Prä-Pubertät

Mutti hat recht – also meine -, befürchte ich. Denn sie sagt immer, wenn ich damit prahle angebe kokettiere, dass der mini-monsieur keine dramatische Trotzphase mit 2-4 Jahren hatte: „Das rächt sich hinten raus. Warte mal auf die Pubertät.“ Naja, das wären ja noch so mindesten 6-8 Jahre – eigentlich.

Uneigentlich scheint es schon jetzt mit einem Vorgeschmack darauf loszugehen. Und ja, es ist eher eine Prä-Pubertät als eine verspätete Trotzphase.

Er legt ein zum Teil so rotzfreches Verhalten an den Tisch, dass ich überlege, wie und ob ich ihm das Mütchen kühlen kann. Zudem pocht er auf „seine“ Rechte. Aber jeder Bitte, etwas Unliebsameseigennütziges zu tun, wird mit Genöle und Verweigerung quittiert. Er tut manchmal so großkotzig, dass ich nicht umhin komme, ihn in seine Schranken zu weisen (Nein, die neuen Turnschuhe kannst Du nicht anziehen, die haben Senkel. Und du wolltest ja bislang nicht Schleife üben.). Und so vergeht seit einiger Zeit kaum ein Tag, an dem ich nicht laut(er) werden muss, oder wir anderweitig aneinander geraten.

Einen kleinen Funken Hoffnung habe ich, dass es sich „nur“ um das Vorschulkind-Gepose handelt und sich das alles mit der Einschulung wieder legt.

Ich werde berichten (sofern mich meine Nerven dann noch lassen).

Sicherheit

Möglicherweise war es das Unbegreifliche an dem Flugzeugunglück, dass uns am Dienstag im Büro zunächst etwas flapsig reagieren lies. So antwortete eine Kollegin, nachdem ich vorgelesen hatte, dass Angela Merkel aufgrund des Unglücks alle Termine des Tages absagen würde: „Wieso? Die fliegt doch nicht mit Germanwings.“ Und ich gebe zu, ich habe es auch nicht verstanden, und frage mich, was das ändert. Den Rest des Tages verfolgte ich immer wieder die Ticker verschiedener Quellen und wunderte mich über die vielen inhaltslosen Meldungen. Informationen oder eben auch nicht rauspusten um jeden Preis? Durch meine SocialMedia-Kanäle schwappte eine Welle der Anteilnahme und Mitgefühl. Scheinbar alle posteten schwarze Schleifen, schwarze Profilbilder, irgendwas mit der Flugnummer. Warum fühlte ich mich nicht danach? Auch die abendlichen Nachrichten verfolgte ich irgendwie mehr unter professionellen Aspekten: Wie funktioniert das Krisenmanagement der beteiligten Akteure?

Mir fiel es schwer, die von den Medien heraufbeschworene Panik bezüglich Fliegen nachzuvollziehen. Und ich sah auch nicht, wie und dass von jetzt auf gleich der Ruf der als besonders sicher geltenden deutschen Fluggesellschaften beschädigt ist. Zu dem Zeitpunkt war noch gar nichts über die Ursache und den Hergang bekannt. Das Flugzeug ist das sicherste Verkehrsmittel überhaupt. Aber natürlich ist es trotzdem immer ein Risiko zu fliegen. Und im Gegensatz zum Auto trifft es im Unglücksfall mit dem Flugzeug immer gleich viel mehr. Der deutlich seltener Einzelfall ist dadurch natürlich gleich viel schrecklicher und größeren Außmaßes. Das verdrängen die meisten von uns immer. Und das ist auch gut so. Vielleicht Vermutlich war mir das beim Lesen der Nachrichten (zu) bewusst, sodass ich den Vorfall an sich sehr sachlich sehe und deswegen so wenig betroffen bin.

Was aber meine Erschütterung wachsen lässt, sind zum einen die wirklich immer schlechter werdende und sensationsgeile Berichterstattung in nahezu allen Medien und zum anderen die so plausibel und wahrscheinlich klingenden Details/ Ergebnisse der noch laufenden Untersuchungen, die erklären können, wie es zu diesem Unglück kam.

