Demokratie erleben

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit fünf Jahren nicht so informiert über das Weltgeschehen war wie der mini-monsieur heutzutage. Das liegt vermutlich zum einen daran, dass meine Eltern, insbesondere meine Mutter, viele Dinge von uns Kindern abgeschirmt haben, was zum Glück für mir nicht die gleichen Folgen wie für Frau Brüllen hatte, zum anderen auch daran, dass es heute so tolle Sendungen wie logo! gibt.

Und so informiert der mini-monsieur ist, so denkt er auch mehr oder weniger stark über das nach, was in der Welt passiert. Das eine oder andere beunruhigt ihn. Aber wenn wir drüber reden, geht’s und es macht sich zum Glück keine Angst breit.

Denn Angst wäre ein sehr schlechter Ratgeber bzw. Begleiter beim Heranwachsen zu einem mündigen Bürger. Denn das ist mein Ziel für den mini-monsieur: Ich versuche – und bislang glückt es ganz gut -, ihm mitzugeben, dass er Recht auf eine eigene Meinung hat. Dass er diese auch aktikulieren kann und soll. Auch ich bin so erzogen worden, dass ich stets sagen darf, was ich denke. Dass ich es sogar soll. Manchmal trage ich mein Herz zu sehr auf der Zunge und Diplomatie ist auch nicht unbedingt meine stärkste Stärke.

Der mini-monsieur lernt, dass er den Mund aufmachen darf und soll, wenn ihm etwas nicht passt. Dass es sich lohnt, für das, was einem wichtig ist, einzustehen und zu „kämpfen“. Dass er sagen kann (und soll), wie er sich fühlt und was er denkt. Aber auch, dass es andere Meinungen gibt. Dass nicht nur einer recht hat – also manchmal natürlich schon und das ist im Zweifelsfall Mama.

Ich versuche ihm auch klar zu machen, was es bedeutet, in einem freien und demokratischen Land zu leben. Das Miteinander, Füreinander, die Meinungsfreiheit, die Freiheit, demonstrieren zu dürfen. Und damit er erlebt, was das ganz praktisch bedeutet, waren wir bislang zusammen auf der großen Pro-Hebammen-Demo in Berlin, auf einer kleineren in Frankfurt und einen Tag nach den Anschlägen von Paris zur Trauer-Mahnwache* in Frankfurt. Und natürlich habe ich ihm vorher erklärt, warum wir da und dort hingegangen sind und warum es mir wichtig ist, mit meiner Anwesenheit ein Zeichen zu setzen.

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* Für die Trauer-Mahnwache habe ich ihm die Entscheidung überlassen, ob er mitgehen möchte. Ganz kann er sicherlich nicht die Tragweite erfassen, aber er weiß, dass in Paris was Schlimmes passiert ist, dass Menschen sterben mussten, weil sie gezeichnet und gesagt haben, was sie denken, weil andere Menschen diese Meinung so doof fanden, dass sie dafür die Zeichner getötet haben. Allein das war für ihn Grund mitzukommen. Dazu kam natürlich, dass es in Paris passiert ist – in der Hauptstadt seines Vaterlands des Heimatlandes seines Vaters.

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