Eine Geschichte voller Missverständnisse (und ja, es geht „darum“)

Jaja, damalsTM*, als den deutschen Werbeschauenden erklärt wurde, wo denn nun das Innere (einer Frau) ist, da hatte ich diesbezüglich schon so gelitten, dass ich mir alle vier Wochen wünschte, dass mein Inneres wirklich in meiner Hand wäre. Die hätte ich mir nämlich abhacken können.


Ich hatte Krämpfe, Schmerzen, Sturzblutungen. Ich litt regelmäßig und sicherlich wurde es mit der Zeit auch sehr verstärkt durch die Angst vor der Angst. Ich bin nicht nur einmal unter Schmerzen zusammengebrochen (und schaffte es nicht mehr vom obersten Stock unserer Schule die Treppe runter). Dazu kam PMS deluxe, das fast immer auch damit einher ging, dass ich Höllenschmerzen in den Brüsten hatte. Regelmäßig habe ich meinen Körper verflucht.

Mal angesehen von einem kleinen medikamentösen Intermezzo gab es keine dauerhafte Lösung für mein Problem, bis ich mir die Hormonspirale einsetzen ließ, damit ich meine Diplomprüfungen und auch meine Diplomarbeit zumindest „davon“ unbeschadet überstehen konnte.

Die Wirkung setzte recht schnell ein: keine Blutung. Keine Schmerzen. Nichts. Und auch kaum PMS. Ich fühlte mich wie ein neuer Mensch und genoss meine Befreiung Glück knapp zwei Jahre. Dann ließ ich sie wegen einer „Sinnkrise“ wieder entfernen.

Saublöde Idee! Denn bis wieder Ruhe war, sollte es bis zur Schwangerschaft mit dem mini-monsieur – also vier Jahre – dauern. Aber allein die neun Monate ohne waren eine Wohltat. Daher und auch weil sicher war, dass es so schnell kein weiteres Kind geben wird, wollte ich mir, sobald meine Hormone wieder im Vorschwangerschaftsmodus waren, die Hormonspirale wieder setzen lassen würde. Was soll ich sagen, zweieinhalb Monate** nach der Geburt lag die Spirale.

Nun musste das gute Stück raus. Und da ich zur Zeit keinen Partner habe und es auch ein teurer Spaß ist, wollte ich mir keine neue legen lassen. Um vorbereitet zu sein, stand ich nach sieben Jahren das erste Mal wieder vor einem Hygieneartikel-Regal und fühlte mich wie ein Mann ziemlich überfordert: diverse Größen, Formen, Farben. Duftstoff. Mit Flügel, ohne Flügel. Rechtsdrehende und linksdrehende Rillen. Herrje, ich wollte doch nur Binden und Tampons.

Dann harrte ich (an-)gespannt der Dinge, die da unweigerlich kommen würden. Und was soll ich sagen?!

Ich habe es NICHT vermisst. Ich fühle mich nicht weiblicher oder mehr im Einklang mit mir, nur weil meine Gebärmutter Schleimhaut aufbaut und wieder abstößt, und überlege, ob ich dem Spuk nicht doch gleich wieder ein Ende machen will.***

—————————————————–

* 1994

** Als drei Wochen nach der Geburt der Wochenfluss versiegte, machte ich mir kurzfristig Sorgen. Als dann aber eine Woche später meine Periode wieder kam, sagte meine Hebamme nur: „Herzlichen Glückwunsch. Du bist wohl besonders fruchtbar.“

*** Blöderweise habe ich gerade eine kleine Stimme im Kopf, die murmelt: „Aber vielleicht triffst Du ja in absehbarer Zeit doch noch den einen, mit dem Du Dir ein weiteres Kind vorstellen kannst. Und noch bist Du ja auch noch keine 40 Jahre und so bis 42 kannst Du es Dir ja auch noch vorstellen.“

3 Gedanken zu „Eine Geschichte voller Missverständnisse (und ja, es geht „darum“)

  1. Ich hatte eine Pille mit viel Östrogen, gegen Migräne während der Periode. Dann abgesetzt und schwanger zu werden. Mikropille, dann wieder schwanger. Dann Hormonspiralex. 3 Monate und dann weinend aufgegeben. Nicht vertragen (heißt: 3 Monate keine Pause und Gewichtszunahme.) und jetzt wieder Mikropille, aber seit Oktober endlich Ruhe.

  2. Pingback: Magnimmer | Groß-Stadt-Ansichten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s