Sicherheit

Möglicherweise war es das Unbegreifliche an dem Flugzeugunglück, dass uns am Dienstag im Büro zunächst etwas flapsig reagieren lies. So antwortete eine Kollegin, nachdem ich vorgelesen hatte, dass Angela Merkel aufgrund des Unglücks alle Termine des Tages absagen würde: „Wieso? Die fliegt doch nicht mit Germanwings.“ Und ich gebe zu, ich habe es auch nicht verstanden, und frage mich, was das ändert. Den Rest des Tages verfolgte ich immer wieder die Ticker verschiedener Quellen und wunderte mich über die vielen inhaltslosen Meldungen. Informationen oder eben auch nicht rauspusten um jeden Preis? Durch meine SocialMedia-Kanäle schwappte eine Welle der Anteilnahme und Mitgefühl. Scheinbar alle posteten schwarze Schleifen, schwarze Profilbilder, irgendwas mit der Flugnummer. Warum fühlte ich mich nicht danach? Auch die abendlichen Nachrichten verfolgte ich irgendwie mehr unter professionellen Aspekten: Wie funktioniert das Krisenmanagement der beteiligten Akteure?

Mir fiel es schwer, die von den Medien heraufbeschworene Panik bezüglich Fliegen nachzuvollziehen. Und ich sah auch nicht, wie und dass von jetzt auf gleich der Ruf der als besonders sicher geltenden deutschen Fluggesellschaften beschädigt ist. Zu dem Zeitpunkt war noch gar nichts über die Ursache und den Hergang bekannt. Das Flugzeug ist das sicherste Verkehrsmittel überhaupt. Aber natürlich ist es trotzdem immer ein Risiko zu fliegen. Und im Gegensatz zum Auto trifft es im Unglücksfall mit dem Flugzeug immer gleich viel mehr. Der deutlich seltener Einzelfall ist dadurch natürlich gleich viel schrecklicher und größeren Außmaßes. Das verdrängen die meisten von uns immer. Und das ist auch gut so. Vielleicht Vermutlich war mir das beim Lesen der Nachrichten (zu) bewusst, sodass ich den Vorfall an sich sehr sachlich sehe und deswegen so wenig betroffen bin.

Was aber meine Erschütterung wachsen lässt, sind zum einen die wirklich immer schlechter werdende und sensationsgeile Berichterstattung in nahezu allen Medien und zum anderen die so plausibel und wahrscheinlich klingenden Details/ Ergebnisse der noch laufenden Untersuchungen, die erklären können, wie es zu diesem Unglück kam.

Bei den Medien hat sich irgendwie keiner mit Ruhm bekleckert. War es die Fassungslosigkeit über das Unglück, weswegen sie alle* das kleine Ein-mal-Eins des guten Journalismus vergessen verdrängt haben? Aus dem menschlich verständlichen Wunsch jedes Einzelnen, begreifen zu wollen, was, wie und warum es passiert ist, saugten die Journalisten nicht in ihrer Funktion sondern als Mensch jede vermeintliche Info auf und käuten diese mehr oder weniger verdaut wieder. Der Leitartikel der Frankfurter Rundschau vom 27.03.2015 bringt es gut auf den Punkt. Sich allerdings bei einem solchen Ereignis über die Berichterstattung der Bild aufzuregen, entbehrt auch jeder Sinnhaftigkeit. Und deren „Journalismus“ wird auch nicht besser, wenn man seine Empörung darüber mit Bildern und Screenshots dieses Printerzeugnisses in diversen Kanälen kundtut.

Seitdem es vermeintlich geklärt scheint, was, wie und warum es geschehen ist, scheint sich die „gierige Meute“ beruhigt zu haben. Die Berichterstattung wird gemäßigter. Das Ereignis ist deutlich weniger präsent. Reflektion findet (wieder) statt. Wenn auch bevorzugt erstmal vor anderen Haustüren als der eigenen gekehrt wird. (s.o.).

Was den Unfallhergang anbelangt, geht es mir so:

Ich weiß nicht, wie es mir gehen wird, wenn ich das nächste Mal fliegen muss. Mein Vertrauen in die Technik war und ist nicht beschädigt. Es bleibt halt immer ein Restrisiko – unterschiedlich groß je nach Fluggesellschaft. Aber der Risikofaktor Mensch ist nicht berrechenbar und wirkt auf einmal noch unberechenbarer.

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* Ich habe NICHT alle Berichterstattungen gelesen, gehört und gesehen. Der kleine Ausschnitt, vermutlich keine statisisch relevante Stichprobe, hat mir jedoch gereicht. Außerdem spiegelt dieser Blog nur meine Meinung wider.