Vertragsunterzeichnung und Krötenwanderung

Der mini-monsieur und ich haben so ein paar Themen miteinander, bei denen wir immer häufiger aneinander geraten. Und als ich letztens diesen interessanten Artikel las, fing ich an darüber nachzudenken, ob das nicht wenigstens einen Versuch wert wäre, unsere Diskussionen zu entzerren. Und nachdem mir gestern so dermaßen der Kragen geplatzt ist, dass ich immer noch ziemlich zerknirscht bin, hatte ich dann abends beschlossen, dass wir nun mal endlich so ein Belohnungs-Token-Was-auch-immer-System einführen müssen. Wir besprachen zusammen, was es zu erfüllen gibt und was es für eine Belohnung gibt. Und damit das Ganze auch etwas offizieller wirkt und wir ja auch die Regeln irgendwie fixieren wollten, malten wir zusammen unseren „Lego-Vertrag“, den wir auch beide unterschrieben. Wir sind uns also „ab sofort“ darüber einig, dass

  • nach dem Toilettengang gespült wird, die Hände gewaschen werden und das Licht im Bad (innenliegend ohne Fenster) ausgemacht wird
  • das Essen vom Teller ohne Umweg im Mund landet und dabei vor allen Dingen Gabel (und Messer) eingesetzt werden – und NICHT die Finger
  • Anziehen am Morgen und am Abend mehr oder weniger in dem Moment ausgeführt wird, wenn ich dazu auffordere.

wpid-2015-05-31-20.33.50.jpg.jpegDie Regeln sind, dass er in den drei definierten Bereichen in der 1. Phase jeweils 20 Haken (wollte der mini-monsieur) sammeln kann. Wenn das 20er-Feld voll ist, bekommt er 20 Legosteine. Je nachdem, wie gut sich dadurch die „Probleme“ schon gelöst haben, werden in Phase 2 ganze Tage belohnt oder bei „Fehlverhalten“ Haken und damit letztlich Legosteine abgezogen. Das werde ich mir überlegen, wenn es soweit ist.

Mein Wunsch und meine Hoffnung ist, dass sich dadurch diese drei Punkte positiv verselbstständigen und sie einfach kein deutlich geringeres Konfliktpotential bergen.

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Diese Radtourgeschichte ist immer noch nicht geklärt. Die „Gegenseite“ scheint eine sehr krude Sicht auf den Hergang zu haben und sich sehr im Recht fühlen. Mich hingegen hat die Geschichte so genervt, dass ich nach zwei Wochen Schweigen eine Karte geschrieben habe, mit der ich mitgeteilt habe, dass ich das Verhalten nicht verstünde und eine Erklärung erwarten würde. Aber irgendwie wirkt diese Kröte, als wäre sie nicht nur einmal überfahren worden, sondern als wäre noch einmal jemand im Rückwärtsgang drübergefahren.
In zwei Wochen heiratet das Paar. Und wenn bis dahin die Situation nicht geklärt ist, werde ich nicht hingehen und gut Wetter machen, während sich alles in mir dagegen streubt.

Und weil gerade Krötenwanderzeit in meinem Leben zu sein scheint, habe ich auch noch eine familiäre Kröte. Vielleicht liegt es an mir. Vielleicht bin ich doch adoptiert oder vom Mars oder sonst irgendwie in diese Familie geraten. Auf jeden Fall kann ich gerade mit bestimmten Verhaltensweisen nicht gut umgehen bzw. mir ist meine Zeit und Energie zu schade, wenn ich das Gefühl habe, dass nicht wirklich was zurückkommt.

Zu einer kleinen Baby-Kröte ist die Riesen-Kröte der letzten Monate der Kindesvater mutiert. Wenn es nicht immer wieder unnötige Energie absorbieren würde, könnte ich darüber mittlerweile sehr lachen. Aber noch beschränke ich mich aufs Kopfschütteln.

Worauf warten?!

