Kurz und knapp

  • Wir haben wieder Seuche: Bei mir ist die Stirnhöhle dicht und beim mini-monsieur läuft der Rotz – seit Tagen.
  • Seit Tagen rege ich mich auf. Irgendwie übers Jugendamt, obwohl die da auch nur ihren Job machen. Letztlich ist es die Gesamtsituation: Wieso muss ich eigentlich auf alles Rücksicht nehmen und mir überlegen, wie die Dinge laufen könnten? Ist es meine Schuld, dass der Kindsvater nicht so viel Geld verdient? Ist es meine Schuld, dass er nicht ausreichend Deutsch spricht? Schon in der Beziehung musste ich mich immer um alles kümmern und nun auch noch darüber hinaus.
  • Auf der Suche nach Schnee waren der mini-monsieur und ich im Taunus. Wandern. 9 Kilometer. Ohne Schlitten und trotzdem ohne Murren. Und er läuft und läuft und läuft. Und redet und redet und redet.
  • Der mini-monsieur ist ganz heiß auf die bevorstehende Party bei uns. JEDEN Morgen werde ich gefragt, wie viele Tage es noch dauert.
  • Das Gastspiel der Untermieterin ist zu Ende. Nun haben wir die Wohnung wieder für uns allein.
  • Ich müsste dringend zum Zahnarzt. Habe aber Angst. Dass er schimpft und dass es weh tut. Vermutlich werde ich einen Zahn verlieren.
  • An der Job-Front ist es gerade etwas mau. Ich bin aber auch nicht sonderlich motiviert.
  • Ich hab es ja nicht so mit Serien (vielleicht sollte ich das mal tiefenpsychologisch analysieren lassen – keine langfristige Bindung und so), ABER für „Orange is the new black“ musste ich mir einen Netlix-Testzugang zulegen. Es hat sich gelohnt. Noch jibbel ich der 3. Staffel entgegen. Fürchte Vermute stark, dass ich, wenn es soweit ist, nicht mehr drauf bin.

Erwartungen

Ich versuche mich ja eigentlich so frei wie möglich von Erwartungen zu machen. Also Erwartungen, die ich an andere stelle. An manchen Stellen kann ich mich natürlich nicht frei machen. Und so wäre ich sehr enttäuscht, wenn mir beispielsweise bestimmte Personen nicht zum Geburtstag gratulieren würden. Aber Geschenke erwarte ich gar nicht.

Und manchmal keimt auch eine kleine Hoffnung auf – gerade, wenn ich eigentlich weiß, dass JEDE Idee einer Erwartung nur enttäuscht werden kann. Das habe ich lang genug erleben müssen: Irgendwann merken, dass man noch nicht mal das „Normalste“ zwischen zwei Menschen erwarten darf, ist verdammt hart. Und trotzdem hatte ich immer wieder die Hoffnung, dass vielleicht doch der Funke überspringt.

Doch jetzt gerade kann ich eine Erwartung nicht unterdrücken. Und ich spüre, wie wütend ich werde, wenn ich daran denke, dass sie sehr, sehr wahrscheinlich nicht erfüllt wird.

Vielleicht ist es egoistisch und nachtragend, aber ich kann nicht über (Vater-) Rechte und -Gefühle diskutieren, solange keine Einsicht signalisiert wird. Einsicht darüber, dass insbesondere meine Gefühle und auch die des mini-monsieurs nachhaltig mit Füßen getreten wurden. Dafür erwarte ich eine aufrichtige Entschuldigung. Eine, die mir das Gefühl gibt: Ja, da wurde etwas verstanden.

Und ich hoffe wider besseren Wissens, dass die kleinen Schritte, die ich wage, verstanden werden und zur Einsicht beitragen.

Kevin the Cat

Meine Eltern haben schon sehr lange einen Kevin. Nur, dass sie ihn nicht Kevin nennen. Und der mini-monsieur findet ihren „Kevin“ seit jeher sehr spannend.

Und ich muss sagen, dass er auch mich fasziniert. „Brauche ich auch so einen“, fragte ich mich immer wieder. Aber in der Wohnung, in der wir vor unserem Umzug nach Hamburg wohnten, wäre es zu klein gewesen mit zwei Erwachsenen, einem Kind und einem Hund. Außerdem zu viele unüberwindbare Türschwellen. In der Hamburger Wohnung hätte er sich da schon eher wohl gefühlt. Aber irgendwie ergab es sich nicht, sich um einen solchen Mitbewohner zu kümmern. Doch als wir in die jetztige große Wohnung – nur mit Laminat und Fliesen – gezogen sind, da kam der Gedanke wieder auf.

