Wir machen blau

Es darf keiner sagen, ich hätte es nicht angekündigt – zumindest hier und auf twitter war es zu lesen. Mein RL-Freunde wussten es eigentlich nicht – also die, die nichts von diesem Blog wissen. Und sie staunten nicht schlecht, als sie mich am Samstag sahen. Hatte ich doch nur kryptisch gefragt: „Hoffe, ihr akzeptiert mich in jedem Zustand.“
Meine Eltern schockte es nicht am Freitag, kennen sie mich doch mit blauen, lila und grünen Haaren (und mit ganz schrecklichen Henna-roten Haaren).
Der mini-monsieur guckte erst irritiert, aber ihn hatte ich natürlich vorgewarnt, und dann fand er es ziemlich cool.

So cool, dass er auch blaue Haare wollte. „Wenn wir wieder zu Hause sind“, sagte ich ihm am Wochenende. Als wir gestern wiederkamen, fragte er gleich wieder nach. Ich vertöstete ihn auf später, da es wirklich warm war und sich die Wärme seit Freitag sehr in der Wohnung gestaut hatte. Nach dem Essen war er ziemlich müde. Außerdem rief der Papa an. Und dann war es zu spät. Ich versprach ihm, dass wir es heute vormittag vor dem Kiga machen.
Wir sind eigentlich nicht allzu spät wach. Kuscheln noch kurz, als mich dann der mini-monsieur mit den Worten „Du hast mir versprochen, dass ich heute blaue Haare bekomme“ aus dem Bett wirft. Also ab ins Bad. Ich überzeuge ihn davon, dass wir nur eine Strähne am Oberkopf blaudieren (die Seiten sind frisch rasiert, da wäre zu viel Kopfhaut blau geworden). Ich pissel ihm also mit Kamm und Handschuhen die Farbe in die Haare und schaue nicht weiter auf die Uhr. Noch während ich die Farbe auftrage, jammert das Kind, dass er jetzt sofort verhungern würde. Die Einwirkzeit bietet sich ja optimal dafür an, Müsli zu essen. Ich gucke kurz auf die Uhr, damit ich weiß, wann ich ausspülen muss. Wir machen kurz in der Küche rum, da gucke ich nochmal auf die Uhr: 8h40. Zwanzig vor neun. Ich höre vor dem Fenster eine Kinderschar vorbeilaufen.

Halt Moment! Heute war doch was. Aaaarg, der mini-monsieur sollte doch um 8h30 im Kiga sein, da sie heute zum Theater gehen. Sch***.

Das Kind steht in Slip und mit blauer Farbe in den Haaren vor mir und sieht seine Felle davon schwimmen. Ich gehe in den Notstandsmodus über: estmal Kiga anrufen. Ja, die sind gerade los. Aber wenn wir uns beeilen, holen wir sie noch an der Bushaltestelle ein.

Ich scheuche das Kind ins Bad, Haare auswaschen („Aber das ist doch noch nicht lang genug drin.“ „Das machen wir heute Abend nochmal.“), abrubbeln. Dann ins Kinderzimmer Shorts und T-Shirt raussuchen. Während ich ihm die Sachen in die Hand drücke, suche ich seinen Rucksack und eine Banane. Ich schüttel seinen Rucksack auf meinem Bett aus. Das Kind zieht sich nicht an. Ich mache ihn energisch darauf aufmerksam, dass er sich anziehen muss, sonst wird das nichts mehr. Ich suche eine Flasche für Wasser und Müsliriegel für den Snack. Dann scheuche ich ihn verbal in die Schuhe. Während er die anzieht, suche ich meinen BH. Aaaah, wo ist das verdammte Teil. „Ich habe immer noch Hunger, vermeldet der mini-monsieur. Ich gebe ihm die Banane. Ich ziehe mir ein paar Latschen über, drücke dem Kind seinen Rucksack in die Hand und wir stürmen raus. Vor der Tür steht ein Erzieher – erwähnte ich schon mal, wie praktisch es ist, dass wir direkt neben dem Kiga wohnen? -, der sagt, dass er ihn mitnehmen könne. Ich übergebe ein glückliches Kind an, der fröhlich neben dem jungen Mann Richtung Bushaltestelle geht.

Heute Abend nach dem Duschbaden: „Mama, Du hast doch gesagt, wir machen das heute Abend nochmal blau.“ Also wieder Handschuhe übergezogen und mit dem Kamm über die morgentliche Strähne drüber. Ob er noch mehr blau haben könnte, fragt er, während ich die Farbe einkämme. „Ja, aber nicht alles.“ „Nein, nur noch eine Strähne da so“, und deutet auf die andere Seite. Die verrückte Mama macht fast alles. Und deswegen machen wir jetzt blau…

Wie die Mama

wpid-img_20150703_132509.jpgSo der Sohn

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3 Gedanken zu „Wir machen blau

  1. Mutig, mutig kann ich da nur sagen. Meine Farbe ist es nicht. Und ich würde wohl etwas schlucken müssen, wenn das große Waldkind so vor mir stehen würde.
    Aber letztlich muss das ja jeder selbst wissen und wie sagt der Förster immer so schön: Sind alles Steuerzahler.

  2. Ich finde es total schick und wollte früher auch immer blau auf dem Kopf sein.

    PS: Ich würde mich über das PW zu den gesperrten Seiten freuen, da ich hier regelmässig mitfühle, auch wenn mein Leben ganz anders verläuft – eben weniger blau 😉

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