Ich und mein Bauch hatten mal ein ziemlich gutes Verhältnis. Wenn ich mich auf was verlassen konnte, dann auf mein Bauchgefühl. Das führte nicht selten zu Aktionen, die nach „mit dem Kopf durch die Wand“ aussahen – zumindest für Außenstehende. Aber diese Entscheidungen und Aktionen aus dem Bauch heraus sind die, die ich nie bereut habe und die mich immer am weitesten gebracht haben.

Doch irgendwann habe ich aufgehört wirklich auf meinen Bauch zu hören. „Ja, aber“, sagte der Kopf oder: „Das gehört sich so.“ An einigen Stellen habe ich mich von allem Möglichen leiten lassen – nur nicht von mir selbst.

Ich will jetzt auch nicht über die Vergangenheit klagen, denn ich kann sie ja nicht ändern. Aber ich muss mir überlegen, was ich daraus für mich jetzt ziehen kann. Zumal mein Bauch gerade mit mir spricht. Naja, er schreit mich eher an – und zwar zu mehreren Themen:

Wohnung: Die Wohnung, in der wir wohnen ist toll. Sie ist groß, hat einen tollen Balkon, liegt gut. Sie ist für ihre Größe zwar nicht zu teuer, aber sie ist zu teuer für mich. Aber direkt nach der Trennung wollte ich den mini-monsieur nicht noch weiter belasten wollte. Außerdem war es praktisch, dass die Kita direkt nebenan ist. Und es hing ja auch in der Schwebe, ob wir uns wegen der Grundschule nicht doch noch stadtteiltechnisch umorientieren müssten/ sollten.
Aber nun habe ich keine „Ausreden“ mehr – außer, dass ich eigentlich kein Geld für einen Umzug habe – und habe mich bei DER örtlichen Wohnungsbaugesellschaft angemeldet. Und einen Suchagenten habe ich auch eingerichtet.

Job: Hier dreht sich mein Magen regelmäßig um. Und das hat nichts damit zu tun, dass ich mich da, wo ich jetzt arbeite, nicht wohl fühle. Aber dieses Agenturleben ist nichts mehr für mich. Aber irgendwie habe ich mich in den letzten Jahren dann doch von Agentur zu Agentur gehangelt – ein bisschen aus Ermangelung an Alternativen zum anderen aus ökonomischem Druck heraus.
Ich hätte wirklich gerne einen Teilzeitjob. So 30-35 Stunden pro Woche fände ich super. Weil mir das einfach etwas mehr Flexibilität böte. Auch möchte ich nicht mehr von Kunden abhängig sein. Und vor allen Dingen möchte ich auch mal wieder für etwas arbeiten, dass nicht nur etwas verkaufen will, sondern auch irgendwie was Gutes tun will.
Und ich möchte mich um meine Idee kümmern.

Äußeres: Ich fühle mich angepasst wie noch nie. Und in mir drin wütet aber mein Punk. Ich hasse hochhackige Schuhe. Ich hasse Kostümchen und Hosenanzüge. Und Blusen, die über meine Oberweite gehen, gibt es eh nicht. Ich will mal wieder die Haare bunt. Und das werde ich auch bald machen.

Sport: Nicht nur mein Bauch, sondern jede Faser meines Körpers verlangt nach Ertüchtigung. Schwimmen wäre toll und Yoga. Doch gerade bin ich mal wieder krank. Ich bin ja schon froh, dass ich zur Arbeit 5 km hin und 5 km zurück zur Arbeit fahren kann. Aber die 10 Kilometer reichen nicht. Aber ich muss irgendeine Möglichkeit finden.

Kopf: Mein Geist braucht eine Herausforderung. Jetzt nochmal studieren muss nicht sein, aber irgendwas muss ich machen. Vielleicht eigne ich mir noch eine Sprache im Selbststudium an. Vielleicht eine skandinavische Sprache? Dänisch und Schwedisch sind mir gefühlt näher. Aber irgendwer meinte mal, dass man mit Norwegisch in ganz Sknadinavien am besten durchkommt. Oder Niederländisch?

Wie heißt es: Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Und ich bin froh, dass ich auch schon ein paar Schritte weiter bin. Aber ich habe noch Weg vor mir. Doch warten kommt nicht mehr infrage. Worauf auch? Es wird keiner für mich tun.