Und nun, wo ich wieder alleine (mit Kind) wohne, hatten meine Eltern wohl Angst, dass ich als verhärmter Single (mit Kind) ende und haben mich verkuppelt. Wenigstens war es kein Blind Date. Ich durfte ihn mir selbst aussuchen. Und wer mir auf instagram folgt, weiß schon, wovon ich spreche: Kevin, genau Super-Kevin, ist ein Saugroboter.

Nach einer halb-mittlellangen Recherche habe ich mich für den vermeintlichen marktführenden Hersteller entschieden: iRobot. Die „billigeren“ Kollegen taugen entsprechend der Recherche nicht so viel – zumindest nicht ausreichend, wenn man einem solchen technischen Kollegen Obdach gibt, damit er einem auch wirklich etwas Arbeit abnimmt. Die Hersteller-Website ist an dieser Stelle aber nur bedingt aussagekräftig. Bzw. es ist, wenn man bei diversen Online-Händlern guckt, nicht ganz klar, welche Modelle den nun die aktuellen und welche ältere sind. Ich bin einfach mal davon ausgegangen: je hörer die Nummer, desto neuer. Die Staubsauger-Linie dieser Marke nennt sich Roomba und hat derzeit drei Modell-Reihen: Die 6er, die 7er und die 8er. In Anbetracht der gebotenen Features habe ich mich für den Mittelweg entschieden. Genau für den Roomba 780.

Boah, was war das spannend, als er geliefert wurde. Für den mini-monsieur. Nachdem es beim ersten Öffnen der Packung so aussah, als müsste ich erst noch die Bürsten einsetzen, verschob ich das Un-Boxing auf den nächsten Tag. Sehr zum Leidwesen des mini-monsieurs.

wpid-img_20150109_121514.jpgAber wenigstens haben wir ihn noch getauft: Super-Kevin. Damit endlich dieser Name in unserem Haushalt vergeben ist. Denn vor einiger Zeit stand der mini-monsieur vor mir und verkündete, dass er nicht mehr seinen Namen haben, sondern dass er Kevin genannt werden wolle. (Ja, da sachste als Mutter nix mehr…)

Am nächsten Abend war es dann soweit. Hoffte der mini-monsieur. Doch wie es sich herausstellte, musste Kevin gar nicht zusammengebaut, aber aufgeladen werden. Also suchten wir einen geeigneten Platz im Wohnzimmer, weil er dort voraussichtlich am meisten zum Einsatz kommen wird. Dort stellten wir die Ladestation auf, zupften das Sicherheitssiegel vom Akku und setzten Kevin auf die Station. Beim Versuch, den Wochentag und die Uhrzeit anzustellen, muss ich irgendeine Taste zu lang, zu kurz, zu irgendwie gedrückt haben, denn Kevin düste – vermutlich aus dem letzten Loch pfeifend, der Akku war ja jenseits von geladen – los.

Das Kind und ich betrachteten ihn halb panisch, halb fasziniert und riefen ihm erstmal zu: „Kevin, zurück auf Deinen Platz!“ Stellten dann aber fest, dass das Drücken der entsprechenden Taste, deutlich erfolgsversprechender ist. Kevin fuhr also allein zurück auf die Station. Und während wir seinem ersten Einsatz entgegenfieberten schliefen, lud er auf.

wpid-img_20150109_211749.jpgAm nächsten Tag kam das, was den Einsatz eines Saugrobotes für einige Menschen wohl unpraktisch macht: aufräumen und das ein oder andere Möbel hochstellen. Aber da ich das eh mache, bevor ich sauge, war das jetzt kein Drama. Das einzige Problem war, dass wir keine Virtuelle Wand einsetzen konnten, da ich zwar diverse Batterienarten da habe, aber keine C-Batterien. Ich wollte ihn aber bei seinem ersten Einsatz nicht einsperren (und mich nicht aus Wohnzimmer und Küche sperren) und so war die Wand auf der Türschwelle zum Flur nicht virtuell, sondern ganz konkret, nämlich ein Umzugskarton.

