6 Jahre Liebe

Mein lieber mini-monsieur,

keine Sorge, ich werde jetzt nicht anfangen, Dir jährlich auf meinem Blog zu schreiben. Das nächste Mal voraussichtlich wenn überhaupt wieder, wenn Du 18 Jahre wirst. Aber ich finde: Der 6. Geburtstag ist schon was Besonderes. Immerhin bedeutet er in Deinem Fall, weil Du ja weder Kann- noch Zurückstell-Kind bist, dass tatsächlich die reine Spielzeit vorbei ist Schulzeit nun bevorsteht. Und außerdem möchte ich mal festhalten, dass in den vergangenen Jahren ja nicht „alles“ schief gelaufen ist, sondern dass Du trotz allem das tollste Kind bist, das ich mir vorstellen kann.

So ganz geheuer ist Dir die Sache mit der Schule nicht. Also, die Schule selbst schon. Und endlich mehr zu lernen, findest Du auch spannend. Aber das frühe Aufstehen, das für uns zwei notorische Langschläfer ein große Herausforderung sein wird, macht Dir Angst.

Ja, ein Langschläfer bist Du schon immer – auch schon direkt nach der Geburt. Und überhaupt ein eigentlich recht guter Schläfer. Einziges Problem ist, dass Du immer noch nicht in Deinem Bett durchschläfst. Es ist der Normalfall, dass Du irgendwann nachts zu mir kommst. Zum Glück werde ich nicht mehr davon wach, aber Nächte, in denen Du nicht kommst, sind dennoch erholsamer.

Für Dich wäre es vermutlich auch (noch) erholsamer, wenn Du nachts besser Luft bekämst. So ganz ausgegoren ist das nicht mit Deinen oberen Atemwegen. Du schnarchst – irgendwie schon immer – wie ein großer. Und wenn Du verrotzt bist, gerne auch wie drei betrunkene Seemänner.

Aber weder das nächtliche Wandern noch die „Atemprobleme“ scheinen Deine Kräfte zu beeinträchtigen. Deine Energie scheint manchmal endlos. Dabei kannst Du mittlerweile Deine Grenzen gut einschätzen und weißt ziemlich genau, was Du Dir zutrauen kannst und was nicht. Wir haben da auch mit der Zeit eine gute Balance gefunden zwischen dem, wie ich Dich fordern darf und sollte, und wann ich wirklich Dein „nein“ akzeptieren sollte.

Dabei geht es mir nicht darum, Dich zu Höchstleistungen zu triezen, sondern Dir zu zeigen, dass es lohnt, nicht immer gleich „Kann ich nicht“ zu brüllen, wenn man es noch nicht einmal versucht hat. Aber letztlich hast Du eh den größeren Ehrgeiz von uns beiden. Ich hoffe, dass ihr zwei, also Du und Dein Ehrgeiz, euch nicht später mal im Wege steht.

Aber noch bin ich da berechtigter Hoffnung. Seit diesem Jahr machst Du Aikido. Daran hast Du viel Spaß. Dass Du die letzte Passage noch nicht mitmachen konntest, weil Du noch nicht solange dabei bist, akzeptierst Du. Aber es motiviert Dich.
Sport ist eh sehr wichtig für Dich. Wenn der Tag mehr Stunden die Woche noch mehr Tage hätte, würdest Du noch mehr Sport machen wollen: Fußball, Handball, Schwimmen und Rugby.
Und mich freut, dass Du Dich auch fürs Radfahren und Wandern begeistern kannst. Deine Kondition dabei ist mehr als beachtlich. Und es ist (v.a. beim Wandern) immer lustig mit Dir, denn Du redest und redest und redest. Ich brauche gar keine Angst haben, Dich zu verlieren. Denn solange ich Dich höre, kannst du ja nicht so weit weg sein.

Doch nicht nur, wenn wir unterwegs sind, redest Du. Du machst Dir viele Gedanken und teilst sie mir auch gerne mit. Wir reden über vieles. Ich versuche eigentlich immer, Dir Deine Fragen zu beantworten. Dir Zusammenhänge zu erklären. Aber auch Dir bei Bedarf durchs Reden Ängste zu nehmen. Du interessierst Dich für vieles und gehst sehr neugierig und offen auf alles zu.

Deine Offenheit lässt mich auch oft staunend zurück. Denn sie geht einher damit, dass Du keine Scheu hast – vor allen Dingen nicht, auf Menschen zuzugehen. Du hast kein Problem damit, fremde Leute nach Informationen zu fragen (oder sie ungefragt Informationen zu versorgen). Manchmal zierst Du Dich einen Moment, aber wenn es Dir wirklich wichtig ist, dann heißt es: „Hoppla, hier bin ich“. Dein Selbstvertrauen lässt mich stolz lächeln.

Was Du erfreulicherweise bei all dem nicht vergisst, ist Höflichkeit. Du bist ein ziemlich höfliches und zuvorkommendes Kind. Du bedankst Dich in Normalfall ohne weiteres Zutun. Dabei murmelst Du Dir auch nichts in der Bart oder versteckst Dich hinter mir. Du weißt auch wann Du „bitte“ sagen sollst. Und wenn ich zum zweiten Mal nicht auf „Waas?“ reagiere, dann weißt Du auch, dass Du lieber „Wie bitte?“ fragen solltest.

Allen Einzelkind-Klischees zum Trotz bist Du sehr sozial – insbesonderen Jüngeren gegenüber. Im Kindergarten kümmerst Du Dich um die Kleineren und auch auf dem Spielplatz nimmst Du Rücksicht. Du gibst auch gerne ab. Und manchmal bist Du dann schon sehr enttäuscht, wenn Deine Gabe nicht angenommen wird.

Was wohl ein wichtiges Element in Deinem Leben ist und bleiben wird: Musik. Es fing schon früh an, dass Du alles gesungen hast. Und auch heute noch singst Du immer wieder eigene Melodien mit eigenen Texten, bekannte Melodien mit eigenen Texten und umgekehrt. Oder auch mal bekannte bzw. gelernte Lieder, die Du im Chor singst.
Bis vor Kurzem warst Du bei der musikalischen Früherziehung. Doch da war die Luft raus und Du wolltest endlich mal „echte“ Instrumente spielen: Schlagzeug und Geige sind Deine derzeitigen Wunschinstrumente. Die Musikschule bietet zum Glück die Möglichkeit, verschiedene Instrumente über einen beliebigen Zeitraum zu testen. Und so schwingst Du derzeit hochkonzentriert und motiviert die Drumsticks.

Ich bin sehr gespannt, wohin das alles noch führen wird und ich freue mich sehrsehrsehr, dass ich Dich dabei begeleiten darf.

Ich liebe Dich!

Deine Mama

3 Gedanken zu „6 Jahre Liebe

  1. Pingback: Zerfressen | Groß-Stadt-Ansichten

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