Valiept

Seit 17 Tagen spricht der mini-monsieur mindestens einmal pro Tag – vorzugsweise abends im Bett – davon, wie sehr er Paula vermisst.

Vor 17 Tagen hat er sie im RegionalExpress (RE 4256) von Frankfurt Richtung Koblenz kennengelernt. Schon kurz nach der Abfahrt um 11h08 sprach er sie – ein bisschen von mir aufgemuntert – an. Zusammen vertrieben sie sich die Zeit mit Spielen, durch den Zug flitzen und zusammen Fotos machen.

Kurz bevor wir in Boppard aussteigen mussten, fotografierten sie sich noch gegenseitig. Und als wir ausstiegen, war der mini-monsieur untröstlich. Den restlichen Tag sprach er nur von Paula. Als wir am nächsten Tag durch Koblenz fuhren, erwähnte er seufzend: „Bis hierhin ist Paula mit dem Zug gefahren.“

Ich dachte, dass er sie vergessen würde, aber er hört nicht auf, von ihr zu sprechen. Und weil er nicht aufhört:

PAULA DRINGEND GESUCHT!

Paula ist 6 Jahre alt und kommt dieses Jahr in die Schule. Zusammen mit ihrer Mutter ist sie am Freitag, den 1. Mai von Frankfurt bis Koblenz gefahren. Von Koblenz auch sollte es noch mit dem Bus weitergehen.

Es wäre ein großer Zufall, wenn Paulas Mama hier mitliest. Aber vielleicht haben wir ja Glück. Oder irgendwer von Euch Leserinnen und Lesern kennt wen, der wen kennt… oder so.

Noch vier Wochen

Lieber mini-monsieur,

jetzt bist du bald sechs Jahre alt. Und ich würde gerne schreiben, dass nun die erste große Veränderung in Deinem Leben bevorsteht. Aber leider gab es in Deinem erst kurzem Leben schon ein paar einschneidende Erlebnisse.

Wenn ich höre, wie Du manchmal redest, wie Du Dich klein machst und schlecht über Dich selbst sprichst, wird mir schmerzlich bewusst, dass Du noch mehr von den Auseinandersetzungen zwischen Deinem Papa und mir bekommen hast, als mir klar war/ ist. Darunter leide ich bewusst wohl genauso stark, wie Du unbewusst.

In den vergangenen sechs Jahren bist Du schon zweimal umgezogen. An den ersten Umzug erinnerst Du Dich nicht bewusst. Der zweite war dafür umso einschneidender: Du musstest dadurch Deine ersten guten Kumpels verlassen. Noch heute sprichst Du von ihnen.

Leider ist das nicht die einzige Trennung von Menschen, die Dir wichtig sind/ waren, die Du verarbeiten musst(est): Den ersten (temporären) Weggang von Deinem Papa hast Du noch relativ gut – wenn auch nicht spurlos – überstanden. Aber da musstest Du Dich auch nicht mit der Endgültigkeit auseinander setzen. Mit der warst Du im vergangenen Sommer konfrontiert. Und was anfangs noch nach einer halbwegs ruhigen Trennung aussah, endete darin, dass Du mit anhören musstest, dass Dein Papa mir, Deiner Mama, Schläge angedroht hat und zusehen musstest, dass Dein Papa von der Polizei aus der Wohnung gebracht wurde.

Die Ängste, die Dich danach begleiteten, haben uns sehr beschäftigt. Und auch wenn jetzt alles ruhiger wird und Deine Angst zurückgeht, ist da eine Narbe, von der ich gerade nicht sicher bin, wie sie verheilen wird.

Liebster kleiner mini-monsieur: Einige Dinge konnte ich Dir nicht ersparen, aber vor den anderen hätte Dich gerne beschützt. Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, aber ich hoffe noch bessere Lehren daraus zu ziehen – vor allen Dingen für Dich. Damit Du wieder unbeschwerter mit dem Leben und auch Dir umgehst.
Dafür bin ich für Dich da.
Für immer!