Der mini-monsieur durfte die „Clean“-Taste drücken und dann setzten wir uns aufs Sofa, um Kevin zu beobachten. Eine eher suboptimale Idee: Das Kind konnte nicht still sitzen und gucken, sondern wollte Kevin die ganze Zeit zeigen und sanft dahin lenken, wo er lang sollte. Und mich machte er schon nach den ersten Metern Minuten leicht wahnsinnig: Die Wege, die er absolvierte, mach(t)en keinen Sinn (jaja, man hatte mich vorgewarnt). Er fuhr hier lang, drehte, fuhr zurück, drehte, fuhr nach vorne, nach hinten… Also sooo sauge ich nicht und noch erschloss sich mir die Arbeitserleichterung nicht. Zudem – und deswegen heißt er auch „Kevin the Cat“ – war es wie bei einer Katze: Er jagte diverse Wollmäuse aus dem Versteck, ließ sie dann erstmal liegen, umkreiste sie, um sie dann – glücklicherweise – schlußendlich zu erlegen.

Irgendwann war es mir zu doof und wir ließen ihn allein. Ab und an guckte ich noch, was er machte. Stellte fest, dass er problemlos unter diverse Möbel kommt, unter die ich nur mit größerem Aufwand komme. Und irgendwann war er dann wieder auf seiner Station. Das macht er, wenn er entweder fertig ist (zumindest das meint) oder geladen werden muss. Ich inspizierte Küche und Wohnzimmer (weil ja ein Raum) und war schon ziemlich zufrieden, aber halt noch nicht ganz. Also schickte ich ihn noch einmal los.

Nach der zweiten Runde sah es sehr gut aus. Das, was ich aus dem Staubbehälter holte zeigte auch, dass es sich wirklich gelohnt hatte.

wpid-img_20150119_000327.jpgSeitdem durfte er auch schon in den Flur und mein Schlafzimmer. Das Kinderzimmer konnte aufgrund der Lego-Kontaminierung noch nicht in Angriff genommen werden. Und das Gästezimmer ist derzeit von der Untermieterin zugerümpelt belegt.

Und nach über einer Woche mit Kevin, weiß ich gar nicht, wie ich bislang OHNE Kevin auskommen konnte. Nein, so schlimm ist es nicht, aber er ist durchaus praktisch. Denn in der Zeit, in der er rumdüst, kann ich halt was anderes machen. Oder er kann los, wenn wir nicht da sind (also auch was anderes machen). Natürlich ersetzt er nicht komplett einen „normalen“ Bodenstaubsauger, denn Kanten und Fußleisten oder auch mal die Fensterbank kann er halt nicht absaugen. Aber er macht grundsolide Basisreinigung, ohne dass es mich Zeit kostet, und das ist schon einmal viel wert.

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Disclaimer: Ich habe kein Geld oder sonstige Zuwendungen der Firma iRobot für diesen Bericht erhalten.

Demokratie erleben

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit fünf Jahren nicht so informiert über das Weltgeschehen war wie der mini-monsieur heutzutage. Das liegt vermutlich zum einen daran, dass meine Eltern, insbesondere meine Mutter, viele Dinge von uns Kindern abgeschirmt haben, was zum Glück für mir nicht die gleichen Folgen wie für Frau Brüllen hatte, zum anderen auch daran, dass es heute so tolle Sendungen wie logo! gibt.

Und so informiert der mini-monsieur ist, so denkt er auch mehr oder weniger stark über das nach, was in der Welt passiert. Das eine oder andere beunruhigt ihn. Aber wenn wir drüber reden, geht’s und es macht sich zum Glück keine Angst breit.

Denn Angst wäre ein sehr schlechter Ratgeber bzw. Begleiter beim Heranwachsen zu einem mündigen Bürger. Denn das ist mein Ziel für den mini-monsieur: Ich versuche – und bislang glückt es ganz gut -, ihm mitzugeben, dass er Recht auf eine eigene Meinung hat. Dass er diese auch aktikulieren kann und soll. Auch ich bin so erzogen worden, dass ich stets sagen darf, was ich denke. Dass ich es sogar soll. Manchmal trage ich mein Herz zu sehr auf der Zunge und Diplomatie ist auch nicht unbedingt meine stärkste Stärke.

Der mini-monsieur lernt, dass er den Mund aufmachen darf und soll, wenn ihm etwas nicht passt. Dass es sich lohnt, für das, was einem wichtig ist, einzustehen und zu „kämpfen“. Dass er sagen kann (und soll), wie er sich fühlt und was er denkt. Aber auch, dass es andere Meinungen gibt. Dass nicht nur einer recht hat – also manchmal natürlich schon und das ist im Zweifelsfall Mama.

