Auswandern

Letztens überfällt mich der mini-monsieur mit dem Satz, dass er auswandern wolle. Aus Deutschland. Für einen kurzen Moment fürchte ich, dass er nach Frankreich migrieren wolle. Doch wir dröseln gemeinsam auf, dass es ihm darum geht, nicht mehr in Frankfurt wohnen zu wollen. Es kommt eigentlich so ziemlich alles in Frage außer Frankfurt.

Kurz überlege ich, ob das Hamburg-Trauma mal wieder hoch kommt. Oder dass er durch die Trennung vom Papa irgendwo anders sein will. Es könnte auch sein, dass ihm der feststehende Wegzug seines besten Kindergartenkumpels zu schaffen macht.

Doch es ist noch etwas anderes: Ein weiteres Kindergartenkind macht ihm das Leben schwer. Wie genau, kann ich nicht rausbekommen, aber es belastet ihn. Und vor allen Dingen belastet ihn, dass dieses Kind mit ihm auf dieselbe Grundschule gehen wird und womöglich in dieselbe Klasse. Und wenn alles blöd läuft, wohl auch in denselben Hort. Es belastet ihn so sehr, dass er keinen anderen Ausweg sieht als auswandern zu wollen. Das macht mich sehr traurig. Ich rede mit ihm, signalisiere ihm, dass ich für ihn da bin. Aber der mini-monsieur ist überzeugt, dass er nichts mit diesem Kind zu tun haben will. Allerdings sehe ich im Wegzug aus Frankfurt keine Lösung. Dann will er halt nicht dieses Jahr eingeschult werden, verkündet mein Kind. Ich spüre seine Wut und Hilflosigkeit über die Situation. Aber ist DAS die Lösung?! Ich versuche, ihn zu beruhigen und erkläre ihm, dass die Sache mit Klasse und Hort doch nicht sicher sei. Und dass es dann sowieso so viele neue Kinder geben wird, dass er sich um das eine gar nicht kümmern bräuchte. Nein, nein, nein, er will mit DIESEM Kind nichts gemeinsam haben.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, spreche ich seine Bezugserzieherin an: Ja, es gäbe da so Querelen, was genau wüssten sie auch nicht, aber es wäre deutlich, dass der mini-monsieur regelmäßig (!) den Kürzeren zöge. Mehr ist in der Kürze des Moments nicht zu erfahren, aber ganz glücklich bin ich mit der Position des Kindergartens nicht.

Nicht nur weil ich alleinerziehend bin, sondern auch, weil ich dieses Helicoptern In-Watte-Packen in allen Lebenslagen nicht mag, mute ich meinem Kind schon einiges zu. In vieles mische ich mich nicht ein, weil ich denke, dass sich das meiste „von selbst“ regelt. Aber ich kann und will nicht zulassen, dass ihm die Schule noch vor der Einschulung verleidet wird. Vor allen Dingen, weil es gar nicht um die Schule als solches geht. Und deswegen werde ich bei der Schule vorsprechen und fragen, ob bei der Klassenzusammenstellung berücksichtigt werden kann, dass der mini-monsieur auf keinen Fall mit diesem einen Kind in eine Klasse möchte.

3 Gedanken zu „Auswandern

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