Mal eben

  • Erste Klasse fahren ist schon nett.
  • Seitdem ich ein neues Handy habe, behauptet der mini-monsieur er habe ein eigenes. Dabei darf er „nur“ mein abgelegtes mit ausgewählten Apps und ohne SIM-Karte nach Absprache benutzen.
  • In Bielefeld wird das Vatertagsbrauchtum sehr gepflegt. Es wäre womöglich etwas überheblich, zu behaupten, dass der Ostwestfale im allgemeinen einfach jeden Grund nutzt, um zu trinken, wenn die vielen jüngeren Männer Halbwüchsigen es nicht rund um den Obersee unter Beweis gestellt hätten.
  • Da das Kind total verrotzt ist, sind wir kurzerhand – hahaha, 50 Minuten mit dem Bus – nach Bad  Salzuflen gefahren, damit er mal an den Saline den Rotz gelöst bekommt.
    Musste feststellen, dass der kleine lippische Kurort durchaus hübsch, wenn nicht pittoresk ist.
  • In den FernÜberlandbussen gibt es WLAN. Ja, kostenlosen Internetzugang in einem öffentlichen Verkehrsmittel. Welche große Stadt bietet das schon?!
  • Zwei Tage litt ich unter fiesestem Muskelkater. Ich konnte kaum laufen. Auch hinsetzen und aufstehen waren eine Qual.
  • Das nicht mehr ganz so babyische Babymädchen ist sehr entzückend. Irgendwie könnte man da ja auf dumme Gedanken kommen.
  • Wenn die Arminia aufsteigt, kommt auch so’n Ostwestfale mal aus sich raus.
  • Der mini-monsieur’sche Sorgenfresser hat seit gerade das alte Handy im „Maul“ in der Hoffnung, dass es so besser trocknet, nachdem es im Klo gelandet war.

12 von 12

Es ist nicht mein erstes Mal „12 von 12“. Ich habe ab und an mal via instagram mitgemacht. Heute also auch mal auf dem blog (und deppert wie ich bin, klappt das Einbinden der ig-Bilder nicht):

#1: Um 7h15 klingelt mein Handy. Mein heutiger Zahnarzt-Termin fällt aus, da der Meister selbst der Zahnarzt krank ist. Also bekomme ich erst nächste Woche die mehr als überfällige PZR.wpid-img_20150512_072506.jpg#2: Zwischen 4 und 5h00 hat er neben mir rumgespukt, sich gewälzt, gequatscht. Dann habe ich ihn zum Schlafen gezwungen. Das Resultat: Um 7h30 schnarcht er immer noch.wpid-img_20150512_073049.jpg#3: Ich gehe also erstmal duschen.wpid-img_20150512_082504.jpg#4: Solange es nicht in Strömen regnet, fahre ich mit dem Rad zu Arbeit. Außerdem habe ich heute Mittag einen Termin und da bin ich mit dem Rad schneller.wpid-img_20150512_090659.jpg#5: Da ich ja zum ersten Mal in zehn Jahren Frankfurt auf der Schäl Sick in Sachsenhausen arbeite, muss ich morgens – wie hier über die Obermain-Ignaz-Bubis-Brücke – und abends – dann über die Flößer-Brücke – über den Main und freue mich immer über den tollen Blick auf die Skyline.wpid-img_20150512_091120.jpg#6: Im Büro mache ich mir immer erst einen Milchkaffee und eine Kanne Früchtetee.wpid-img_20150512_091608.jpg#7: Eigentlich haben wir ja eine Kantine und ich finde es auch gut, zum Essen den Platz zu verlassen. Aber meine heutige Mittagspause muss ich für einen Termin bei meiner Psychologin verwenden. Also gibt es schnell eine Suppe am Platz.wpid-img_20150512_122922.jpg#8: Ich schließe hoffentlich die Reisekostenabrechnung einer meiner chaotistischen Dienstreisen (Brombeere verloren, zu spät zur unterbesetzten Veranstaltung, falsche Rückflugtag gebucht) überhaupt ab.wpid-img_20150512_145516.jpg#9: Ich hatte eigentlich Lust auf Schokolade. Habe dann aber doch erstmal einen Joghurt und einen Apfel gegessen. Schlussendlich bin ich doch in die Kantine und habe mir ein Eis gekauft.wpid-img_20150512_163426.jpg#10: Kurz vor Feierabend schüttet es so, dass ich fürchte definitiv nicht trocken zu bleiben auf dem Rückweg. Und das Fahrrad kann um 18h00 noch nicht mit in den Bus nehmen. Aber als ich rausgehe, ist nur mein Sattel nass. Der Regen ist schon weitergezogen.wpid-img_20150512_180649.jpg#11: Heute muss ich zum ersten Mal in die Grundschule zum Elternabend. Die Stühle sind klein und die engen Reihen machen zudem jedem Flieger Konkurrenz. Passenderweise bekam der stellvertretende Leiter am Ende CharterflugApplaus.wpid-img_20150512_195601.jpg#12: Ich war ja kurz davor, nach dem Elternabend einen Schnaps zu trinken. Aber allein Alkohol trinken ist irgendwie doof und Schokoladensahne auf Bananen (ich schwöre, die waren da unten drin in der ❤ Mumin-Schüssel) macht irgendwie glücklicher.wpid-img_20150512_222640.jpg

