Kamikaze

Ziemlich genau vor drei Jahren haben ich meinen ersten richtigen festen Job gekündigt. Als ich nach der ewigen Kündigungsfrist ging, war ich über sieben Jahre dort angestellt. Es war eine gute Zeit. Ich habe viel gelernt. Doch da war noch viel Luft nach oben. Neues lockte und ich verließ nicht nur die Beschaulichkeit einer inhabergeführten Agentur, sondern auch die Frankfurts.

In den vergangenen fast drei Jahren habe ich viel gelernt. Über das Arbeitsleben (in Netzwerkagenturen), über Kündigungen, über Arbeitslosigkeit, über mich, über das, was mir wirklich wichtig ist im Job. Innerhalb dieser Jahre bin ich nun bei der dritten Agentur gelandet. Und so wie es aussieht, werde ich dort auch nicht bleiben.

Dabei sah es anfangs gut aus. Es gab einen großen Kunden (hatte ich in der Agentur davor nicht), ich hatte ein, wenn auch, Mini-Team (hatte ich davor auch nicht) und ich hatte anscheinend eine Vorgesetzte, die mich tatsächlich so wahrnahm, wie es in meiner Position sein sollte.

Die Dinge gingen so ihren Gang. Und auf einmal war ich schon fünf Monate angstellt und das zu oft verschobene Drei-Monats-Feedbackgespräch fand statt. Und ich bekam eine Rückmeldung, die sich gewaschen hatte: Gefühlt wurde kein gutes Haar an mir gelassen. Auch wenn ich einiges nachvollziehen konnte, war mir die Härte fremd – zumal sie sich nicht einmal vorher angedeutet hatte.

Das zweite Gespräch per Telefon an meinem Urlaubstag hätten wir uns schenken können. Denn noch eine Woche später waren meine Chefinnen beide extra nach Frankfurt gekommen. Und als ich zum Gespräch gebeten wurde, war mir schon klar, dass es nichts Gutes bedeutet: Kündigung. Aber eine „gnädige“, wie betont wurde. Man wollte mir noch eine Chance einräumen, daher keine „reguläre“ Kündigung in der Probezeit, sondern eine mit „normaler“ Kündigungsfrist, innerhalb derer ich mich bewähren dürfte.

Ich weiß nicht, was die beiden erwartet hatten, vielleicht, dass ich dankbar auf die Knie falle und sofort verspreche, mein komplettes Leben von nun an dem Job unterzuordnen. Aber meine nüchterne Reaktion hat ihnen definitiv nicht gepasst. Und meine Reaktion, nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, auch nicht. Denn ich frage mich bis heute, wie echt diese Chance ist.

Aber ich habe mich trotz des privaten Mists zusammengerissen. Bin ins Büro. Habe mein Bedürfniss, meine Wunden lecken zu wollen, ignoriert. Doch mein Bemühen wurde nicht nur nicht anerkannt, sondern auch noch kolportiert. Obwohl ich andeutete, dass ich gerade etwas viel um die Ohren hätte, wurde mir mehr aufgehalst.

Es ging nicht mehr. Ich war kurz davor zusammenzubrechen. Auf meine Krankmeldung hieß es, dass ich mit einer Krankschreibung zum jetzigen Zeitpunkt meine Chance aufs Spiel setzen würde. Und wenn mir dann auch noch gesagt wird, dass ich ja wirklich dringend mal mit einem Arzt sprechen müsse, dann ist das Maß voll. Dann weiß ich, dass es richtig ist, mich krankschreiben zu lassen, denn alles andere wäre Kamikaze.

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* Offiziell aus persönlichen Gründen. Aber wie ich kürzlich erfuhr aufgrund meiner (und ihrer) Vorgesetzten.

8 Gedanken zu „Kamikaze

  1. Dieses scheiß Agenturleben mit seiner Familienfeindlichkeit und den durch die Bank fürhrungsunfähigen Chefs. Es ist scheinbar überall das Gleiche. Was haben deine Chefinnen denn erwartet? Motivation geht auf jeden Fall anders…

    Liebe Grüße und eine gute Portion Kraft schickt dir B.

  2. Viel Kraft und hoffentlich jetzt auch Zeit / Gelegenheit deine ‚Wunden‘ zu lecken.

    Ich hoffe, 2015 wird in allen Beziehungen ruhiger für dich

    LG SaBine

  3. also ich blick das nicht ganz – was soll das den ?? Kündigung mit Bewährung ? soll man sich da dann noch wohl fühlen und alles geben und am Ende doch gehen ?
    Ich finde das vorgehen schon konkrett ärgerliche 😦 tut mir arg leid…..

    Kopf Hoch
    Juli

  4. Danke, Ihr Lieben!
    @ B: Ja, Sch***-Agenturleben. Mein Problem ist nur, dass Unternehmen auch nicht attraktiver ist.
    @ SaBine: Ich hoffe, dass die vielen Kraftakte in diesem Jahr die Dinge auf Wege gebracht haben, die 2015 entspannt(er) beschritten werden können.
    @Juli: Ja, ich glaube, das haben sie tatsächlich erwartet. Wenn ich daran denke, wie oft, betont wurde, dass das ja ein Chance sei. Bloß mit dem Problem, dass ich eine Woche vor der Kündigung noch gezielt nach Kündigung gefragt habe. Aber da war kein Wort davon…

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