Liebes Tagebuch am Fünften (Mai)

Schnaps für alle! Denn heute mache ich zum 33. Mal bei Frau Brüllens Tagebuch-Aktion mit.

Eigentlich wollte ich ja früher ins Bett. Aber dann habe ich noch gesurft und Nachrichten geguckt und gezappt, sodass es

1h00 war, als ich ins Bett gewandert bin. Direkt schalfen konnte ich nicht, denn da heute ein wichtiger Tag für den mini-monsieur ist, musste ich erstmal den Handy-Wecker optimieren. Aber mit zusätzlicher Vibration und ungefähr drei Stunden Wiederholung sollte dem pünktlichen Aufstehen nichts im Wege stehen.

6h30 bis 6h40 Ein Wecker jagt den nächsten. Ich hätte früher schlafen sollen.

7h12 Noch länger darf ich nicht im Bett bleiben, sonst kommt der mini-monsieur zu spät. Der schläft auch noch seelig. Ich wandere durch die Wohnung, um wach zu werden.

7h25 Ich starte den ersten ernstzunehmenden Weckversuch bei meinem Kind. Er würde noch so gerne liegen bleiben. Und so wirklich lockt es ihn auch nicht, dass er in einer Stunde zum Kennenlerntag an der Grundschule sein soll. Ich lasse ihn noch ein bisschen. Und gehe duschen.

7h35 Das Kind ist wach. Ich ziehe mich an und versuche den mini-monsieur auch ins Textil zu bekommen. Es ist – wie eigentlich immer morgens – ein zähes Unterfangen. Ich bereite sein Frühstück, das er mit in die Schule nehmen wird. Für ein erstes Frühstück zu Hause ist es (ihm) zu früh.

8h10 Das Kind ist angezogen. Ich habe noch Zeit mich zu maskerieren. Dann Schuhe an, Rucksack auf und los zur Schule.

8h20 Ankunft an der Grundschule. Es sind schon viele Kinder da – aus anderen Kindergärten. Aber auch zwei Kindergarten-Freundinnen mit ihren Eltern sind schon da. Die drei ziehen zusammen und ohne Scheu los.

8h30 Drei Lehrerinnen kommen raus und begrüßen die Kinder einzeln. Sehr angenehm zu sehen, wie sie auf die Kinder zugehen. Der mini-monsieur sagt seinen Namen und stellt sich wie selbstverständlich auf. Er freut sich mehr, als dass er Angst hat. Im Gegensatz zu seiner einen Freundin, die er schon seit Geburt kennt. Er und die Dritte im Bunde nehmen sie zwischen sich an die Hand. Toll zu sehen, wie sie sich gegenseitig Stärke geben können.

8h40 Die Kinder sind in der Schule und ich werde jetzt mal versuchen, die Kröte zu killen. Im Zimmer der Schulleitung ist nur der Stellvertreter. Aber der ist sehr sympathisch und hört sich mein Anliegen an.

8h50 Ich bin wieder zu Hause. Erstmal schnell ein Brot und Tee machen. Dann hole ich den Job-Laptop raus. Denn bis ich den mini-monsieur wieder abholen kann, mache ich HomeOffice – irgendwie. Aber irgendwie auch nicht. Denn gerade ich nicht so viel zu tun. Ich drehe also meine Runde im Netz.

Heute ist übrigens Welt-Hebammentag. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass es ein Trauertag ist, denn in Deutschland wird gerade ziemlich viel dafür getan, um die Hebammen abzuschaffen. Damit würde nicht nur viel Wissen über gesunde Schwangerschaft, interventionsarme Geburt und Wochenbettpflege verloren gehen, sondern uns Frauen bzw. den Paaren wird dadurch auch das Recht auf Selbstbestimmung und Wahlfreiheit bei der Geburt genommen. Wenn sich nicht was tut für die Hebammen, werden Kinder bald ausschließlich in Krankenhäuseren geboren. Unter ärztlicher Anleitung. Im Wochenbett müssen die Frauen zu den Ärzten, denn es wird niemanden mehr geben, der zu ihnen kommt.
Wie das wäre, wird heute demonstriert. Denn die Hebammen streiken. Es gibt keine Kurse, keine Sprechstunde, keine Hausbesuche, keine Nachsorge. Und ich finde, dass es endlich mal Zeit wurde, dass sie das machen.
Aktuell gibt es wieder eine Petition. Ja, mal wieder eine 🙂 Diese richtet sich ganz konkret an den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen. Bitte zeichnet diese Petition mit, damit der Druck erhöht wird.
Darüber hinaus gibt es seit Kurzem einen Verein, der sich aus der Elterninitiative „Hebammenunterstützung.de„. Noch ist nicht alles umgestellt, aber wie auch bei der Petition ist jedes Mitglied ein Gewicht mehr in der Waagschale.

10h15 In einer halben Stunde muss ich wieder los, um den mini-monsieur abzuholen. Außer diesen Eintrag anzufangen, habe ich noch nicht viel Produktives geleistet.