Meilensteine

Die Einschulung rückt immer näher. So war ja letztens Kennenlerntag in der Grundschule. Und weil es dem mini-monsieur dort so gut gefiel, sah ich mich genötigt, endlich mal die Ranzenentscheidung zu finalisieren. Ich hatte ja schon vor einer Weile, nachdem ich den Stiftung-Warentest-Bericht gelesen hatte, beschlossen, dass es ein Scout Alpha werden sollte.

Eigentlich ist es bis zum Geburtstag noch über einen Monat hin, aber ich war dennoch keinen Moment zu früh, wie ich feststellen musste. Denn einige Designs des gewünschten Modells waren nur noch schwer zu bekommen. Um die Entscheidung kurz zu halten, bot ich meinem Kind zwei Designs an. „Ich weiß nicht, Mama, ich finde die beide gut“, kommt es wenig hilfreich aus seinem Mund. „Entscheide Du.“ Na toll. Aber erfreulicherweise ist meine Mutter (und edle Stifterin des Ranzen) ja mittlerweile Smartphone- und WhatsApp-tüchtig, sodass ich ihr die beiden Designs zuschickte und sie letztlich entschied.

Zwei Meilensteine im Leben mit Kind erreicht: Nun hat der Sohn einen Ranzen (also wird einen haben) und ich habe gefühlt ein Diplom in Raketenwissenschaft. (Das lag beim Ranzen dabei.)

Im Kindergarten stehen die Zeichen auch auf Sturm Streik Schulanfang: Der Schulwegepass steht an. Gestern bekamen vormittags die Kinde einer erste Einweisung – mit einem Polizisten, der vom mini-monsieur auch als Autorität angenommen wurden. Denn ich wurde belehrt, dass er, also der mini-monsieur, NICHT auf der Straße fahren dürfte. Auch nicht, wenn ich dabei bin oder wenn der Bürgersteig zugeparkt ist. Ich war kurz davor zu fragen, ob er denn überhaupt erlauben würde, dass Kinder Rad fahren. Und damit wir Eltern auch auf dem neusten Stand der StVO sind, bekamen wir nachmittags auch eine Einweisung, die in dem wirklich komischen Höhepunkt endete, dass der Heinzel mit ca 20 Erziehungsberechtigten im Schlepptau über den Zebrastreifen vor dem Kindergarten ging, ein Stück die Straße hoch wanderte, bis zur ersten Ampel, um dort die Straße, die wir zuvor via Zebrastreifen passiert hatten, zu überqueren. Dann kommt zum Glück eine kleine Querstraße, sodass wir auch das Straßeüberqueren zwischen Autos üben konnten. Und kamen dann nach 50 Metern wieder heil am Kindergarten an. Ich weiß jetzt wenigstens, dass sich bei Einfahrten die Bepflasterung ändern muss: farblich, Anordnung der Steine, Pflasterart.

