Ein Traum

Immer wenn ich auf dem Land – also irgendwo, wo ich nur mit dem Auto hinkomme – bin, genieße ich die Weite, die Ruhe, die Beschaulichkeit, die Freiheit, das Sorglose und die frische Luft. Wenn ich da bin, denke ich: „Ach, irgendwie. Warum eigentlich nicht?!“

Doch dann, wenn ich aus der Idylle wieder Richtung Stadt fahre und der Weg immer länger und länger wird, dann überkommt mich mein Drang nach Unabhängigkeit. Und ich frage mich, wie es die Leute vom Land ertragen, von einem Auto abhängig zu sein.

Denn so gut ich mit mir allein sein kann, so sehr brauche ich das Gefühl, jederzeit in die Zivilisation eintauchen zu können. Und zwar zu Fuß oder mit dem Rad. Für mich keine Zeit so tot wie die im Auto. Ich weiß es sehrsehrsehr zu schätzen, dass ich mit dem Rad zur Arbeit komme, dass ich ohne Auto alles einkaufen kann, was ich brauche (außer Möbel), dass der mini-monsieur alles seine Aktivitäten fußläufig erreichen kann, dass ich mit dem Rad genauso schnell im Grünen bin wie im nächsten Museum.

Und doch fehlt mir was. Etwas, von dem ich dachte, dass es mir nur das Land geben kann. Doch dann ging mir auf, dass es etwas ist, was ich vorrangig auf dem Land erlebt habe, aber vielleicht wahrscheinlich gar nicht Land-exklusiv ist. Denn, wann immer ich aufs Land fahre, bin ich nicht allein, sondern treffe mich mit Leuten. Und eigentlich immer – zumindest, wenn es mir besonders gut gefällt – haben diese Treffen so einen Kommunencharakter. Jetzt nicht im Sinne von Kommune 1, aber ich mag dieses lose Zusammensein und sich gleichzeitig verbunden fühlen. Jeder kann kommen und gehen, wann er will. Sich dazu setzen oder halt sein eigenes Ding machen. Man fühlt sich für einander vernatwortlich, aber gesteht sich gleichzeitig jeden Freiraum zu.

So etwas hätte ich gerne. In der Stadt. Das ist mein Traum:

Ein großes Haus mit Garten, so gelegen, dass wir kein Auto brauchen, in dem wir – also der mini-monsieur und ich – zusammen mit ein paar anderen – ein oder zwei weiteren Parteien – fest wohnen. Jede Partei hat ihren eigenen Bereich (und gerne auch ihr eigenes Bad), ihren Rückzugsort. Es gibt definierte Gemeinschaftsräume (u.a. die Küche) und es gibt Gästezimmer, die Freunden jederzeit offen stehen.

Dieser Traum begleitet mich schon eine ganze Weile. Und ist sicherlich in der letzten Zeit sehr davon genährt worden, dass ich nie wieder diese Isolationshaft erleben möchte und dass ich gerade erlebe, wie viel es mir gibt, dass in meinem Zuhause wieder Leben einkehrt durch das fast regelmäßige Kommen und Gehen von Freundinnen.

Jetzt muss ich mich wohl auf die Suche nach Mitbewohnern und einem geeigneten Objekt machen.

Ein Gedanke zu „Ein Traum

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