Liebes Tagebuch am Fünften (Juli)

Auch wenn man wegen der Hitze nicht so viel macht, beantworte ich trotzdem mal Frau Brüllens allmonatliche Frage: WMDEDGT?

0h00 Nach dem Zaz-Konzert sind wir noch essen gegangen. Passend zu den Temperaturen beim Spanier. Bei leckerem Weißwein erklären wir dem irischen Freund der einen Freundin auf Englisch, was ein Berliner Kiez ist. Der, in dem wir uns gerade befinden, ist noch voller Leben.

1h45 Wir haben gerade gezahlt und wollen noch einen Absacker nehmen. Oder tanzen gehen – zumindest die Berliner Freundin, die bald bei uns einzieht, und ich. Wir überreden das Pärchen noch mitzukommen.

2h10 In einer netten Bar bekommen wir noch drei Gin Tonics und einen Whisky.
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3h00 Es fängt an zu regnen. Warmer, weicher Sommerregen. Wir zahlen und gehen nach Hause. Im Regen. Das tut gut, denn es sind nicht nur ein paar Tropfen. Die Abkühlung – nich nur auf der Haut – lässt nicht lange auf sich warten.
In der Wohnung angekommen duschen wir erstmal. Auf dem Balkon ist es schön kühl. Wir quatschen noch zu zweit und freuen uns über die Hummeln, die zu Frühstück im Sonnenaufgang angeflogen kommen.

4h55 Es ist taghell in Berlin, als wir endlich ins Bett gehen.
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10h00 Ich werde kurz wach, weil irgendwo Glocken läuten.

11h00 Die Glocken läuten wieder. Jetzt bin ich wach. Und die Freundin neben mir auch. Wir stehen auf. Nach und nach sind alle wach. Auch die Schwester der Berliner Freundin hält sich kurz auf den Beinen. Schon auf dem Konzert ging es ihr nicht gut. Vieles spricht für einen Hitzschlag. Sie legt sich wieder hin, während wir das Frühstück vorbereiten.

12h00 Wir sitzen zu viert am Tisch. Es gibt frischen Apfelsaft. Denn in der Mini-Küche ist tatsächlich ein Entsafter versteckt.
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Und Rührei gibt es auch.
Unser Sorgen-Küken will nichts essen und wirkt auch sonst nicht, als könnten wir sie ruhigen Gewissens alleine von Berlin nach Frankfurt Zug fahren lassen.

12h45 Da ich den mini-monsieur bei meinen Eltern abholen muss, kann ich sie nicht begleiten. Aber die andere Freundin hat eine Bahncard100. Sie und ihr Freund müssen eigentlich nach Köln. Aber der Umweg über Frankfurt bedeutet „nur“ gut eine Stunde mehr Fahrtzeit und so erklärt sie sich bereit, die Hitzegeplagte bis Frankfurt zu begleiten. Da ihr Freund schon ein Zugticket hat, werde ich mit ihm bis Bielefeld fahren und er dann weiter bis Köln.
Und damit alles nicht so spät wird, duschen wir schnell hintereinander weg, packen, füllen Wasserflaschen, schmieren Brote, organisieren Traubenzucker, schneiden Apfelschnitze bis wir um

13h55 im Auto Richtung Hauptbahnhof sitzen. Während der Fahrt reserviere ich sowohl für Berlin-Frankfurt als auch Berlin-Köln jeweils 2 Sitzplätze.

14h15 Wir sind am Bahnhof und kämpfen kurz mit dem Ticketautomaten, der kein Bargeld will. Dann schnell zum Gleis.

14h32 Die zwei Frankfurt-Reisenden sind schon im Zug, als die Berliner Freundin in letzter Minute zwei Eis in den Zug reicht. Und dann fahren sie auch schon pünktlich (!) ab. Richtung Köln bzw. Bielefeld ist die Abfahrt am Gleis gegenüber. Wir schlendern zur Wagenstandsanzeige und begeben uns danach ans letzte Ende des Bahnsteigs (Doppelzug, letzter Wagen). Die Freundin bringt auch uns Eis.

14h47 Eigentlich sollte der Zug jetzt abfahren, aber es wird eine Verspätung von 15 Minuten angezeigt. Die Berliner Freundin verabschiedet sich.
Dann entdecke ich, dass die Wagenreihung umgedreht ist. Also mit Sack und Pack zur Bahnsteigmitte. Allerdings ist da die Anzeigetafel defekt und über die Lautsprecher hören wir nix. Mehrmals zücke ich das Handy und jedes Mal zeigt die App mehr Verspätung an. Zum Schluss sind es 50 Minuten. Und als die fast um sind, fährt ein ICE ein. Allerdings kein Doppelzug. Aber die Anzeige ist ja defekt und Personal ist weit und breit nicht zu sehen. Jaja, welcome to Berlin and German efficacy…
Die Außenanzeigen des Zugs zeigen auch nichts an und so gucke ich kurzfristig auf die Anzeige im Zug. Nein, dieser Zug fährt NICHT nach Köln. (Und ich wüsste zu gern, wie viele Leute falsch eingestiegen sind.)

