Noch vier Wochen

Lieber mini-monsieur,

jetzt bist du bald sechs Jahre alt. Und ich würde gerne schreiben, dass nun die erste große Veränderung in Deinem Leben bevorsteht. Aber leider gab es in Deinem erst kurzem Leben schon ein paar einschneidende Erlebnisse.

Wenn ich höre, wie Du manchmal redest, wie Du Dich klein machst und schlecht über Dich selbst sprichst, wird mir schmerzlich bewusst, dass Du noch mehr von den Auseinandersetzungen zwischen Deinem Papa und mir bekommen hast, als mir klar war/ ist. Darunter leide ich bewusst wohl genauso stark, wie Du unbewusst.

In den vergangenen sechs Jahren bist Du schon zweimal umgezogen. An den ersten Umzug erinnerst Du Dich nicht bewusst. Der zweite war dafür umso einschneidender: Du musstest dadurch Deine ersten guten Kumpels verlassen. Noch heute sprichst Du von ihnen.

Leider ist das nicht die einzige Trennung von Menschen, die Dir wichtig sind/ waren, die Du verarbeiten musst(est): Den ersten (temporären) Weggang von Deinem Papa hast Du noch relativ gut – wenn auch nicht spurlos – überstanden. Aber da musstest Du Dich auch nicht mit der Endgültigkeit auseinander setzen. Mit der warst Du im vergangenen Sommer konfrontiert. Und was anfangs noch nach einer halbwegs ruhigen Trennung aussah, endete darin, dass Du mit anhören musstest, dass Dein Papa mir, Deiner Mama, Schläge angedroht hat und zusehen musstest, dass Dein Papa von der Polizei aus der Wohnung gebracht wurde.

Die Ängste, die Dich danach begleiteten, haben uns sehr beschäftigt. Und auch wenn jetzt alles ruhiger wird und Deine Angst zurückgeht, ist da eine Narbe, von der ich gerade nicht sicher bin, wie sie verheilen wird.

Liebster kleiner mini-monsieur: Einige Dinge konnte ich Dir nicht ersparen, aber vor den anderen hätte Dich gerne beschützt. Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, aber ich hoffe noch bessere Lehren daraus zu ziehen – vor allen Dingen für Dich. Damit Du wieder unbeschwerter mit dem Leben und auch Dir umgehst.
Dafür bin ich für Dich da.
Für immer!

4 Gedanken zu „Noch vier Wochen

  1. Da gibt es einige Parallelen, leider, zwischen euch und uns. Und an manchen Tagen ist es so schwer, damit zu leben…

  2. Pingback: 6 Jahre Liebe | Groß-Stadt-Ansichten

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