Und während ich so im Entenlternmarsch zweimal an meinem Haus vorbeilief, absolvierte der mini-monsieur einen weiteren Meilenstein. Alleine. Ohne mich. Aber mit mir wäre es auch nicht gegangen, denn er ging ganz alleine und selbstständig vom Kindergarten zum Aikidotraining.*,**

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* Ist allerdings auch kein sonderlich dramatischer Weg, da er KEINE Straße überqueren muss.

** Am Wochenende gab es eine kleine Generalprobe: Als er zu Besuch bei der einen Kindergartenfreundin war, ist er mit dieser allein zum nächsten Kiosk (keine Straßen) gegangen, um sich Eis zu kaufen.

Eine Geschichte voller Missverständnisse (und ja, es geht „darum“)

Jaja, damalsTM*, als den deutschen Werbeschauenden erklärt wurde, wo denn nun das Innere (einer Frau) ist, da hatte ich diesbezüglich schon so gelitten, dass ich mir alle vier Wochen wünschte, dass mein Inneres wirklich in meiner Hand wäre. Die hätte ich mir nämlich abhacken können.

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In der Ruhe liegt die Kraft

Einatmen, ausatmen. Endlich geht das wieder. Ungestresst. In Ruhe. So viel Ruhe, dass ich bereit bin, Angebote zu machen. Und es lässt den mini-monsieur in sich reinhorchen. Er fühlt gerade viel. Viel ist noch nicht klar. Und vieles vom Rest ist tendenziell negativ. Geprägt von Vermissen: Er vermisst jetzt schon den Kindergarten-Kumpel, der im Sommer wegziehen wird. Er vermisst seine Zugbekanntschaft Paula. Er vermisst die Freundin, mit der wir geradelt sind. Er vermisst Köln. Er vermisst Oma und Opa.

Und er vermisst den Papa. Und Frankreich.

Ich weiß nicht, ob er das vorher nicht gefühlt hat. Oder ob er (zu sehr) gespürt hat, wie angespannt ich war und es deswegen nicht zugelassen hat. Die Situation der vergangenen fünf Monate ist nicht spurlos an ihm vorbeigegenagen. An keinem von uns.

Und so bin ich froh, dass wir endlich wieder mal Ruhe haben. Eine Ruhe, die uns beiden Kraft gibt. Dem mini-monsieur Kraft, sich seinen Gefühlen zu stellen, sie zu artikulieren. Und mir die Kraft, seine Gefühle anzunehmen, ihn zu unterstützen. Ich habe mich die ganze Zeit über bemüht, ihm nicht das Gefühl zu geben, dass der Papa keine Rolle mehr in seinem Leben spielen darf. Aber ich merke selbst, wieviel einfacher es mir fällt, seitdem ich endlich wieder durchatmen kann.

Liebes Tagebuch am Fünften (Mai)

Schnaps für alle! Denn heute mache ich zum 33. Mal bei Frau Brüllens Tagebuch-Aktion mit.

Eigentlich wollte ich ja früher ins Bett. Aber dann habe ich noch gesurft und Nachrichten geguckt und gezappt, sodass es

1h00 war, als ich ins Bett gewandert bin. Direkt schalfen konnte ich nicht, denn da heute ein wichtiger Tag für den mini-monsieur ist, musste ich erstmal den Handy-Wecker optimieren. Aber mit zusätzlicher Vibration und ungefähr drei Stunden Wiederholung sollte dem pünktlichen Aufstehen nichts im Wege stehen.

6h30 bis 6h40 Ein Wecker jagt den nächsten. Ich hätte früher schlafen sollen.

7h12 Noch länger darf ich nicht im Bett bleiben, sonst kommt der mini-monsieur zu spät. Der schläft auch noch seelig. Ich wandere durch die Wohnung, um wach zu werden.

7h25 Ich starte den ersten ernstzunehmenden Weckversuch bei meinem Kind. Er würde noch so gerne liegen bleiben. Und so wirklich lockt es ihn auch nicht, dass er in einer Stunde zum Kennenlerntag an der Grundschule sein soll. Ich lasse ihn noch ein bisschen. Und gehe duschen.

7h35 Das Kind ist wach. Ich ziehe mich an und versuche den mini-monsieur auch ins Textil zu bekommen. Es ist – wie eigentlich immer morgens – ein zähes Unterfangen. Ich bereite sein Frühstück, das er mit in die Schule nehmen wird. Für ein erstes Frühstück zu Hause ist es (ihm) zu früh.