Bei den Medien hat sich irgendwie keiner mit Ruhm bekleckert. War es die Fassungslosigkeit über das Unglück, weswegen sie alle* das kleine Ein-mal-Eins des guten Journalismus vergessen verdrängt haben? Aus dem menschlich verständlichen Wunsch jedes Einzelnen, begreifen zu wollen, was, wie und warum es passiert ist, saugten die Journalisten nicht in ihrer Funktion sondern als Mensch jede vermeintliche Info auf und käuten diese mehr oder weniger verdaut wieder. Der Leitartikel der Frankfurter Rundschau vom 27.03.2015 bringt es gut auf den Punkt. Sich allerdings bei einem solchen Ereignis über die Berichterstattung der Bild aufzuregen, entbehrt auch jeder Sinnhaftigkeit. Und deren „Journalismus“ wird auch nicht besser, wenn man seine Empörung darüber mit Bildern und Screenshots dieses Printerzeugnisses in diversen Kanälen kundtut.

Seitdem es vermeintlich geklärt scheint, was, wie und warum es geschehen ist, scheint sich die „gierige Meute“ beruhigt zu haben. Die Berichterstattung wird gemäßigter. Das Ereignis ist deutlich weniger präsent. Reflektion findet (wieder) statt. Wenn auch bevorzugt erstmal vor anderen Haustüren als der eigenen gekehrt wird. (s.o.).

Was den Unfallhergang anbelangt, geht es mir so:

Ich weiß nicht, wie es mir gehen wird, wenn ich das nächste Mal fliegen muss. Mein Vertrauen in die Technik war und ist nicht beschädigt. Es bleibt halt immer ein Restrisiko – unterschiedlich groß je nach Fluggesellschaft. Aber der Risikofaktor Mensch ist nicht berrechenbar und wirkt auf einmal noch unberechenbarer.

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* Ich habe NICHT alle Berichterstattungen gelesen, gehört und gesehen. Der kleine Ausschnitt, vermutlich keine statisisch relevante Stichprobe, hat mir jedoch gereicht. Außerdem spiegelt dieser Blog nur meine Meinung wider.

Der Ernst des Lebens

Bis vor ein paar Tagen habe ich noch gebangt und überlegt, was mache ich, wenn nicht. Wenn nicht, müsste ich aufhören zu arbeiten oder klagen. Vermutlich eher letzeres. Alternativ habe ich für einen kurzen Moment mit dem Gedanken gespielt, den mini-monsieur zurückstellen lassen, oder zumindest damit zu drohen, um den Druck auf unsere Kita zu erhöhen. Aber zum Glück (wenn auch nicht in unserer Kita):

  • Der mini-monsieur hat einen Hortplatz!

Damit steht der Einschulung im Sommer nichts mehr im Wege. Die ist auch dringend nötig. Die Wissbegirde ist da und kann im Elementarbereich langfristig nicht mehr gestillt werden. Außerdem ist er ziemlich groß für sein Alter. Würden wir noch ein Jahr warten, würde er seine Mitschüler locker um eine Kopf überragen. Mal ganz abgesehen davon ist er kein Kann-Kind und ich halte absolut nichts von Rückstellungen, nur weil man dem Kind noch ein Jahr Spielen gönnen will.* (Wenn es das wirklich noch braucht, ist das eine ganz andere Sache.)

Und nun, wo die Einschulung sicher ist und auch „schon“ in fünfeinhalb Monaten ansteht und es auch „nur noch“ zweieinhalb Monate bis zum Geburtstag des mini-monsieurs sind, dachte ich gestern: „Los, wir gehen endlich mal nach Ranzen gucken.“

Hahaha, „mal gucken“. Also, dass sich der Ranzenmarkt seit 1983 weiterentwickelt hat und dass die Entscheidung nicht mehr „Scout oder Amigo“ und dann Auswahl zwischen jeweils zwei Farben ist (ich hatte damals einen knallorangenen Scout), hatte ich ja schon ein bisschen mitbekommen, aber dass es gefühlt (und vermutlich auch real) 398 Modelle gibt, hatte ich nicht erwartet.

Nach einer Waffel vom Markt (Bornheimer kennen dieses Ritual) radelten der mini-monsieur und ich zum ersten Laden. Dort erwartete uns ein erfreulich überschaubares Regal mit genau zwei Marken: Scout und McNeill. Zweitere gefielen dem Kind optisch und mir ergonomisch nicht. Also guckten wir nur bei einem der Klassiker. Recht schnell war für den mini-monieur klar, dass er gerne einen Ranzen mit Bauchgurt wolle. Das sollte mir recht sein. Und so kamen bei den Scouts die Modelle „Alpha“ und „Sunny“ in die Auswahl. Und dann hatte mein Kind auch schon keine Lust mehr zu probieren. Wir erledigten also erstmal andere Dinge – naja, versuchten es.

