I like to ride my bicycle

Ich bin absolut velophil. Ohne Rad fühle ich mich wie ein halber Mensch. Ich erwähnte es – glaube ich – hier irgendwann schon mal: Wenn meine Mutter mich bestrafen wollte, dann bekam ich kein Hausarrest (das wäre auch Strafe für alle gewesen), sondern ich bekam Fahrrad-Verbot. Und was habe ich es gehasst, zu Fuß zur Schule zu oder mit den Öffentlichen zu meinem damaligen Freund fahren zu müssen. Meinen schlimmsten Unfall habe ich auch auf dem Rad gehabt: Entgegen aller Absprachen bin ich mit der klapprigen Gurke meiner Mutter gefahren und über den Lenker abgestiegen. Resultat: Kieferbruch. Meiner Radliebe hat das keinen Abbruch getan.

Was ich mit dem Rad fahren kann, fahre ich mit dem Rad. Ich habe noch nie in meinem Leben ein Auto besessen (Die Autos die mir zeitweise zur Verfügung standen, gehörten immer meinen jeweiligen Partnern.) und ich habe nicht vor, mir eines zu kaufen. Schon gar nicht, um zum Job zu kommen. Für jemand Velophilen wie mich ist Frankfurt daher schon eine sehr gute Stadt: kurze Wege (wenn man nicht gerade in Höchst wohnt), Radwege oder breite Bürgersteige oder breite Fahrbahnen (oder und), die Möglichkeit gegen die wirklich vielen Einbahnstraßen fahren zu dürfen. Dadurch bin ich zum einen oft schneller von A nach B als mit den Öffis und zum anderen tue ich mich ziemlich schwer, Autofahrrouten durch Frankfurt zu beschreiben.

Diese Fahrradliebe habe ich epigenetisch an den mini-monsieur vererbt. Egal, wohin und wie weit: Er fährt und fährt und fährt. Sicherlich haben wir das gefördert. Kaum konnte er ordentlich sitzen, „musste“ er im Fahrradanhänger mit, damit er ja früh an die zweirädrige Fortbewegung gewöhnt würde.

HängerZum zweiten Geburtstag bekam er ein Laufrad. Wow, was war mein Kind auf einmal schnell. Und er hat es geliebt.

LaufradMit etwas mehr als drei Jahren fragte er dann mehr und mehr nach einem Fahrrad mit „echten“ Pedalen. Da der Geburtstag gerade war und ein Fahrrad zu Weihnachten irgendwie doof ist (naja, eigentlich nicht bei den komischen Wintern), besorgten wir ein gebrauchtes Fahrrad mit echten Pedalen in 14“ und ohne Stützräder. Was war der mini-monsieur happy und konnte gar nicht erwarten draufzusteigen. Und das tat er auch, als hätte er nie etwas anderes getan. Er setzte sich drauf und fuhr los.

14_ZollSeitdem fährt er. Und fährt. Und fährt. Mittlerweile (seit über einem Jahr) auf einem 18“-Rad. Und obwohl es keine Gangschaltung hat, ist ihm fast keine Steigung zu hoch und kaum ein Weg zu weit. Eine Fünf-Kilometer-Tour ist nichts für ihn. Nach 18 Kilometer an einem Tag ist er zwar abends müde, aber fragt am nächsten Tag auch gerne „Wann machen wir das wieder?“. Und wenn er den Turbo „einschaltet“, dann komme ich auch nicht mehr so ohne weiteres hinter ihm her.

18_ZollFrühzeitigst habe ich ihm die Gefahren des Straßenverkehrs erklärt: Er wartet an jeder Straßenkreuzung und Ampel, fährt – wann immer es geht – auf dem Radweg. Ist der Radweg auf der Straße, fährt er auf dem Bürgersteig. Dabei habe ich ihm eingebläut, dass er sich ebendiesen MIT Fußgängern teilt und dass er nur mit Rücksicht weiter kommt. So klingelt er rechtzeitig und bedankt sich, wenn ihm die Fußgänger Platz machen.

Es erfüllt mich durch aus mit Freude und mit Stolz, dass der mini-monsieur diese Fortbewegungsliebe mit mir teilt, und ich bin gespannt, wie das enden wird. Denn als ich letztens Lenker und Sattel bis kurz vor Anschlag hochstellen musste, war klar: Die nächste Größe muss her. „Mit Gangschaltung“, wünschte sich der mini-monsieur. Recht spontan guckten wir dann beim Dealer ums Eck und wurden fündig. Wenn es nach ihm und mir gegangen wäre, wäre es ein Mini-Mountainbike geworden. Doch dann siegte mein Mutter-Verstand, der sagte, dass es besser sei, wenn er erstmal noch eine Rücktrittbremse hat. Und so steht nun ein 20“-3-Gang-Nabenschaltungs-Rad bei uns im Keller und wartet auf seinen Auftritt zum Geburtstag des Kindes.

Aber pssst, er weiß nicht, dass er sein Wunschbike bekommt 😉

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