Liebes Tagebuch am Fünften – Februar

Seuchenzeit. Allerorten. Auch Frau Brüllen fragt verschnupft: WMDEDGT? Auch bei mir ist irgendwie kein Ende in Sicht. Über zwei Wochen zieht sich das jetzt schon. Stirnhöhlen dicht. Seit vorgestern hat es auch eine neue Dimension: Ohrenschmerzen. Und seit gestern: Klitschauge. Alles links… Und so fing der Tag auch schon speziell an:

0h45 Ich werde wach, nachdem ich auf dem Sofa eingepennt bin. Irgendwas stimmt nicht. Ich kann mit dem linken Auge nichts sehen. Ich friemel mir erstmal das Taschentuch vom Auge, dass ich gegen das tränende Auge unter die Brille geklemmt hatte. Aber irgendwie bleibt der Effekt aus. Der einäugige Blick in den Spiegel zeigt: Das Auge ist total verklebt. Jippie. Da darf ich mich später ja gleich wieder krank melden. Eigentlich kann es mir ja egal sein. Aber irgendwie nervt es mich. Außerdem habe ich Schluckbeschwerden aka Ohrenschmerzen. Und Hunger. Und Durst. Während im Hintergrund „The Bachelor“ läuft mache ich mir einen Tee. Esse Eis, denn irgendwie ist mir nach was Kaltem.

4h30 Bis jetzt habe ich mich gewälzt. Mein Hals tut weh, mein Ohr und das Auge. Ich finde nur in den Halbschlaf. Irgendwann später kommt der mini-monsieur.

8h30 Wecker klingelt. Ich werde leidlich wach, tapse zum Rechner, um mich per Mail krank zu melden, rufe beim Arzt an. Das linke Auge geht kaum auf. Der mini-monsieur wird wach. Aber er kuschelt noch mit mir. Ich bin total fertig. Stelle den Wecker auf 10h00, damit ich später pünktlich zum Arzt komme.

9h15 (vermutlich) Das Kind verkündet „Hunger“. Da ich mich nicht bewegen kann, muss er sich selbst versorgen. Er schafft es wohl tatsächlich, sich einen Crêpe zu schmieren.

10h00 Liegen bleiben wäre toll. Aber ich muss langsam in die Senkrechte. Der mini-monsieur holt sich Anziehsachen. Irgendwie braucht er mal wieder ewig für die Socken…

10h45 Wir sind quasi fertig, da vermeldet mein Kind, dass er nicht in den Kiga wolle. Wie so oft seit drei Wochen* sagt er, dass alle da so gemein zu ihm wären. Und dass die Erzieher nur mit ihm schimpfen würden. Und wie immer, wenn ich nachhake, verstrickt er sich in irgendwelche Lügen. Ich spüre, dass ihn irgendwelche Nöte plagen, aber er kann es nicht benennen und ich kann es auch nicht klar sehen. Außerdem ärgere ich mich auch, dass er mich anlügt. Wir diskutieren ein bisschen und gehen zusammen um

11h00 aus dem Haus. Er muss ja nur eine Tür weiter und ich habe auch nur ein paar Minuten Weg zum Arzt. Am Kiga-Tor ist nicht mehr zu sehen und zu spüren, dass er vor zehn Minuten da nicht hin wollte.
Ich mache einen kurzen Schlenker, um mir was zu trinken zu holen und bin um

11h20 beim Arzt. Die offene Sprechstunde fängt erst in zehn Minuten an, aber das Wartezimmer ist propevoll. Werde wohl länger warten müssen.

12h40 Ich bin endlich dran. Der Doc diagnostiziert eine Bindehautentzündung. Meint aber, dass die Schluckbeschwerden und Ohrenschmerzen eher zu vernachlässigen sind. Ich hoffe einfach mal, dass er recht hat.

12h55 Auf dem Weg nach Hause kehre ich noch kurz bei der Bank ein. Dann bei der Apotheke, um das AB fürs Auge und noch Wegätz-Gurgellösung für den Hals. Danach noch kurz zum Bäcker: Frankfurter Kranz ist Medizin.

13h10 Ich bin zu Hause, versorge mein Auge, gurgele und lüfte einmal kräftig quer und diagonal und überhaupt die Wohnung, mache mir eine Hühnersuppe warum und kuschel mich, nachdem alle Fenster wieder zu sind, aufs Sofa.