Dann ging es in den zweiten Laden, der eine deutlich größere Auswahl hatte. Dank der Erfahrungen aus dem ersten Geschäft konnte ich wenigstens zeitgewinnend selektieren. Die Motivation des mini-monsieurs, auch noch irgendeinen Ranzen aufzusetzen, ging gen Null. Da war schnelles Handeln gefragt. Und so hatte er binnen kürzester Zeit Schultaschen von Scooli, DerDieDas und Ergobag auf dem Rücken. Damit hatten wir dann folgende Ranzen-Anwärter auf der Liste:

  • Scout Alpha
  • Scout Sunny
  • Scooli Twixer
  • DerDieDas ErgoFlex (XL)
  • Egobag

Zu Hause beschäftigte ich mich dann eingehender mit den einzelnen Modellen:

  • Was sie alle haben, ist ein in alle Richtungen einstellbares Rückensystem: genau auf die Körpergröße abstimmbar, Brust- und Beckengurt. Fein.
  • Alle Ranzen gibt es im Set mit Sporttasche, Federmappe, Schlamper(-box)/ Geldbörse und ggf. Heftbox.
  • Der Gewichtsunterschied zwischen dem leichtesten und schwersten liegt bei knapp 500 Gramm (ein halbes Kilo!).
  • Die Farben bzw. Designs rangieren zwischen ziemlich dunkel über grenzwertig hin zu erfreulich zeitlos.
  • Beim Scout Sunny gefällt mir das Seitentaschen-Konzept nicht. Außerdem hat er das geringste Volumen.
  • Die DerDieDas-Ranzen sind mit 800 Gramm bzw. 850 Gramm (XL-Version) die leichtesten. Und das finde ich schon sehr charmant. Allerdings sind sie mir etwas zu lang (42 cm), da ist selbst der große mini-monsieur zu einem Drittel drin verschwunden, sollte er was auf dem Boden suchen. Zudem sind sie bewusst nicht mit DIN erfüllenden Reflektoren ausgestattet (und es gibt auch keine Erweiterungs-Sets).
  • Der Scoolio Twixer ist eigentlich nicht schlecht. Gewicht im Mittelfeld. Preis eher niedrig. Was mich stört, ist die sehr begrenzte Design-Auswahl. Da der mini-monsieur keinen roten oder rosa farbenen Ranzen möchte, fallen schonmal zwei der vier Designs weg und die verbleibenen zwei sind thematisch sehr festgelegt: Dino oder Star Wars.

In der engeren Auswahl sind damit:

  • Scout Alpha: Sicherheitsgedöns (Reflektoren und so) nach DIN, gute Aufteilung, preislich – zumindest online – akzeptabel, die Designs sind erträglich; problematisch finde ich das hohe Eigengewicht (knapp 1,3 kg)
  • Ergobag: ergonomisch sehr durchdacht, gute Aufteilung, Heftbox sehr praktisch, Sporttaschen-System überzeugend, das Grund-Design angenehm zeitlos, Kletties zum Individualisieren, Gewicht akzeptabel; zu kritisieren sind die fehlenden Reflektoren nach DIN (Sicherheits-Kit zukaufbar), relativ hoher Preis und ich mag den Verschluss nicht

Da der Ranzen erfreulicherweise ein Geburtstagsgeschenk von Oma und Opa wird, werde ich mich auch noch mal mit den edlen Schenkern absprechen. Ich tendiere schon eher zum Ergobag. Immerhin sollte der Ranzen wenigstens die Grundschulzeit überleben und da sehe ich bei einem zeitlosen Grund-Design einfach die größeren Chancen.

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* Und es gibt nicht selten die Anfragen nach Rückstellung, weil die Eltern ebendies meinen oder vorschieben, weil ihnen die mit der Einschulung einhergehenden Änderungen im Familienalltag gerade nicht in den Kram passen, z.B. an Schulferien gebunden zu sein.