15h40 Unser Zug fährt mit funktionierender Klimaanlage ab. Und voll wie der Zug ist, sind wir beide sehr froh, dass wir reserviert haben.
Die Verspätung ist mittlerweile auf über eine Stunde gewachsen und ich witzele auf Englisch mit meinem Mitfahrer darüber, dass das bitte so bleiben soll, da wir so wenigstens entschädigt werden.
Wir nutzen die Zeit zum Quatschen bzw. Kennenlernen, denn ich habe den ominösen Iren meiner Freundin erst gestern zum ersten Mal gesehen.

17h30 Dank einem außerplanmäßigem Halt erreichen wir Hannover erst jetzt. Der Zug bleibt ziemlich lang stehen und kurz bevor er wieder losfährt, kommt Unruhe auf: Mehrere Fahrgäste verlassen übereilt den Zug. Auf Nachfragen höre ich, dass der Zug wohl nicht in Bielefeld halten wird.
Äh, Moment mal, da muss ich aber hin. Ich suche den Zugbegleiter, der schon ziemlich genervt wirkt, mir aber bestätigt: Kein Halt in Bielefeld. Ich habe keine Lust auf Panik und denke, dass ich sicherlich auch von Hamm nach Bielefeld komme. Kann mir aber nicht verkneifen, den DB-Angestellten darauf hinzuweisen, dass eine Info zu diesem Fakt durchaus hilfreich wäre. Ich werde barsch abserviert.

17h45 Der Zug fährt an und ich recherchiere nach Verbindung von Hamm nach Bielefeld. Alle mit Warnhinweis: Fahrt fällt aus wegen Unwetter und Baum auf der Strecke zwischen Hamm und Bielefeld.
Da ertönt die Zugansage: Kein Halt in Bielefeld, aber dafür in Minden und von da gibt es eine Verbindung nach Bielefeld. Bin froh, im Zug geblieben zu sein.
Auf dem Stück nach Minden fährt der Zug mitten durch das Unwetter. Es blitzt links und rechts und es regnet heftigst.

18h15 Gleich in Minden. Ich verabschiede mich von meiner irischen Zugbegleitung (und freue mich, dass die Freundin so einen sympathischen Kerl abbekommen kennengelernt hat). Dann stehe ich im nordostwestfälischen Niemandsland auf dem Bahnhof. Zum Glück hat die Bäckerei noch auf, denn ich habe Hunger. Hätte ja eigentlich schon vor einer Stunde in Bielefeld ankommen sollen.
Ich vertreibe mir die Zeit, informiere meine Eltern, twittere und dann ist es auch schon

19h02 und der Zug gen alte Heimat fährt ein.
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Kurz vor Herford vermelde ich meinen Eltern, dass alles fährt und so mein Vater sich losmacht, um mich vom Bahnhof in Bielefeld abzuholen. Da kommt auf einmal beim Halt in Herford die Durchsage, dass der Zug erst weiterfahren könne, sobald der Streckenkontrollwagen in Bielefeld angekommen sei und grünes Licht gebe. Ich stelle mich auf weitere längere Verzögerungen ein, da geht es auch schon weiter mit dem „ersten Zug seit vier Stunden, der Bielefeld anfahren wird“ (O-Ton Zugansage).

19h45 Ich bin endlich in Bielefeld. Hier ist es kühl. Der Bahnhof steht unter Wasser.
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Mein Papa ist da und kurz drauf bin ich dann auch bei meinen Eltern und dem mini-monsieur. Große Freude beim Kind. Er hat mich aber (zum Glück) nur wenig vermisst und möchte beim nächsten Mal zwei Nächte allein bei Oma und Opa bleiben.
Wir essen.
Der mini-monsieur badet.

21h05 Während die Freundin mit dem Umweg über Frankfurt mittlerweile in Köln angekommen ist, ist ihr Freund derweil in Hamm gestrandet und nichts geht mehr.

22h00 Lese dem mini-monsieur vor und bleibe bei ihm, bis er eingeschlafen ist. Dann rede ich noch mit meinen Eltern.

0h30 Es ist so angenehm durch die Abkühlung, dass wir gar nicht merken, dass es schon ziemlich spät ist. Ab ins Bett. Ich sehe noch, dass um 23h00 nun auch der Ire in Köln angekommen, und dann schreibe ich diesen Text fertig.

8 Gedanken zu „Liebes Tagebuch am Fünften (Juli)

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