Ich will da auch mal hin

Als ich letztens so richtig fiese Ohrenschmerzen hatte und sehr unleidlich war am Abend, da machte mir der mini-monsieur ein interessantes Angebot:
„Mama, du könntest ja auch zu Gott gehen.“
„Meinst du denn, dass der mir helfen kann?“, fragte ich.
„Ja, der guckt ja eh schon in dein Ohr.“

Und das war nicht die erste bzw. einzige Unterhaltung mit dem mini-monsieur, bei der es (sehr zentral) um Gott ging. In letzter Zeit drehen sich viele Gedanken des Kindes um ebendiesen. Ich finde es sehr spannend und frage mich bis zu einem gewissen Grad, woher er das hat (und kichere vor mich hin, weil ich weiß, dass der Kindsvater bei dem Gedanken daran Würgereiz hat).

Denn bislang haben Glaube, Kirche und Gott bei uns zu Hause keine wirkliche Rolle gespielt – der ein oder andere christliche Wert natürlich schon. Auch ist der mini-monsieur nicht getauft: Zum einen, weil der Kindsvater das partout nicht wollte*, und zum anderen, weil ich nichts von Babytaufen halte. Glauben ist eine so persönliche Sache, dass ich mich sehr schwer tue, dies für mein Kind einfach so zu entscheiden. Das soll er ruhig mitentscheiden.

Aber man darf nicht vergessen, dass er sein erstes Kindergartenjahr indoktriniert wurde in einem christlichen Kindergarten verbracht hat. Da kam der Pfarrer regelmäßig und erzählte von Gott und Jesus. Oder sie gingen auch in die Kirche, zu der der Kindergarten gehörte. Soweit ich das beurteilen kann, wurde das Thema sehr kindgerecht aufbereitet. Aber ich erinnere mich noch immer schmunzelnd daran, wie eines Tages beim Essen der mini-monsieur seine Arme angewinkelt hob und zu uns sprach: „Gottes Liebe ist wunderbar.“ Während ich mich nur über die Gestik, die mir als Reformierte nicht so geläufig ist, wunderte, blieb dem Kindsvater doch bös der Bissen im Hals stecken. Naja, der Kindergarten nahm halt auch diesen Teil des Bildungsauftrags sehr ernst.

Der jetztige Kindergarten hat allerdings mit Kirche nichts am Hut. Und wenn er nicht wirklich direkt nebenan wäre, hätte ich wohl auch den evangelischen Kindergarten, der quasi hinterm Haus liegt, in Betracht gezogen. Aber so rückte Gott in den Hintergrund.

Doch seit November kommt Gott immer wieder in unseren Gesprächen vor.** Und ich bin schwer angetan, was für Gedanken sich dieser kleine Mann dazu macht. Dass er so erfreuliche, freundliche aber auch tiefsinnige Ideen von „seinem“ Gott hat. Und es beruhigt mich auch ein wenig, dass er trotz seiner akuten militanten krawalligen Phase Gott mit Liebe und Güte verknüpft.

Dazu passte auch dieses Buch, dass wir vor ein paar Tagen zum ersten Mal lasen:

wpid-img_20150213_045939.jpgIch hatte es zufällig gefunden und es lädt wunderschön dazu ein, über alles Mögliche zu philosophieren – auch über Gott, Glaube und was Liebe dabei ist. Wir kamen dabei von einem zum anderen und irgendwann erwähnte ich Gottesdienste und er wünschte sich daraufhin: „Da will ich auch mal hin.“

Und so freue ich mich besonders, dass wir am kommenden Samstag zu einem – wenn auch katholischen – Taufgottesdienst eingeladen sind. Und wenn sein Interesse dann noch besteht, können wir am Sonntag zum Kindergottesdienst in die Kirche hinterm Haus gehen.

Für mich schließt sich ein bisschen ein Kreis. Denn so habe ich auch meinen Weg in den Glauben gefunden. Mich hat keiner gedrängt oder gezwungen. Ich wollte mit meinem Vater in die Kirche gehen.

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* Was mit Blick auf seine Vergangenheit sehr bigott ist, aber ich bin ja nicht so.
** Ich hoffe nicht, aber befürchte, dass das Ereignis mit dem Papa das alte Trennungstrauma von vor 2,5 Jahren wieder „aktiviert“ hat, denn unsere Zeit in Hamburg ist auch immer wieder Thema.

2 Gedanken zu „Ich will da auch mal hin

  1. Ja Kinder und Gott. Es schein Lebensphasen zu geben in denen er bei Kindern sehr präsent ist. Diese Hinwendung aus eigenem Antrieb hat mich auch immer wieder staunen lassen.

  2. Pingback: Religionsunterricht | Groß-Stadt-Ansichten

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