Vertragen

Vor ein paar Tagen, ich hatte den mini-monsieur gerade ins Bett gebracht – er war ziemlich fertig mit seinem gefühlten 398. Schnupfen in dieser Saison -, da klingelte das Telefon. Weil ich fürchtete, dass das Kind wieder wach würde, hob ich, obwohl ich sah, dass es der Kindesvater war, ab. Er wollte, nachdem er seinen Sohn nicht sprechen konnte, wissen, wie es ebendiesem denn ginge. Immerhin fiel ja der feste Skype-Termin zwei Tage zuvor recht kurz aus, weil es dem mini-monsieur nicht gut ging. Wir sprachen insgesamt 18 Minuten – nicht nur über den Gesundheitszustand des Kindes, sondern auch über andere Belange (Schule, Sport, Französisch). Ohne uns anzugiften, zu streiten oder dass irgendwer in Tränen ausgebrochen ist. Das ist schonmal nicht schlecht.

Am nächsten Morgen erzählte ich dem mini-monsieur, dass ich am Abend zuvor mit seinem Vater gesprochen hattem und richtete ich ihm die Grüße und Küsse aus.
„Und ihr habt nicht gestritten?“, wollte er wissen er und es blitzte etwas in seinen Augen auf.
„Nein, wir haben uns nur unterhalten“, antwortete ich.
„Vertragt ihr euch wieder?“, fragte er deutlich hoffnungsfroh.
„Vielleicht so, dass wir wieder miteinander sprechen können, ohne zu streiten. Aber nicht mehr: Der Papa wird nicht wieder bei uns wohnen.“
„Okay.“ Und ich hörte heraus, dass sein Kopf sagte „Ich weiß. So ist es.“, aber sein Wunsch ein anderer, nun wiederum enttäuschter, ist.

Widerstand

So sehr es mich auch vor zwei Jahren gestresst hat, arbeitslos zu werden ohne was Neues in der Hand zu haben, so wenig hat es mich angekratzt, ALG 1 zu beantragen. Immerhin habe ich ja jahrelang brav für ebensolche Situationen eingezahlt. Trotzdem war ich – nicht nur finanziell – froh, dass ich diese Leistung nur zwei Monate in Anspruch nehmen musste.

Für dieses Jahr kündigte sich also wieder an, dass ich mich zumindest arbeitssuchend melden müsste. Auch wenn ich von der Kündigung schon seit Anfang November wusste, so hatte ich im November leider andere, dringlichere Baustellen. Da die Kündigung zum 28.2. galt, begann die Dreimonatsfrist am 1.12. und so schob ich die Meldung bis zum Stichtag vor mir her. Die vorangegangenen Male hatte ich per Telefon Meldung gemacht. Diesmal wollte ich – quasi Profi – es online machen: Ich klickte mich durch die Seite der Arbeitsagentur. Fand auch irgendwas, wo ich mich anmelden konnte.

Doch irgendwie kam mir das komisch vor. Also wählte ich vorsichtshalber doch die Servicenummer. Man beruhigte mich: Alles in Ordnung. Die Freischaltung würde ein paar Tage dauern und dann bekäme ich auch einen Termin schriftlich. Nun gut. Bis die Freischaltung durch war – ein Brief und noch ein Brief und das bei online-Verfahren – dauerte es schonmal zwei Wochen. Und das im Dezember. Damit war das Jahr auch so gut wie vorbei – ohne weitere Post vom „Amt“.

Im Januar: Keine weitere Info, keine Post. Das kam mir Ende des Monats dann so komisch vor, dass ich doch noch einmal anrief: Na prima. Es lang keine Arbeitssuchendmeldung von mir vor. Nix. Nada. Niente.

Aber man wolle mir die Unterlagen zuschicken und dann könne ich auch erklären, wie es zu dieser verspäteten Meldung gekommen sei. Mir ging trotzdem der Arsch auf Grundeis:

Ich wusste noch nicht, wie es nach dem 28.2. weitergehen würde. Hangelte mich gerade von Seuche zu Seuche inklusive Viren-Pingpong mit dem mini-monsieur. Musste mich mit den Nachwirkungen des ersten Gerichtstermin rumärgern. Und dann auch noch sowas. Was würde das finanziell bedeuten?

Der Februar brachte nichts Neues.

Dann war März: Ich wusste, dass es bald weitergehen würde. Hatte mich – unter anderem wegen der Zahnarztrechnung, die zur Februar-Sonderausgabe und der mittelhohen dreistelligen Stromnachzahlung dazu kam – dafür entschlossen, schon Mitte März und nicht erst am 1.4. anzufangen. Mit dem Vertrag auf dem heimischen Tisch gab ich meinen Antrag – für gerade mal 15 Tage. Das ganze dauerte fünf Minuten. Unterlagen schienen in Ordnung, ich wurde nicht zur verspäteten Meldung befragt. Puh, nochmal Glück gehabt.

