Was nicht sein kann, das nicht sein darf

Meine größte Angst rund um den mini-monsieur ist, dass ihm was Schlimmes durch einen Fremden angetan wird (siehe Frage 5). Sie ist aktuell noch größer als früher. Denn der mini-monsieur macht seit einiger Zeit große Schritte Richtung Selbstständigkeit. Er will – und ich gestehe es ihm auch zu – eine deutlich längere Leine. Seit einer Weile sitze ich also äußerlich total ruhig z.B. auf dem Spielplatz rum, während ich innerlich versuche, einen Teil von mir abzuspalten, der dem Kind ungesehen hinterher kann mein Kind sich außerhalb meiner Sichtweite bewegt. Zum Glück habe ich keinen Flüchter, sodass das Kind immer wieder zur Basis zu mir kommt und sich vergewissert, dass ich noch da bin. Allerdings haben wir beide eine unterschiedliche Definition von „immer mal wieder“.

Aktuell ist Stoffel in Frankfurt. Abgesehen davon, dass das in „unserem“ Park stattfindet, ist es einfach eine so schöne Idee und Möglichkeit, den Sommer zu genießen. Heute waren wir auch da und der mini-monsieur guckte alleine Kindertheater, während ich auf unserer Decke in der Sonne entspannte. Später kamen Freunde dazu. Das Kind hüpfte hier rum und da rum, fand neue und bekannte Freunde und hatte Spaß. Irgendwann begleitete er den Kumpel zum Getränkestand und traf daneben auf ein paar Kindergartenfreundinnen und -freunde. Und während der Kumpel dort bliebe, kam der mini-monsieur kurz zurück, um sich seine Schuhe anzuziehen, damit er besser kicken konnte. Die Freundin und ich nutzten die Gelegenheit, in Ruhe zu schwätzen.

Auf einmal kam der mini-monsieur zu uns und meinte sehr ernst: „Mama, der Horst* sagt, Du sollst sofort zu ihm kommen.“ „Was ist denn passiert?“ „Du sollst kommen,“ antwortete er in einer Art, die keinen Widerspruch zuließ. Ich ging meinem Kind hinterher und fand den Kumpel mit einem mir fremden Mann diskutierend. Ich war verwirrt. Die Diskussion war nicht sehr freundlich. Der Kumpel wirkte aggressiv – eigentlich nicht das erste Attribut, das man ihm zuschreiben würde. So hatte ich ihn bislang nur einmal erlebt. Ich fragte, was passiert sei. „Er hat Fotos von den Kindern gemacht, als sie gespielt haben,“ erklärte er mir. Das sei doch nichts Schlimmes, mischte sich der Fremde ein. „Oh doch,“ antwortete ich „sie können doch nicht einfach Personen, insbesondere Kinder, fotografieren, mit denen sie nicht verwandt sind.“ Der Kumpel klärte mich auf, dass er die Polizei gerufen habe. Denn, nachdem er den Fremden aufgefordert hatte, die gemachten Bilder von den Kindern** zu löschen, hatte er gesehen, dass auf dessen Handy wohl noch weitere Kinderfotos waren. Mich schüttelte es – innerlich. Ich sagte der Freundin Bescheid, damit sie als Anwältin an der Seite ihres Mannes sein konnte, und blieb dann auf unserer Decke.

Von dort aus konnte ich sehen, als die Polizei kam. Dass sie lange mit dem Fremden sprachen. Dass der Kumpel und die Freundin noch einen Moment mit den Kindergarten-Eltern sprachen. Dass der mini-monsieur noch ein bisschen mit seinen Freundinnen und Freunden spielte. Dann kamen die drei zurück.

Der Fremde hat wohl einen Platzverweis bekommen. Aber wie wirkt der? Und wie lang? Das ist schon unheimlich. Das ist doch „unser“ Park. In dem „unser“ Spielplatz ist. Wann taucht der da wieder auf? Und wie kann ich mein Kind schützen? Das war ja kein tätlicher Angriff und die Kinder hatten es auch nicht so wirklich mitbekommen. Auch die Eltern nicht. Nur der Kumpel hatte es gesehen. Und der ich glücklicherweise mit einer wunderbaren Zivilcourage gesegnet. Aber wer hat denn sowas noch?

Selbst die anwesenden Eltern – insbesondere der Vater des betroffenen Mädchens – haben es wohl nicht geschafft, sich darüber aufzuregen. Vielleicht weil sie es nicht wahrhaben oder sich vorstellen wollten.

Aber Gefahren dieser Art lauern nunmal „überall“. Und ich denke daran, dass ich erst gestern diesen Artikel las und daraufhin direkt conva anschrieb, um zu fragen, ob ein solches Training auch bei uns (Kiga, Hort, Schule) machbar ist. Da kam ich mir noch leicht hysterisch vor.

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* Name geändert

** Welche Kinder er genau fotografiert hat, weiß ich nicht. Wohl eine kleine Freundin des mini-monsieurs, die so auf einem Stein saß, dass ihr unter das Kleidchen zu gucken (und zu fotografieren) war.

*** Dafür regte sich die Freundin umso mehr auf – vor allem über den Vater.

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