16h00 Der mini-monsieur und die Babysitterin kommen auf dem Weg zum Kinderchor kurz rein. Das Kind hat H U N G E R. Gut, dass ich nicht nur mir ein Stück Frankfurter Krank gekauft habe, sondern auch ihm ein Brezel mitgebracht habe.
Er scheint gerade in einer generellen Antistimmung zu sein, denn zum Chor will er eigentlich auch nicht. Oder doch. Weder Mary Poppins die Babysitterin noch ich lassen keinen Widerspruch gelten und die zwei ziehen los.

17h10 So schlimm war es wohl doch nicht beim Chor. Zumindest kommt das Kind gut gelaunt wieder. Allerdings fällt dem mini-monsieur, als sie sich dere Schuhe und Winterklamotten entledigt haben, ein, dass er ja noch auf den Spielplatz will. Also wieder rinn ins Zeug.

17h25 Ich lutsche eine Hals-Betäubungstablette und mache mir einen Tee, als ein Marktforschungsunternehmen anruft. Da ich ja beruflich immer mal wieder dessen Dienste in Anspruch nehme, mache ich sowas, sofern es zeitlich passt, gerne mit. Diesmal geht es ums „Internet der Dinge“. Interessant, was es so alles gibt. Vieles kannte ich ja wenigstens vom Hörensagen, aber wer braucht bitteschön smarten Schmuck, der aufleuchtet, wenn man eine sms oder so bekommen hat?

17h45 So ganz gehe ich nicht mit der Meinung meines Arztes d’accord, dass Hals- und Ohrenschmerzen zu vernachlässigen sind. Die Hals-Betäubungstablette hat nichts bewirkt. Die Ohrenschmerzen werden auch schlimmer. Vielleicht versuche ich morgen einen Termin beim HNO zu bekommen.

18h20 Weil die Babysitterin und ich irgendwie auf Kopenhagen kommen – ihre Mutter kommt daher und ich war ja im Sommer da -, suche ich die Bilder vom Kopenhagen-Trip aus. Hat sie doch, obwohl sie Weihnachten erst da war, noch nie die Öresund-Brücke gesehen. Wir schauen zu Dritt Fotos an.

19h00 Als die Babysitterin geht, schiebe ich die Pommes in den Urlaub. Mein linkes Ohr tut mehr und mehr weh, sodass mir überhaupt nicht nach Kochen ist. Das Kind guckt derweil sein abendliches kika-Programm. Wir essen zusammen Pommes und ich leide immer mehr. Irgendwann klingelt das Telefon: mamie und papy*. Der mini-monsieur will später zurückrufen.

20h10 Während das Kind mit den französischen Großeltern spricht, wusel ich ein bisschen rum. Viel geht nicht. Die Ohrenschmerzen werden immer schlimmer. Morgen rufe ich erstmal beim HNO an. Es dauert auch etwas, bis das Gespräch zu Ende ist und bis dann der mini-monsieur bettfertig ist.

21h05 Das Kind ist endlich im Bett. So leid es mir tut, kann ich heute abend nichts vorlesen. Der mini-monsieur ist verständig und akzeptiert ein Hörspiel.

21h20 Ritter Rost ist zu ende. Ich sage noch einmal „Gute Nacht“. Dann lege ich mich aufs Sofa und schlafe ein.

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* Also seit der Begegnung mit dem Papa.

* franz. Oma und Opa

3 Gedanken zu „Liebes Tagebuch am Fünften – Februar

  1. Krank sein mit kleinen Kindern ist gemein. Gute Besserung! Ich liege auch mit 39 im Bett, die Kinder sind allerdings in einem Alter in dem sie schon in der Lage sind sich selbst Mittag zu machen und eine Wärmflasche gegen den Schüttelfrost gab es auch. LG Xeniana

    • Zum Glück ist er nicht mehr ganz klein, sodass ich zwischendurch auch wirklich mal ausruhen darf und kann (!), weil ich nicht die ganze Zeit hinter ihm her sein muss.
      Dir auch gute Besserung (hoffe, Du bist mittlerweile genesen!)

  2. Pingback: Idee | Groß-Stadt-Ansichten

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