Ein paar Tage später erhielt ich dann auch meinen Bescheid – inklusive Sperrfrist. Eine Woche kein Geld. Eine Woche in der ich mich selbst krankenversichern müsste und aus der leeren Tasche auch noch RV-Beiträge leisten müsste, um mein Rentenkonto lückenlos zu halten. Nicht nur mir, sondern auch meinem Konto war schlecht.

Und das alles nur, weil diese bes§$%*# Online-Meldung nicht funktioniert hat?!

Das konnte und wollte ich nicht auf mir sitzen lassen und schrieb eine e-Mail. Auch wenn ich das Gefühl hatte, dass die im digitalen Orbit verschwänden, wollte ich nicht gleich einen schriftlichen Widerspruch einlegen. Schließlich arbeiten da auch nur Menschen – hoffte ich. Ich legte ausführlich meine Gründe dar. Vielleicht war es auch gut, dass ich diesmal nicht eine Nacht drüber geschlafen habe, sondern die Emotionalität gelassen haben. Denn als promte Antwort wurde ich aufgefordert einen Punkt zu belegen. Was ich auch konnte und machte.

Doch dann passierte nichts. Ein Tag, zwei Tage, drei Tage: nichts. Auch wenn ich mich im Recht fühlte, versuchte ich mich damit abzufinden, dass es halt bei nichts bleiben sollte.

Nach einer knappen Woche quoll der Briefkasten über: Änderungsbescheid 1, Änderungsbescheid 2 und ein fast banales Schreiben, mit der die Sperrfrist aufgehoben wurde.

Aufatmen. Und dankbar sein, dass Recht haben und Recht bekommen tatsächlich zusammen geht.

Erschreckend …

… war das Polizeiaufgebot, das sich bereits am Dienstag in Frankfurt versammelte

…, dass dieses Aufgebot nicht in der Lage war, das Chaos zu verhindern

…, dass überhaupt so eine Polizeipräsenz und Absperrung des gefährdeten Gebiets nötig war

…, dass (zurecht) erwartet wurde, dass die Proteste nicht friedlich bleiben und es „nur“ um die Positionierung der Botschaften ging

…, dass keiner damit gerechnet hat, dass sich die Chaoten nicht an den offiziellen Zeitplan halten und

…, dass schon früh morgens Rauchschwaden über die Stadt waberten

…, wie gewaltbereit Menschen sein können

…, dass anscheinend keiner ahnen konnte, dass die Chaoten ihre Aggressionen woanders entladen, wenn das „Objekt der Begierde“ unerreichbar ist

…, wie schlecht recherchiert die Medien zum Teil berichteten: Der Skyper ist nicht Teil der EZB und die EZB steht auch nicht im Bankenviertel

…, wie wenig der Otto-Normalfrankfurter, der nicht nahe des Epizentrums wohnte, von den Ausmaßen der Ausschreitungen mitbekommen hat. Wer sich unterirdisch bewegte, hat nichts gesehen.

… dass es eine kleine (in Relation zur Gesamtzahl der Demonstrierenden) Gruppe von Gewalttätern es schafft, die politischen Aussagen der über 10.000 friedlich Demonstrierenden durch ihre Taten so zu überlagen, dass die Medien nur davon berichten.

Mich haben die Bilder aus „meinem“ Frankfurt gestern sehr erschüttert. Aber ich muss auch ehrlich sein, was gestern passiert ist, hat mein Leben so gut wie gar nicht tangiert. Gut, mein Bus zur Arbeit fuhr nicht (obwohl der oberirdische Verkehr erst um 12 Uhr eingestellt werden sollte), aber ich konnte problemlos mit der S-Bahn fahren. Nachmittages musste ich den mini-monsieur früher abholen, weil alle städtischen Kitas im erweiterten Umfeld um Demo-Strecke und EZB vorzeitig schließen sollten. Aber sonst hörte und sah man nur die Hubschrauber, die schon seit morgens ihre Runden übers Ostend drehten.

