Tabula rasa

Es schwelt ja schon eine Weile zwischen dem mini-monsieur und mir. Vermutlich ist es auch die (noch) neue Situation als Zwei-Personen-Familie, die uns beide zu schaffen macht und an die wir uns auch jetzt erst richtig gewöhnen können. Ich weiß nicht, ob ich „nachsichtiger“ mit meinem Kind sein müsste. Doch gestern ist mir der Kragen geplatzt:

Da der mini-monsieur morgens gespuckt hat, bin ich mit ihm zu Hause geblieben. Während er auf dem Sofa lag und ein wenig litt und fernschaute und sein neues tiptoi-Buch ausprobierte, arbeitete ich ein wenig. Als ich fertig war, hatte er sein drittes Käsebrot gegessen und wirkte auch so wieder munter. Also beschloss ich, endlich mal die wartenden Retouren wegzubringen. Außerdem schadet frische Luft ja bekanntlich nicht wirklich. Wir wanderten also zum Kiosk, der auch gelbe Pakete annimmt, kauften auf dem Rückweg noch schnell Buchstaben-Nudeln und schnappten uns dann das letzte Paket, das beim Buchladen um die Ecke abgegeben werden muss. Auf dem Weg dorthin bot ich dem Kind an, dass er sich dort ein (kleines) Buch – und kein Spielzeug – aussuchen dürfte. Ich gab das Paket ab und er stürzte sich direkt auf ein Spielzeug. Ob er das haben könne. „Nein. Wir hatten doch ausgemacht: ein Buch, kein Spielzeug.“ Gut. Er guckte weiter und schnappte sich ein Buch über Dinos. Ich fragte, ob es das wirklich sein müsste, er habe doch schon diverse Bücher über Dinos. Er legte das Buch weg, um sich ein anderes über Dinos zu nehmen. Ich erwähnte erneute, dass er ja schon Bücher über die Steinzeitechsen habe.

Da passierte es: Er war nicht wirklich einverstanden und damelte mit dem Buch rum. Mit dem Resultat, dass es herunterfiel. Dann legte er es weg. Ich schaute noch nach einer Alternative, während er sich auf das nächste Spielzeug stürzte. Da kam die Buchhändlerin dazu mit dem Dino-Buch in der Hand, ob wir es nicht doch nehmen wollen. Ich verstand sie zuerst nicht richtig und meinte, dass wir schon so viele Dino-Bücher hätten. Da fummelte sie etwas betreten an der einen Buchecke rum und sagte, dass sie es so nicht mehr verkaufen könne. Mit der vom Runterfallen kaputten Ecke. Ich kaufte das Buch und wir gingen.

Auf dem kurzen Weg nach Hause sagte ihm, dass ich DAS Buch jetzt zwar habe kaufen müssen, aber dass er es sicherlich nicht bekäme, sondern dass wir es verschenken würden. Mir kamen fast die Tränen, weil ich mich so ärgerte. Ärgerte darüber, dass der mini-monsieur so rücksichtslos mit Dingen umgeht. Darüber, dass ich es wohl bislang noch nicht geschafft habe, ihm beizubringen, dass man mit Dingen – ob nun die eigenen oder aber insbesondere die nicht eigenen – pfleglich umzugehen habe. Und da sich das auch in seinem Zimmer zeigt, habe ich ihm gesagt, dass ich sein Verhalten mit dem Buch nicht gut fand und dass ich glaube, dass ihm etwas weniger Gedöns mal gut täte. Und so habe ich kurzerhand sein Zimmer ausgeräumt: die Lego-, die Playmobil-, die Holzeisenbahn- und die Murmelbahn-Kisten warten nun im Gästezimmer auf einen passenden Moment.

Anfangs flossen Tränen. Doch ich nahm den mini-monsieur immer wieder in den Arm und versicherte ihm, dass ich nicht ihn blöd fände, sondern dass ich mich nur über sein Verhalten ärgere und dass ich mir wünsche, dass er die „Dinge“ mehr respektiert. Und ich merkte, wie er mit jeder Umarmung und mit jeder Kiste weniger im Raum ruhiger wurde. Zum Schluss räumten wir den Rest des Zimmers zusammen auf und schmissen endlich mal diverse Dasbrauchichnochdarauskannichwasbasteln weg.

Ich bin gespannt, wann ihm welches Spielzeug fehlen wird. Aber gerade habe ich das Gefühl, dass ihm der leere Raum gut tut.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s