Das Gras auf der anderen Seite des Zauns

Das Gras auf der anderen Seite des Zauns soll ja bekanntlich immer grüner sein als da, wo man selbst gerade steht, oder als das, was man selbst gezogen hat. Wem es besser gefällt, kann auch gerne Nachbars Kirschen pflücken…

Ich persönlich kann dieser Denke nichts abgewinnen. Ich kann dieses ewige Vergleichen mit dem Kollegen, den Nachbarn, der Freundin, dem Bruder, der Schwester, mit weiß der Geier wem oder noch schlimmer mit FRÜHERTM nicht verstehen. Ich mag Neid nicht. Das ist eine Charaktereigenschaft, mit der ich nur ganz schlecht und nur ganz dosiert umgehen kann und vor allen Dingen will. Ich habe nie verstanden, warum sich mein sechs Jahr älterer Bruder immer mit mit verglichen hat. Und mich hat es bis aufs Mark genervt, dass für den Vater vom mini-monsieur früher immer alles besser war. Und wenn nicht früher, dann war es so, wie es war, aus Prinzip nicht gut.

Ich halte es da eher – um noch ein Sprichwort zu kloppen – mit: Jeder ist seines Glückes Schmied, aber nicht jeder Schmid hat Glück. Und so war ich letztens sehr irritiert, dass – als ich mit meiner Therapeutin darüber sprach, dass ich in meinem engsten Freundinnenkreis die einzige bin, die ein Kind hat, – sie mich fragte, ob ich mir die Freiheiten wünschen würde, die meine kinderlosen Freundinnen hätten.

Im ersten Moment verstand ich die Frage gar nicht wirklich. Habe ich weniger Freiheiten als meine kinderlosen Freundinnen??? Objektiv betrachtet vielleicht schon, aber da ich seit der Trennung wieder Freiheiten habe, die ich über sechs Jahre lang nicht hatte, ist mir das subjektiv egal. Ich habe im vergangen Jahr so viele tolle Dinge – insbesondere auch mit meinen kinderlosen Freundinnen – erlebt, dass es sich überhaupt nicht lohnen würde, auf die andere Seite des Zauns zu schielen. Meine Antwort lautete daher auch: „Warum sollte ich mir sowas wünschen?! Mein Leben ist ein Leben mit Kind. Das habe ich selbst gewählt. Und es ist jetzt gut so, wie es ist. Was nützt es mir zu überlegen, was wäre wenn?!“

Mir fällt auch ehrlich gesagt nicht viel ein, was ich anders machen würde, wenn ich mehr Freiheiten hätte… Sport… etwas mehr verreisen… Kultur… Aber eigentlich ließe sich auch das organisieren – mit Kind. Auf meiner Wiese. Mit meinen Kirschen…

Ein Gedanke zu „Das Gras auf der anderen Seite des Zauns

  1. Danke. Eine wunderbare Einstellung! Ich kann dieses allgemein übliche Gemotze und Genöle auch nicht haben. Meistens kommt es übrigens von denen, denen es eigentlich gut geht, sie merken es bloß nicht vor lauter Gemecker.
    Ich lese hier (nicht nur wegen dieses Postings) sehr gerne.
    Liebe Grüße von Ilsa

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