Ich versuche ihm auch klar zu machen, was es bedeutet, in einem freien und demokratischen Land zu leben. Das Miteinander, Füreinander, die Meinungsfreiheit, die Freiheit, demonstrieren zu dürfen. Und damit er erlebt, was das ganz praktisch bedeutet, waren wir bislang zusammen auf der großen Pro-Hebammen-Demo in Berlin, auf einer kleineren in Frankfurt und einen Tag nach den Anschlägen von Paris zur Trauer-Mahnwache* in Frankfurt. Und natürlich habe ich ihm vorher erklärt, warum wir da und dort hingegangen sind und warum es mir wichtig ist, mit meiner Anwesenheit ein Zeichen zu setzen.

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* Für die Trauer-Mahnwache habe ich ihm die Entscheidung überlassen, ob er mitgehen möchte. Ganz kann er sicherlich nicht die Tragweite erfassen, aber er weiß, dass in Paris was Schlimmes passiert ist, dass Menschen sterben mussten, weil sie gezeichnet und gesagt haben, was sie denken, weil andere Menschen diese Meinung so doof fanden, dass sie dafür die Zeichner getötet haben. Allein das war für ihn Grund mitzukommen. Dazu kam natürlich, dass es in Paris passiert ist – in der Hauptstadt seines Vaterlands des Heimatlandes seines Vaters.

Muss das sein?

Letztens saß der mini-monsieur ganz aufgelöst vor mir und erzählte schluchzend, dass die Mutter eines Mit-Kiga-Kindes, nennen wir ihn D, ihm gesagt hätte, er müsste ein Spielzeug von D ersetzen. Es dauerte ein bisschen, bis ich herausgefunden hatte, was passiert war:

Im Kiga ist es so, dass die Kinder jederzeit Spielzeug mitbringen dürfen. Immer. Und soweit ich weiß, gibt es dafür auch keine dezidierten Regel. (Im Gegensatz zum Hamburger Kiga, wo es einen Spielzeugtag gab und klar war, dass die Kinder für ihr Spielzeug verantwortlich sind.) Auch der mini-monsieur möchte hin und wieder was mitschleppen. Das darf er auch. Wobei er allerdings berücksichtigen muss, dass das Spielzeug nicht zu kleinteilig (z.B. Lego, zumal es das auch im Kiga gibt), gefährdend (z.B. das Holzschwert seiner Ritterrüstung) und zu fragil ist. Ich bin der konservativen Meinung, dass es Spielzeuge gibt, die haben im Kiga bzw. einer größeren Gruppe nichts zu suchen. Ich erkläre ihm auch, dass er für das mitgenommene Spielzeug verantwortlich ist. Wenn etwas kaputt geht (solange nicht mutwillig zerstört, wie das aufblasbare Schwert durch Reinbeißen), es abhanden kommt oder er es vergisst, ist das seine Verantwortung.

Nun hatte D wohl ein Laserschwert mit – mit Geräuschen und allem Gedöns. Klar, dass _alle_ Kinder darauf abfahren. Auch der mini-monsieur, der zusammen mit einem Kumpel damit spielte kämpfte. Möglicherweise nicht das sensibelste Spiel, aber es ist ja auch ein Schwert. Aber wohl kein allzu stabiles, denn es wurde irgendwie zerstört in seinen Funktionen eingeschränkt. D heulte der Legende nach, als ihn die Mutter abholte, was sie wohl dazu bewog, den mini-monsieur (vermutlich war er pflichtbewusst am Tatort geblieben) rhetorisch grenzwertig etwas sehr deutlich undiplomatisch in Haftung zu nehmen.

Äh ja, ich kann den Unmut der Mutter ja bis zu einem gewissen Grad verstehen, aber einen 5-Jährigen angehen, geht nun mal gar nicht. Und ich will jetzt nicht den schwarzen Peter hin- und herschieben, aber solche Spielzeuge haben meiner Meinung nach (s.o.) auch nichts im Kiga verloren. Und so ging ich, bereit mein Kind aufs Äußerste zu verteidigen, am nächsten Tag in den Kiga, um mit einer Erzieherin den Vorfall zu besprechen.

Sie bestätigte mir, was der mini-monsieur geschildert hatte, glättete aber auch gleich die Wogen, denn die Mutter hätte nicht noch einmal etwas gesagt, dass etwas ersetzt werden müsse, und gab mir deutlich zu verstehen, dass auch nicht sinnig findet, ein solches Spielzeug in den Kindergarten mitzubringen.