zu wandern. Dinge zu sehen, die ich in der Zeit, in der ich dort gewohnt habe, nicht gesehen habe. Aber natürlich auch ein paar Dinge wiederzusehen. So führte mich mein Weg erst quer durch Planten und Blomen

wpid-2015-08-24-23.41.49.jpg.jpegzum Brahms-Kontor

wpid-img_20150824_234917.jpgund an der Leiszhalle vorbei

wpid-2015-08-24-23.43.00.jpg.jpegdurchs Gängeviertel

wpid-2015-08-24-23.44.27.jpg.jpegan die Binnenalster, an deren östlichen Seite rum,

wpid-2015-08-24-23.45.30.jpg.jpeg dann über die Lombardsbrücke, um an die Außenalster zu kommen, von dort über die Kennedybrücke um an die Atlantik-Hotel-Seite zu kommen, bis zu ebendiesem und dann durch St. Georg, um Herrn Buddenbohm zu stalken, zum Hauptbahnhof.

Dort bin ich dann in die U1 gestiegen, um in mein damaliges Wohnviertel zu gelangen. Ich konnte es mir nicht nehmen lassen, an der alten Wohnung vorbeizulaufen. Und als ich dann den ehemaligen Nachbarn von unten auf der Dachterrasse erspähte, war das schon komisch und ich hätte fast geklingelt. Denn mit seiner Frau, seiner Tochter und ihm hatten wir eigentlich ein ziemlich gutes Verhältnis. Allerdings war der Kontakt dann doch schnell eingeschlafen. Also bin ich zurück zur U-Bahnhaltestelle, an der ich zwölf Monate lang fast jeden Werktag eingestiegen bin.

wpid-img_20150824_205023.jpg Dann bin ich auch wieder zurück Richtung Landungsbrücken. Noch ein bisschen Hafenluft schnuppern. Ich stieg also Baumwall aus und lief die neue Promenade entlang, war ein bisschen enttäuscht, dass die Elbphilharmonie im Dunkeln so langweilig aussieht,

wpid-2015-08-24-23.46.43.jpg.jpeg dafür bekam ich aber noch ein bisschen Sonnenuntergang zu sehen.

wpid-img_20150824_215341.jpgEs wurde frischer, Wind und Regen zogen auf und ich bekam Hunger. Ich fief bis Brücke 10, doch es war zu spät für ein gutes Fischbrötchen. Also lief ich die Davidstraße hoch, (Hamburger: Ist dort der Straßenstrich wieder stärker aufgeblüht?), über den Hans-Albers-Platz, an dem Erinnerungen hochkamen an früherTM, aber ich mich auch unwohl fühlte ob der vielen leichtbekleideten Damen. Ich machte noch einen kleinen Schlenker „hintenrum“, bevor ich dann ums Eck vom Hotel in einer Pizzeria endlich was aß. Danach ließ ich noch kurz die nächtliche Reeperbahn auf mich wirken

wpid-img_20150824_235303.jpg wpid-2015-08-24-23.47.36.jpg.jpegund dann waren nach kanpp zehn Kilometern die Füße platt.

Darf ich das?

Mit Blick auf meine heutige SocialMedia-Timeline frage ich mich gerade ein bisschen, ob ich heute auch über seichte Themen bloggen darf. Und ich weiß, dass das Folgende wie eine Rechtfertigung klingt, aber:

Ich versuche schon seit Tagen, ausfindig zu machen, wo in oder um Frankfurt (am Main) herum das nächste Flüchtlingsheim ist. Denn ich hätte ein paar Sachspenden. Klar könnte ich zumindest vom Sofa Hotelbett aus Geld spenden. Aber ehrlich gesagt kann ich das erst nächsten Monat, wenn die ersten Rechnungen der Freiberuflichkeit Früchte getragen haben.

Wer also einen heißen Tipp hat, wo ich in Frankfurt (am Main) oder Umgebung Sachspenden (Klamotten und Spielzeug) für Flüchtlinge abgeben kann, melde sich bitte!

Nachtrag: Nachdem ich noch einmal recherchiert habe, sieht es so aus, als gäbe es derzeit in Frankfurt nur eine Flüchtlingsunterkunft für Männer (und irgendwo noch eine für unbegleitete Minderjährige, aber die dann doch auch erst ab 16 Jahren). Hmpf. Das ist nicht so befriedigend.

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Ansonsten befinde ich mich im Moment des Schreibens seit neun Stunden in Hamburg. Das erste Mal seit dem Umzug nach Frankfurt. Und nicht vorrangig zu meinem Privatvergnügen, sondern zum Arbeiten.

Und als besonderen Fun Fact: Ich arbeite für die „alte“ Agentur. Freiberuflich. Das hat durchaus was Lustiges. Und ich kann eine gewisse Genugtuung auch nicht verheimlichen, so rutschte mir im Gespräch auch raus, dass sie das Ganze ja auch hätten einfacher haben können. Nun ist es so und auch so viel besser für mich. Also werde ich die kommenden drei Tage in der Hansestadt verbringen, damit ich eingarbeitet und gebrieft werden kann.

Und weil ich gerade ohne Kind bin, bin ich einfach schon einen Tag früher nach Hamburg gefahren. Ansonsten hätte ich auch morgen um 5:55 Uhr in den Zug steigen müssen, um „pünktlich“ da zu sein. Um vom heutigen Tag was zu haben, musste ich für einen Sonntag schon früh aufstehen, aber so konnte ich wenigstens Freunde treffen bei Sonnenschein im Planten un Blomen. Freunde, die ich seit unserem Umzug nicht mehr gesehen habe.