Dies und Das

  • Ich war endlich beim Zahnarzt. Und es war nicht lustig. Eine gute Stunde lang hatte ich die Hand meines Zahnarztes im Mund. Und er hatte fiese Werkzeuge in seiner Hand.
  • Am vergangenen Wochenende waren der mini-monsieur und ich in Bullerbü. So fühlte sich die Idylle im tiefsten Taunus zumindest an. Und es ist schon schön, wenn das Kind Sonntags morgens sagen kann: „Ich geh raus mit Eni.“ und man sich noch einmal umdrehen kann, weil einfach nichts passieren kann. Außer dass die Bienen da sind.
  • Ich habe ungeahnte Fähigkeiten: Beim Wechseln der Filterkartusche des Wasserfilters habe ich mir so den Finger verletzt, dass ich kurz befürchtete, ich habe mir die Kapsel gerissen. Der Finger ist auch nach 1,5 Tagen Schonung im Arnika-Verband immer noch etwas eingeschränkt. Aber es wird. Er teilt sich die Schmerzmitteln mit dem nicht mehr vorhandenen Zahn.
  • Am Montag habe ich (mal wieder) einen Arbeitsvertrag unterzeichnet. Und zurückgeschickt. Montag geht es los.
  • Heute muss ich mal wieder vor Gericht. Meine Anwältin und ich mussten die Samthandschuhe leider verbrennen.
  • Mal abgesehen davon, dass ich wirklich gerne Besuch habe und meine Tür immer offen steht für Freunde und Familie, ist Besuch auch praktisch und sollte ruhig regelmäßig da sein, denn dann ist die Wohnung immer sauber und aufgeräumt.
  • Nachdem ich letztes „Orange is the new black“ verschlungen habe, hänge ich nun an der „Die Brücke“-Nadel. Schon allein, weil ich diese Brücke so toll finde, macht die Serie viel Spaß. Aber die Handlung, die Charaktere (♡ Saga), die Stimmung und überhaupt sind spannend und großartig.

Liebes Tagebuch am Fünften (März)

Wow, zwei Jahre Tagebuchbloggen. Frau Brüllen hat einen Trend gesetzt.

Nachdem ich gestern endlich, endlich mal wieder schwimmen war, bin ich abends total k.o. und schlafe gegen 21h00 ein. Wach werde ich um

1h00 weil der mini-monsieur vor mir steht und mit mir kuscheln will. Er verkriecht sich in mein Bett. Ich suche noch sein Kissen, putze mir die Zähne, denke sogar im Halbschlaf an mein Nasenspray und habe Durst.

1h20 Ich bin auch im Bett. Bin aber nicht so richtig müde. Ich mache also noch eine SoMe-Runde, öffne eine nicht ganz logische Nachricht von meinem voraussichtlich neuen Chef und lese ein bisschen Nachrichten. Das Kind neben mir schnarcht. Ich muss ihn leider wecken, um ihm Nasenspray zu verpassen. Irgendwann schlafe ich ein.

8h00 ist es vermutlich, als der mini-monsieur wach wird und verschwindet. Ich schlafe noch einmal ein werde fatalerweise nicht richtig wach. Denn als ich um

8h40 richtig wach werde, dünkt mich was. Es ist verdächtig ruhig in der Wohnung. Das kann nur eins bedeuten. Ich nehme mein Handy zu Hand und öffne die Remote-App für den Fernseher. Aha, der TV ist aktiv. Ich schalte also via App den Fernseher aus. Und wieder aus. Und wieder aus.

8h45 Dann schleiche ich Richtung Wohnzimmer. Die Tür ist zu. Schwungvoll öffne ich und sehe einen hektisch die Fernbedienung suchenden mini-monsieur. Schuldbewusst macht er den Fernseher aus. Anstatt zu schimpfen – denn was nützt es über verschüttete Milch zu klagen – sage ich nur, dass es heute und morgen abend kein Fernsehen gibt, denn er habe ja sein Pensum mit dem morgentlichen Gucken ausgeschöpft. Dann trollt sich der mini-monsieur, seine Klamotten suchen.
Während er sich anzieht, bereite ich das Wohnzimmer vor und schicke Kevin los. Dann bereite ich das Frühstück fürs Kind und – man gucke und staune – der mini-monsieur ist um

9h15 startklar. Ich rufe im Kindergarten an und er geht los. Ich räume das Gästezimmer auf, da heute die liebste Freundin mit ihrer Baby-Tochter kommen will; sauge per Hand, während Kevin immer noch im Wohnzimmer aktiv ist, Gästezimmer, Flur, Bad, mein Zimmer und Küche. Anschließend wische ich noch die Küche und dann setze ich mich mit Tee und Pfannkuchen von gestern abend aufs Sofa. Nach meiner Runde durchs Internet, will ich diesen Beitrag beginnen, bin aber um

10h40 etwas dummbräsig und kippe erstmal meinen Tee um. Zum Glück vom Rechner weg, aber dafür über ein paar Bücher, Zeitschriften, die Fernbedienung und die Funkmaus. Tisch und Boden sind natürlich auch getränkt. Also trockne ich erstmal alles, mache mir einen neuen Tee und setze dann erneut an, diesen post zu beginnen. Was nun auch reibungslos klappt.