8h10 Das Kind ist angezogen. Ich habe noch Zeit mich zu maskerieren. Dann Schuhe an, Rucksack auf und los zur Schule.

8h20 Ankunft an der Grundschule. Es sind schon viele Kinder da – aus anderen Kindergärten. Aber auch zwei Kindergarten-Freundinnen mit ihren Eltern sind schon da. Die drei ziehen zusammen und ohne Scheu los.

8h30 Drei Lehrerinnen kommen raus und begrüßen die Kinder einzeln. Sehr angenehm zu sehen, wie sie auf die Kinder zugehen. Der mini-monsieur sagt seinen Namen und stellt sich wie selbstverständlich auf. Er freut sich mehr, als dass er Angst hat. Im Gegensatz zu seiner einen Freundin, die er schon seit Geburt kennt. Er und die Dritte im Bunde nehmen sie zwischen sich an die Hand. Toll zu sehen, wie sie sich gegenseitig Stärke geben können.

8h40 Die Kinder sind in der Schule und ich werde jetzt mal versuchen, die Kröte zu killen. Im Zimmer der Schulleitung ist nur der Stellvertreter. Aber der ist sehr sympathisch und hört sich mein Anliegen an.

8h50 Ich bin wieder zu Hause. Erstmal schnell ein Brot und Tee machen. Dann hole ich den Job-Laptop raus. Denn bis ich den mini-monsieur wieder abholen kann, mache ich HomeOffice – irgendwie. Aber irgendwie auch nicht. Denn gerade ich nicht so viel zu tun. Ich drehe also meine Runde im Netz.

Heute ist übrigens Welt-Hebammentag. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass es ein Trauertag ist, denn in Deutschland wird gerade ziemlich viel dafür getan, um die Hebammen abzuschaffen. Damit würde nicht nur viel Wissen über gesunde Schwangerschaft, interventionsarme Geburt und Wochenbettpflege verloren gehen, sondern uns Frauen bzw. den Paaren wird dadurch auch das Recht auf Selbstbestimmung und Wahlfreiheit bei der Geburt genommen. Wenn sich nicht was tut für die Hebammen, werden Kinder bald ausschließlich in Krankenhäuseren geboren. Unter ärztlicher Anleitung. Im Wochenbett müssen die Frauen zu den Ärzten, denn es wird niemanden mehr geben, der zu ihnen kommt.
Wie das wäre, wird heute demonstriert. Denn die Hebammen streiken. Es gibt keine Kurse, keine Sprechstunde, keine Hausbesuche, keine Nachsorge. Und ich finde, dass es endlich mal Zeit wurde, dass sie das machen.
Aktuell gibt es wieder eine Petition. Ja, mal wieder eine 🙂 Diese richtet sich ganz konkret an den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen. Bitte zeichnet diese Petition mit, damit der Druck erhöht wird.
Darüber hinaus gibt es seit Kurzem einen Verein, der sich aus der Elterninitiative „Hebammenunterstützung.de„. Noch ist nicht alles umgestellt, aber wie auch bei der Petition ist jedes Mitglied ein Gewicht mehr in der Waagschale.

10h15 In einer halben Stunde muss ich wieder los, um den mini-monsieur abzuholen. Außer diesen Eintrag anzufangen, habe ich noch nicht viel Produktives geleistet.

10h35 Mach ich’s noch schnell oder nicht?! Ach komm, doch noch flott die Spülmaschine ausräumen.

10h50 Jetzt aber los. Drei Schritte vor die Haustür, vier Tropfen. Nochmal retour für den Schirm.

11h01 Als sich die Tür öffnet, strömen noch glühende und strahlende Kinder aus der Schule. Sie sehen aus, als seien sie in den vergangenen zweieinhalb Stunden gewachsen. Jetzt sind sie groß genug, um in die Schule zu gehen. So ist es auch etwas schwierig, sie vom Schulhof loszueisen. Kindergarten? Jetzt? Pöh, das ist doch für Babies.

