Widerstand

So sehr es mich auch vor zwei Jahren gestresst hat, arbeitslos zu werden ohne was Neues in der Hand zu haben, so wenig hat es mich angekratzt, ALG 1 zu beantragen. Immerhin habe ich ja jahrelang brav für ebensolche Situationen eingezahlt. Trotzdem war ich – nicht nur finanziell – froh, dass ich diese Leistung nur zwei Monate in Anspruch nehmen musste.

Für dieses Jahr kündigte sich also wieder an, dass ich mich zumindest arbeitssuchend melden müsste. Auch wenn ich von der Kündigung schon seit Anfang November wusste, so hatte ich im November leider andere, dringlichere Baustellen. Da die Kündigung zum 28.2. galt, begann die Dreimonatsfrist am 1.12. und so schob ich die Meldung bis zum Stichtag vor mir her. Die vorangegangenen Male hatte ich per Telefon Meldung gemacht. Diesmal wollte ich – quasi Profi – es online machen: Ich klickte mich durch die Seite der Arbeitsagentur. Fand auch irgendwas, wo ich mich anmelden konnte.

Doch irgendwie kam mir das komisch vor. Also wählte ich vorsichtshalber doch die Servicenummer. Man beruhigte mich: Alles in Ordnung. Die Freischaltung würde ein paar Tage dauern und dann bekäme ich auch einen Termin schriftlich. Nun gut. Bis die Freischaltung durch war – ein Brief und noch ein Brief und das bei online-Verfahren – dauerte es schonmal zwei Wochen. Und das im Dezember. Damit war das Jahr auch so gut wie vorbei – ohne weitere Post vom „Amt“.

Im Januar: Keine weitere Info, keine Post. Das kam mir Ende des Monats dann so komisch vor, dass ich doch noch einmal anrief: Na prima. Es lang keine Arbeitssuchendmeldung von mir vor. Nix. Nada. Niente.

Aber man wolle mir die Unterlagen zuschicken und dann könne ich auch erklären, wie es zu dieser verspäteten Meldung gekommen sei. Mir ging trotzdem der Arsch auf Grundeis:

Ich wusste noch nicht, wie es nach dem 28.2. weitergehen würde. Hangelte mich gerade von Seuche zu Seuche inklusive Viren-Pingpong mit dem mini-monsieur. Musste mich mit den Nachwirkungen des ersten Gerichtstermin rumärgern. Und dann auch noch sowas. Was würde das finanziell bedeuten?

Der Februar brachte nichts Neues.

Dann war März: Ich wusste, dass es bald weitergehen würde. Hatte mich – unter anderem wegen der Zahnarztrechnung, die zur Februar-Sonderausgabe und der mittelhohen dreistelligen Stromnachzahlung dazu kam – dafür entschlossen, schon Mitte März und nicht erst am 1.4. anzufangen. Mit dem Vertrag auf dem heimischen Tisch gab ich meinen Antrag – für gerade mal 15 Tage. Das ganze dauerte fünf Minuten. Unterlagen schienen in Ordnung, ich wurde nicht zur verspäteten Meldung befragt. Puh, nochmal Glück gehabt.

Ein paar Tage später erhielt ich dann auch meinen Bescheid – inklusive Sperrfrist. Eine Woche kein Geld. Eine Woche in der ich mich selbst krankenversichern müsste und aus der leeren Tasche auch noch RV-Beiträge leisten müsste, um mein Rentenkonto lückenlos zu halten. Nicht nur mir, sondern auch meinem Konto war schlecht.

Und das alles nur, weil diese bes§$%*# Online-Meldung nicht funktioniert hat?!

Das konnte und wollte ich nicht auf mir sitzen lassen und schrieb eine e-Mail. Auch wenn ich das Gefühl hatte, dass die im digitalen Orbit verschwänden, wollte ich nicht gleich einen schriftlichen Widerspruch einlegen. Schließlich arbeiten da auch nur Menschen – hoffte ich. Ich legte ausführlich meine Gründe dar. Vielleicht war es auch gut, dass ich diesmal nicht eine Nacht drüber geschlafen habe, sondern die Emotionalität gelassen haben. Denn als promte Antwort wurde ich aufgefordert einen Punkt zu belegen. Was ich auch konnte und machte.

Doch dann passierte nichts. Ein Tag, zwei Tage, drei Tage: nichts. Auch wenn ich mich im Recht fühlte, versuchte ich mich damit abzufinden, dass es halt bei nichts bleiben sollte.

Nach einer knappen Woche quoll der Briefkasten über: Änderungsbescheid 1, Änderungsbescheid 2 und ein fast banales Schreiben, mit der die Sperrfrist aufgehoben wurde.

Aufatmen. Und dankbar sein, dass Recht haben und Recht bekommen tatsächlich zusammen geht.

Ein Gedanke zu „Widerstand

  1. ist doch benne – bei mir haben sie sich so ultra verrechnet und ich habs erst monate später gemerkt, nachgefragt, zeugs nachgeschickt und auf einmal waren da 93 euro auf mein Konto…quasi aus dem Nichts. ich glaube einfach da geht schon mal was verloren oder schief,… und dann fixen Sie es halt schnell wieder. <:)

    Freue mich das sie einen neuen job gefunden haben und hoffe sie kommen gut und stressfrei rein. Tschaka 2015 das rockt.

    Grüsse aus zürich,
    Juli

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s