Was wäre anders, wenn …

Schon seit einiger Zeit geistert die Frage

Was wäre, wenn ich ein Mann wäre?

initiiert von “Ich mach mir die Welt” durch das Internet. Ich habe es mittlerweile schon an mehreren Stellen gesehen. Zuletzt bei der guten nike – da habe ich es jetzt einfach mitgenommen.

Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du ein Mann wärst?

Meine Eltern haben mich verhältnismäßig genderneutral erzogen: Ich durfte in Mathe gut sein (und in Sprachen schlecht). Ich durfte auf Bäume klettern (und meine einzige Puppe doof finden). Meine Eltern haben beide gearbeitet – meine Mama ab Wiedereintritt in die Arbeit immer Vollzeit; mein Papa war dafür immer wieder mal zu Hause. Als ich Inschenör werden wollte, wurde ich bestärkt. Als ich kurz nach dem Abi andeutete, ich könnte ja ein freiwilliges, soziales Jahr machen, wurde ich von meine Mutter fast enterbt, weil ich bloß nicht das Ausbeuten in den Sozialberufen unterstützen sollte. Meine Eltern haben immer wieder über Jahre eine Entfenungsbeziehung geführt, was wohl mein Beziehungsbild nachhaltig beeinflusst hat. Ich habe früh gelernt, dass man frau für den Alltag keinen Mann braucht.

Vermutlich führe ich daher – ehrlich gesagt – ein recht männliches Leben. Also das, was man landläufig darunter versteht. Mal abgesehen davon, dass ich alleinerziehend mit dem mini-monsieur bin. Ich habe einen geschlechtsneutralen Beruf. Ob ich in diesem als Mann gelandet wäre, vermag ich nicht zu sagen, aber ausgeschlossen ist es nicht. Ich glaube, wenn ich ein Mann wäre, hätte ich wohl kein Kind. Vermutlich wäre ich als ziemlicher „Macho“ unterwegs. Kein Bock auf Bindung. Meine Freiheiten genießen. Ich würde regelmäßig zum Sport gehen und ab und zu mich mit Kumpels treffen.

Wenn ich ganz isoliert meinen aktuellen Alltag betrachte, dann wäre vermutlich der mini-monsieur nicht bei mir – also würde nicht bei mir leben. Sondern bei der Mutter und ich würde Unterhalt zahlen und mein Kind (hoffentlich) regelmäßig sehen.

Was tust du nur deshalb, weil du eine Frau bist?

Etwas, was ich tue, weil ich Mutter bin: mich um den mini-monsieur kümmern. Und es stand auch für mich außer Frage, dass der mini-monsieur bei mir bleibt.

Ansonsten: Augenbrauen zupfen; schminken (zumindest gelegentlich); BHs tragen; monatlich bluten; an mir (und v.a. meinem Körper) zweifeln; Beine, Arme und Bikinizone rasieren; Nägel lackieren; Prosecco trinken

Aber davon mal ab, glaube ich, dass ich meine Zunge mehr kontrolliere. Also nicht immer meinem Sarkasmus, meinem schwarzen Humor so freien Lauf lasse, wie es mir manchmal auf der Zunge liegt.

Was tust du nicht / welche Dinge lässt du lieber, weil du eine Frau bist?

Mich darauf verlassen, dass sich irgendwas ohne mein Zutun verändert oder regelt. Ich bewundere manchmal die stoische Ruhe von Männern, wenn es darum geht (unangenehme) Dinge zu erledigen: Wenn ich mich lang genug taub, blind, unfähig stelle, macht es sicherlich jemand anders.

Und was viele Frauen auch nicht machen: Mich alleine nachts irgendwo alleine rumtreiben.

Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?

Ich persönlich fühle mich durch Klischees nicht beeinträchtigt. Das klingt vielleicht überheblich, aber ich habe jetzt wirklich lange drüber nachgedacht, welche Kilschees wohl gemeint sein könnten:

Haushalt ist Frauensache: Das war sicherlich Thema in der Vergangenheit. Und ich habe sicherlich mehr Hausarbeit neben dem Job erledigt, als ein Mann.
Frauen sind nett und adrett: Das Klischee habe ich noch NIE erfüllt. Darüber denke ich gar nicht nach.
Frauen können kein Mathe/ Naturwissenschaften: Da bekomme ich eh das Grausen und bin der lebende Gegenbeweis.

Es hängt auch immer davon ab, wer das Klischee im Kopf hat und ob das mich persönlich irgendwie tangiert. Ich glaube, je weniger ich mich von irgendwelchen Klischees beeinflussen lasse (oder davon, was irgendwer denkt), desto eher kann ich Dinge aufbrechen, indem ich meinen Törn durchziehe, OHNE explizit Klischees widerlegen zu wollen. Dadurch übergehe ich die Klischees einfach und führe sie ad absurdum.

Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Frauen zu gehören.

Eine spezielle Situation fällt mir nicht ein. Aber als Frau wird man sicherlich etwas weniger schief angeguckt, wenn man zum 987. Mal früher los muss, weil das Kind krank ist, die Kita streikt oder oder ist.

Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

So gar keine Rolle spielt das Geschlecht vermutlich nie. Denn irgendwie ist es doch irgendwie immer eine Zusammenspiel der Geschlechter. Aber das wäre an sich ja nicht schlimm, wenn es dadurch keine Benachteiligung gäbe.

Bist Du froh eine Frau zu sein?

Ich bin halt eine Frau. Ich finde das jetzt nicht sonderlich schlimm und bin damit im großen und ganzen auch zufrieden, aber ich habe mir das ja nicht ausgesucht. Vermutlich ist es aber ganz gut, dass ich eine Frau bin, denn ich glaube, dass ich als Mann ein Arsch geworden wäre.

3 Gedanken zu „Was wäre anders, wenn …

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