12h00 Uuups, soo spät schon. Da hat das Bloglesen doch etwas länger gedauert. Jetzt aber hopphopp, ich habe doch um 13 Uhr einen Termin.

13h00 Ich bin pünktlich, muss aber dann doch warten. Tja, wie auch schon von einigen Fachleute davor wird mir auch hier wieder attestiert, dass eigentlich nicht ich das Problem bin bzw. habe. *seufz* Ich solle mir mehr Inseln der Glücksseeligkeit schaffen.

14h20 Ich bin wieder zu Hause und habe Hunger. Avocado geht immer. Da die Freundin meiner Berechnung nach nicht vor 15h45 ankommen wird, lasse ich mir bis

15h00 Zeit, bis ich endlich einkaufen gehe. Irgendwie trödel ich durch den Supermarkt. Und es ist

15h45 als ich wieder draußen bin und gerade so überlege, ob und wo ich jetzt wohl günstig ein Federmäppchen für den mini-monsieur bekomme, der morgen an der Wahlgrundschule einen Probetag hat, als ich auf meinem Handy einen vor vier Minuten verpassten Anruf und eine sms entdecke: Die Freundin steht schon vor der Tür. Zum Glück sind es nur drei Minuten bis nach Hause.

16h20 Nach Hallo und Baby-Mädchen bestaunen, Einkäufe verräumen, quatschen und Essen für das Baby-Mädchen erwärmen, fällt mir siedendheiß ein, dass heute ja Donnerstag und somit Chortag für den mini-monsieur ist. Ich mache mich fertig und flitze nach nebenan, wo ich ein verschwitztes Kind finde. Ich eise ihn los und treibe ihn zum schnellen Anziehen an. Dazu muss ich ihn pädagogisch unwertvoll mit Schocki bestechen. Aber wir sind trotz dem wirklich kurzen Weg spät dran. Er beeilt sich und wir gehen schnellen Schrittes einmal um die Kita rum und sind dann auch schon fast am Probenraum.

16h34 Die Probe hat schon angefangen. Der mini-monsieur huscht rein, sucht sich einen Platz und raunt der Chorleiterin im Vorbeigehen „Entschuldigung“ zu. Ich bin baff und stolz auf mein Kind, dass es sich für sein Zuspätkommen entschuldigt.

16h40 Ich bin wieder zu Hause. Das Baby-Mädchen wird gerade gefüttert. Ich nutze die Gelegenheit, um endlich mal die kaputten Halogenstrahler auszutauschen. Wir quatschen. Dürfen aber nicht wieder die Zeit vergessen, denn um

17h00 müssen wir uns wieder auf den Weg machen. Die Probe ist noch nicht zu Ende und wir können durch den Türspalt linsen.
Wie schon den Hinweg habe ich auch auf dem Rückweg das Baby-Mädchen, das für seine sieben Monate und mit Blick auf die zierliche Mutter doch recht schwer ist, auf dem Arm. So leihweise fühlt sich das gut an, aber ich merke, dass ich irgendwie aus der Baby-Nummer raus bin.

17h20 Ich mache Kaffee für die beste Freundin und Milchschaum für sie und den mini-monsieur. Zeitgleich setze ich den Pizzateig an. Das Baby-Mädchen rollt durch Wohnzimmer und Küche, der mini-monsieur bespaßt sie ganz liebevoll.

18h35 Im Keller suche ich das seit Jahren unbenutzte Baby-Reisebett. Danach diskutiere ich mit dem mini-monsieur, ob er seine alte Matratze für eine Nacht hergibt, damit es das Baby-Mädchen bequem hat. Nein, die Matratze darf sie nicht haben.

