Alleinerziehend

Böse könnte ich sage, dass ich eigentlich seit der Geburt des mini-monsieurs alleinerziehend – nicht zu verwechseln mit alleinversorgend – bin, aber dann wäre ich schon ein bisschen ungerecht – immerhin haben mir die Diskussionen mit dem Kindsvater gezeigt, dass meine Ideen von Kindeserziehung tatsächlich die besseren nicht ganz verkehrt sind.

Und ohne Scherz: Dieses Alleinerziehend ist eine ziemlich ambivalente Sache. Auf der einen Seite finde ich es tatsächlich gut. Ich muss mich nicht abstimmen, keine – in meinen Augen – unnötigen Diskussionen führen. Aber hier fängt die Ambivalenz schon an: Ich habe keinen, der mich unmittelbar spiegelt (oder auch umgekehrt). Wenn ich das „brauche“, muss ich mir bewusst Spiegel suchen. Mein großes Glück ist dabei wohl, dass meine Mama zum einen noch recht jung (für eine mittlerweile fünffache Oma) und zum anderen vom Fach ist (und als Kita-Leiterin seit Jahren die Sorgen von uns „neuen“ Eltern täglich erlebt). Ihr Rat ist mir wichtig (auch wenn ich ihn nicht immer befolge). Und ich weiß, dass ich sie immer anrufen kann, wenn ich mir unsicher sein sollte oder überlege, wie ich das Verhalten des mini-monsieurs einordnen soll oder mir mal wieder zu viel abverlange. Und ich bin nicht zu stolz uneinsichtig ach, was weiß denn ich, um mir auch externe Hilfe zu holen: Erziehungsberatung, engsten Kontakt mit dem Kindergarten. Das alles hilft mir sehr, um nicht durchzudrehen dem mini-monsieur gerecht zu werden.

Woran ich arbeiten muss, ist mir gerecht zu werden. Zum einen ist es sicherlich tief in mir drin ein Tick von mir, dass ich meine, dass ich meine wenige Freizeit neben dem Job meinem Kind widmen muss will und ich mich deswegen sehr schwer tue, obwohl wir eine wunderbare Mary Poppins haben, einfach mal was für mich zu tun. Zum anderen wurde dieses Gefühl all die Jahre vom Kindsvater verstärkt. Dass meine Arbeit mir ja schon genug Freiraum und Zeit für mich böte und dass ich am Abend und Wochenende fürs Kind da zu sein habe. (Und ja, ich höre den vehementen Widerspruch bis hier.) Und so blieb über Jahre vieles auf der Strecke, was ich mir gerade nach und nach „zurückhole“ – zurückholen muss, weil ich sonst durchdrehen würde. Und dabei bin ich sehr froh, dass es mir meine Freundinnen so einfach machen.

Aber es ist ein Kraftakt, die Waage zu halten zwischen meinen Ansprüchen als Mutter, den Bedürfnissen des mini-monsieurs und den meinen. Und dieser Kraftakt wird nicht einfacher (und wirkt gerade fast nicht zu bewältigen) durch die Steine*, die einem als Alleinerziehende eh schon in den Weg gelegt werden.

Aber noch bin ich guter Dinge:

Alles_wird_gut——————————————–

* Unterhalts(vorschuss)zahlungen, Geschwisterbonus sticht Alleinerziehend bei der Hortplatzvergabe, Gerenne und Telefonieren wegen Umgangsregelungen, mich ärgern über Verfahrensbeteiligte, mich um alles kümmern müssen

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