10h35 Mach ich’s noch schnell oder nicht?! Ach komm, doch noch flott die Spülmaschine ausräumen.

10h50 Jetzt aber los. Drei Schritte vor die Haustür, vier Tropfen. Nochmal retour für den Schirm.

11h01 Als sich die Tür öffnet, strömen noch glühende und strahlende Kinder aus der Schule. Sie sehen aus, als seien sie in den vergangenen zweieinhalb Stunden gewachsen. Jetzt sind sie groß genug, um in die Schule zu gehen. So ist es auch etwas schwierig, sie vom Schulhof loszueisen. Kindergarten? Jetzt? Pöh, das ist doch für Babies.

11h15 „Ich will für immer in die Schule gehen,“ verkündet der mini-monsieur zum Abschied im Kindergarten. Keine Ahnung, was an der Schule passiert ist, aber sie haben ihre Sache gut gemacht. Einmal mehr denke ich, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

11h20 Auf geht’s ins Büro. Ach, so kurze Tage wären schon was.

11h45 Ankunft im Büro. Habe noch etwas Zeit, um mich auf ein gleich anstehendes Telefonat vorzubereiten.

12h00 Mit der einen Kollegin rufe ich zusammen die Kundin an. Das Gespräch ist für 15 Minuten angesetzt, aber es werden über 60. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll. Aber mir brummt der Kopf.

13h15 Wir gehen zum Mittag. Irgendwie finde ich es nett, dass wir eine Kantine habe. Klar, das Essen ist nicht immer super, aber eigentlich ok.

14h00 Ich bin wieder am Platz und werde jetzt noch ein bisschen was schaffen.
Für den Rest des Arbeitstages ärgere ich mich mit Reisekostenabrechnungen rum, kläre Zuständigkeiten für verschiedene Projekte und verfolge interessiert, wie rasend schnell die Unterzeichnerzahl für die Petition hoch geht.

17h40 Ich würde jetzt gerne gehen, denn wirklich was anfangen kann ich jetzt auch nicht mehr. Heute ist eh so ein Tag (womöglich sind’s die Hormone), an dem ich mir wünsche irgendwas anderes zu machen. Oder wenigstens meinen Job nur in Teilzeit. Oder dass ich mit meiner Idee schon weiter wäre. Oder irgendwie alles zusammen. Vermutlich würde schon ein anderer Kunde reichen.

18h00 Zeit bis zum Feierabend totgesurft. Jetzt schnell den Bus erwischen.

18h15 Der Bus kommt und kommt nicht. Dafür treffe ich eine Ex-Kollegin, die nun im Gebäude nebenan arbeitet. Wir haben den gleichen Weg mit Bus und Bahn und quatschen die ganze Zeit.

18h45 Zu Hause bereite ich direkt Pfannkuchenteig vor. Der mini-monsieur und Mary Poppins scheinen noch das gute Wetter zu nutzen.

18h50 Weil wir kein Bratfett mehr haben und auch kein Apfelmus und Wasser, hirsche ich noch einmal schnell los zum Supermarkt ums Eck.

19h00 Wieder zu Hause. Mein Kind kommt zeitgleich. Ich bereite die Pfannkuchen vor, der mini-monsieur entspannt eine Runde vor dem Fernseher.

20h00 Pünktlich klingeln die Studenten, denen ich über eine fb-Gruppe meine seit über einem Jahre im Keller verottenden stehenden IKEA-Regale andrehen konnte. Sie nehmen alles mit, was an Ivar erinnert. Sehr schön.
Der mini-monsieur versucht derweil den Papa vie Skype zu kontaktieren.

20h15 Keller leer. Naja, leerer. Endlich antwortet Frankreich via Skype.

21h00 Ich bin baff: Der Vater nimmt Rücksicht auf die Zeit und möchte von sich aus das Gespräch beenden. Der mini-monsieur nimmt es dankbar an.
Dann rufen wir noch kurz den französischen Opa an, denn der hat heute Geburtstag.

21h15 Nun ist es Zeit für Pyjama und Zähneputzen – also für den mini-monsieur.

21h45 Das Kind liegt endlich im Bett – in meinem. Ich zappe und surfe und begehe nebenher einen Mord. Auch wenn ich das Thema womöglich überstrapaziere: Die aktuelle Petition sprengt gerade diverse Rekorde. Tag 5 und schon über 60.000 UnterstützerInnen. Mittlerweile unterstützen sogar Nena und Nina Hagen die Petition und verbreiten sie über ihre SoMe-Kanäle. Das ist gut. Und tut der Sache gut. Wir brauchen prominente Gesichter. Aber auch kluge Ideen.

23h00 Ich bin müde. Die letzten Nächte waren kurz. Ich hoffe, dass ich es bald ins Bett schaffe. Gute Nacht!

Ein Gedanke zu „Liebes Tagebuch am Fünften (Mai)

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