Danach bin ich noch bei der Exkollegin vorbei, die mittlerweile ein Baby hat und für ebendieses seit der Geburts (im Mai!) ein Geschenk bei uns rumstand. Wenn ich also schon mal in Hamburg bin, dann kann ich es wenigstens persönlich loswerden.

Auf der einen Seite ist es schon komisch, in Hamburg zu sein. Nach fast 23 Monaten das erste Mal wieder. Es fühlt sich auf der anderen Seite aber auch sehr vertraut an. Und je näher ich heute Hamburg kam, desto mehr stieg meine Vorfreude. Ich mag die Stadt, den Norden. Hamburg ist eine schöne Stadt – keine Frage. Und es ist schön, sie für ein paar Tage als Single erleben zu dürfen. Aber sie ist für mich, so wie ich derzeit aufgestellt* bin, keine Stadt zum Leben.

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* Ich brauche kurze Wege. Alles andere macht mich wahnsinnig. Ich möchte was von der Stadt haben, in der ich leben – nicht nur den Namen. Außerdem ist Hamburg nicht möglich als Familie mit nur einem Verdiener. Und als Alleinerziehende noch viel wenig.

Beklemmend

Schon bei der Bahnhofsviertelnacht fiel mir mal wieder auf, welche Parallelwelten das Bahnhofsviertel aufweist: Da war zum einen das hippe, feiernde Partyvolk, das das erweiterte Straßenfest am lauen Sommerabend nutzte, um unbekümmert Spaß zu haben.

wpid-20150820_233304.jpgDoch zum anderen waren dort auch die, die gewissermaßen nur im Bahnhofsviertel eine Zuflucht finden. Wie komisch muss dieses Event für diejenigen sein, die sich sonst im Schatten der Nebenstraßen verstecken (können), die höchstens in und um die Fixerstuben herum kurz in Erscheinung treten.

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FISCHER- nicht Fixer-Stube!

Ich kann nicht viel über die Frankfurter Drogenszene sagen, aber ich erinnere mich an mein erstes Mal Frankfurt vor mittlerweile über 18 Jahren. Das Bahnhofsviertel – und zwar das komplette – war wirklich fies. Die B-Ebene stank (deutlich mehr als heute) und man hatte das Gefühl, dass an jeder Ecke Geld und Substanzen die Besitzer wechselten – nicht sonderlich versteckt. Trat man aus der Zwischenebene auf die Kaiserstraße empfangen einen Menschen, die wohl alle Hoffnung verloren hatten, und als Frau allein (oder zu zweit) konnte man nicht unbehelligt die ehemalige Prachtstraße für den Kaiser entlang gehen. In die Nebenstraßen sollte man sich gar nicht erst wagen.

Seitdem hat sich einiges getan. Ob gut oder schlecht und mit welchem Effekt möchte ich mir nicht anmaßen, das zu bewerten.

Heute empfinde ich das Bahnhofsviertel sehr zweigeteilt: Es gibt den Bereich zwischen Mainufer und Kaiserstraße. Der ist sehr gemäßigt mit starker Tendenz zur Gentrifizierung. Was frei wird, wird exklusiv saniert. Teure Hotels, wie das Interconti, sind dort. Auch einige der neusten Places-to-be sind dort. Die Münchener Straße ist multikulti mit guten Imbissen/ Restaurants, den typischen Kleinsupermärkten und dem ein oder anderem Handyladen. Das Moseleck ist in diesem Teil womöglich der letzte Rest vom „alten“ Bahnhofsviertel (und es erinnert mich immer an den Silbersack in Hamburg).

Die „neue“ Kaiserstraße versucht die Pracht alter Zeit aufzugreifen. Teure Läden machen sich breit, es wirkt deutlich exklusiver als damals. Als Frau ist man zwischen den Bankern und Touristen nicht in Gefahr.

Und dann gibt es den zweiten Teil, der zwischen Kaiserstraße und Mainzer Landstraße liegt. Dort sind Fixerstuben, Laufhäuser und Sexshops. Dort riecht es sehr intensiv nach Ammoniak. Aber dort sind auch die Hochhäuser „Skyper“, „Silberturm“ und „Gallileo“ – am äußersten Rand hin zur mittlerweile bereinigten Taunusanlage und den anderen Hochhäusern. In dem Teil fühlt man sich noch ganz ok. Aber danach …

Wenn ich zu Fuß zum Bahnhof gehe – was nicht so oft vorkommt -, dann gehe ich im Normalfall über die Kaiserstraße oder Münchener Straße. Heute war ich aber so unterwegs, dass der kürzeste Weg über die Taunusstraße ging. Und während ich mich am Anfang noch über den tollen Blick auf Skyper und Silberturm sowie den Marienturm im Wachstum freute, wurde mir mit jedem Schritt Richtung Bahnhof mulmiger:

Das letzte Drittel war heute so elend anzusehen, dass ich mich nicht durchtraute, sondern die Straßenseite wechselte. Ich wagte mich dort auch nicht in den Eingang zur B-Ebene, was sicherlich schneller gewesen wäre, sondern wählte den oberirdischen Weg.

Wenn ich die hageren Gestalten, deren Look in den 1990ern en vouge war, da zitternd oder torkelnd sehe, zieht sich alles in mir zusammen und ich versuche, wenn ich schon kein Mitleid empfinden kann, wenigstens meinen Ekel klein zu halten. Leicht ist das nicht.