11h15 „Ich will für immer in die Schule gehen,“ verkündet der mini-monsieur zum Abschied im Kindergarten. Keine Ahnung, was an der Schule passiert ist, aber sie haben ihre Sache gut gemacht. Einmal mehr denke ich, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

11h20 Auf geht’s ins Büro. Ach, so kurze Tage wären schon was.

11h45 Ankunft im Büro. Habe noch etwas Zeit, um mich auf ein gleich anstehendes Telefonat vorzubereiten.

12h00 Mit der einen Kollegin rufe ich zusammen die Kundin an. Das Gespräch ist für 15 Minuten angesetzt, aber es werden über 60. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll. Aber mir brummt der Kopf.

13h15 Wir gehen zum Mittag. Irgendwie finde ich es nett, dass wir eine Kantine habe. Klar, das Essen ist nicht immer super, aber eigentlich ok.

14h00 Ich bin wieder am Platz und werde jetzt noch ein bisschen was schaffen.
Für den Rest des Arbeitstages ärgere ich mich mit Reisekostenabrechnungen rum, kläre Zuständigkeiten für verschiedene Projekte und verfolge interessiert, wie rasend schnell die Unterzeichnerzahl für die Petition hoch geht.

17h40 Ich würde jetzt gerne gehen, denn wirklich was anfangen kann ich jetzt auch nicht mehr. Heute ist eh so ein Tag (womöglich sind’s die Hormone), an dem ich mir wünsche irgendwas anderes zu machen. Oder wenigstens meinen Job nur in Teilzeit. Oder dass ich mit meiner Idee schon weiter wäre. Oder irgendwie alles zusammen. Vermutlich würde schon ein anderer Kunde reichen.

18h00 Zeit bis zum Feierabend totgesurft. Jetzt schnell den Bus erwischen.

18h15 Der Bus kommt und kommt nicht. Dafür treffe ich eine Ex-Kollegin, die nun im Gebäude nebenan arbeitet. Wir haben den gleichen Weg mit Bus und Bahn und quatschen die ganze Zeit.

18h45 Zu Hause bereite ich direkt Pfannkuchenteig vor. Der mini-monsieur und Mary Poppins scheinen noch das gute Wetter zu nutzen.

18h50 Weil wir kein Bratfett mehr haben und auch kein Apfelmus und Wasser, hirsche ich noch einmal schnell los zum Supermarkt ums Eck.

19h00 Wieder zu Hause. Mein Kind kommt zeitgleich. Ich bereite die Pfannkuchen vor, der mini-monsieur entspannt eine Runde vor dem Fernseher.

20h00 Pünktlich klingeln die Studenten, denen ich über eine fb-Gruppe meine seit über einem Jahre im Keller verottenden stehenden IKEA-Regale andrehen konnte. Sie nehmen alles mit, was an Ivar erinnert. Sehr schön.
Der mini-monsieur versucht derweil den Papa vie Skype zu kontaktieren.

20h15 Keller leer. Naja, leerer. Endlich antwortet Frankreich via Skype.

21h00 Ich bin baff: Der Vater nimmt Rücksicht auf die Zeit und möchte von sich aus das Gespräch beenden. Der mini-monsieur nimmt es dankbar an.
Dann rufen wir noch kurz den französischen Opa an, denn der hat heute Geburtstag.

21h15 Nun ist es Zeit für Pyjama und Zähneputzen – also für den mini-monsieur.

21h45 Das Kind liegt endlich im Bett – in meinem. Ich zappe und surfe und begehe nebenher einen Mord. Auch wenn ich das Thema womöglich überstrapaziere: Die aktuelle Petition sprengt gerade diverse Rekorde. Tag 5 und schon über 60.000 UnterstützerInnen. Mittlerweile unterstützen sogar Nena und Nina Hagen die Petition und verbreiten sie über ihre SoMe-Kanäle. Das ist gut. Und tut der Sache gut. Wir brauchen prominente Gesichter. Aber auch kluge Ideen.

23h00 Ich bin müde. Die letzten Nächte waren kurz. Ich hoffe, dass ich es bald ins Bett schaffe. Gute Nacht!