19h00 Wir belegen die Pizza gemeinsam. Dank der Erkenntnis, dass Pizza bei hohen Temperaturen am besten wird, ist sie auch schnell fertig. Ich denke daran, dass ich mir bei nächster Gelegenheit den von Frau Brüllen angepriesenen Pizzastahl zulegen werde – auch wenn ich eckige Pizzen vom Blech recht praktisch finde.
Während das Baby-Mädchen schläft, genießen wir die Pizza.
Danach suchen der mini-monsieur und ich Mäppchen (meine alte Stiftbox), Buntstifte, Bleistifte (extra neu gekauft), Kleber und Schere. Denn das Zeug soll der mini-monsieur morgen zum Probetag an der Wahlgrundschule mitbringen.

21h00 Das Kind macht sich bettfertig. Ich lese vor und dann geht er schlafen. Das Baby-Mädchen, das kurzzeitig wieder wach war, geht auch ins Bett. Damit haben wir Muttis Zeit zu quatschen und quatschen und quatschen bis nach Mitternacht.

 

Entschieden

Schon seit diesem komischen „Vorstellungsgespräch“ bei der Wahlgrundschule bin ich ja nicht so richtig überzeugt, dass der mini-monsieur da unbedingt hin muss. Wir waren da im Oktober letzten Jahres, also elf Monate vor der Einschulung, und da musste ich mich belehren lassen, wie der mini-monsieur den Stift halten solle und dass er ja in sein Französisch deutsche Vokabeln einfließen lassen würde. Ach?! Das Prinzip von aktiver und passiver Sprache bei bilingualen Kindern sollte einer Pädagogin in einer Schule mit bilingualem Angebot bewusst sein. Nun gut. Aber irgendwie dachte ich mir ja, eigentlich ist es ja echt ganz gut für das Kind, wenn er seine Vatersprache frühzeitig lesen und schreiben lernt. Wir gingen mit nichts Definitivem: Die Entscheidung über einen Platz an der Schule fällt erst im März/ April dieses Jahres – also jetzt bald.

Also habe ich nicht nur alle Horte um die zuständige Grundschule sondern auch die um die Wahlgrundschule mit Anmeldungen und Dringlichkeitsschreiben beglückt. Die müssen in Frankfurt bis zum 31.12. (des Vorjahres) bei den jeweiligen Einrichtungen vorliegen. Dann bekommt man Anfang Februar Bescheid. Ich habe bislang einige Absagen, aber noch keine definitive schriftliche Zusage – weder um die eine, noch um die andere Schule. Aber ich habe (berechtigte) Hoffnung für einen Hort in unserem Viertel. Damit schlägt der Zeiger eh schon mehr zu zuständigen Grundschule. Denn ohne Hort keine Schule.

Doch gestern „musste“ ich zum Elternabend an die Wahlgrundschule. Und ich dachte, dass die Einladung zum Elternabend quasi eine Platzzusage sei. Doch der mini-monsieur hat immer noch keinen Platz sicher. Dazu muss er am Freitag erstmal ins Assesment zum Probetag, bei dem er drei Stunden „unterrichtet“ und beobachtet wird, ob er denn wirklich schulreif ist. Und dann hat er auch nur die Hürde in den Lostopf genommen.

Uns wurde also die Idee der Schule vorgestellt und sehr detailliert erklärt, wie die bilinguale Klasse unterrichtet würde. So erfuhr ich, dass in der bilingualen Klasse nicht nur bilinguale Kinder, sondern auch Schüler sein werden, die KEINEN französischsprachigen Hintergrund haben. Also Kinder, die erst in der Schule das erste Mal mit Französisch in Berührung kommen. Dass die Kinder erst ab der 2. Klasse Französisch schreiben und lesen lernen, wusste ich vorher. Dass es dabei aber nur um „Grundkenntnisse“ geht, war mir neu. Auch, dass der Fokus ganz klar auf Sprechen und weniger auf Schreiben und Lesen läge, irritierte mich. Also natürlich sollen die Kinder sprechen, aber dass sie so gut wie keine schriftlichen Aufgaben auf Französisch erledigen werden, finde ich komisch.

Ich bin sicherlich weit entfernt von Tigermom. Aber für so ein Angebot muss ich mein Kind nicht aus seinem Umfeld reißen und vier Jahre lang quer durch die Stadt zur Schule schicken. Da gibt es andere, besser geeignete Angebote, die den mini-monsieur dabei unterstützen, die Sprache seines Vaters zu pflegen.

Und so bin ich ganz froh, dass diese Entscheidung wohl endlich gefallen ist.